Beschleuniger für Wandel in der Arbeitswelt . Kann ein Geschäftsführer in Homeoffice gehen? Fragen wie diese wurden von der Unternehmensplattform respACT am FH-Campus Wieselburg diskutiert

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. November 2020 (15:05)
Der Verein respACT lud zur Diskussion in den FH-Campus Wieselburg, von links: Doris Raßhofer (gugler*SinnBildung), Reinhard Herok (Fachbereich Green Marketing, FH Wiener Neustadt) und Herbert Schlossnikl (Vöslauer GmbH).
respACT

Die Folgen von Corona sind für Wirtschaft und Unternehmen auf allen Ebenen zu spüren. Covid-19 stellt viele vor große Herausforderungen. Social Distancing ist plötzlich angesagt und der Arbeitsplatz zu Hause. Vor der Pandemie hatten erst 18 Prozent der österreichischen Unternehmen auf Telearbeitsplätze umgestellt. Für alle anderen bedeutet das: große Investitionen und viele offene arbeitsrechtliche Fragen. Die Themen Vertrauen und Unternehmenskultur spielen in der neuen Arbeitswelt eine zentrale Rolle. respACT – Österreichs führende Unternehmensplattform für nachhaltiges Wirtschaften und die Fachhochschule Wiener Neustadt haben Experten zur Diskussion über dieses aktuelle Thema in den Campus Wieselburg geladen. Als Moderator agierte Reinhard Herok vom Masterstudiengang Green Marketing am FH-Campus Wieselburg.

„Ja zu Homeoffice, auch wegen Verantwortung“

Für Herbert Schlossnikl, respACT-Vizepräsident und Landeskoordinator für Niederösterreich sowie Geschäftsführer der Vöslauer Mineralwasser GmbH, stellte sich zu Beginn des Lockdowns die Frage: „Kann ein Geschäftsführer in Homeoffice gehen?“ Seine Antwort dazu fiel eindeutig positiv aus: „Ja, ich trage die Verantwortung für viele Mitarbeiter, bin sehr vernetzt und will niemanden gefährden.“ Vertrauen, als Schlüsselthema bei Vöslauer, habe den gesamten Dialog zwischen Geschäftsleitung, Mitarbeitenden in der Verwaltung und Produktion begleitet. Bereits vor dem Lockdown hat das Unternehmen die Mitarbeiter-App VÖSLAURA gelauncht, die 175 von den 200 Mitarbeiter nutzen. Im September hat der Public Relations Verband Austria diese Initiative zur Förderung der internen Kommunikation auch mit der Silbernen Feder in der Kategorie „Digital“ ausgezeichnet.

In seiner Keynote hat Michael Bartz, Professor am Institut für International Business an der IMC FH Krems, den hohen Know-How-Gewinn in Unternehmen angesprochen. Erstens, die Kommunikation in Betrieben auf Distanz betreffend, zum Beispiel über Zoom, MS-Teams oder Skype, und zweitens in Bezug auf die Führung auf Distanz: „Diesen Gewinn gilt es jetzt nachhaltig zu nutzen.“

Herbert Schlossnikl (Vöslauer GmbH) ,Doris Raßhofer (gugler*SinnBildiung), Reinhard Herok (Fachbereich Green Marketing, FH Wiener Neustadt, von links).
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Andrea Dietl, Expertin für CSR und Nachhaltigkeit des Netzwerks #lernenausderkrise, stellte die SDGs als große Qualitätsoffensive für Unternehmen heraus, die mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen einen Kompass für Innovationen an der Hand hätten. Das Projekt #lernenausderkrise ist eine Corona Deep Dive Learning Initiative für die österreichische Wirtschaft, die neue Erkenntnisse für die Unternehmensführung der Zukunft schafft.

Als Akademieleiterin der gugler* SinnBildung hat Doris Raßhofer die in der Pandemie ruhende Innovationskraft hervorgehoben, die nicht nur Produktionsabläufe, sondern auch traditionelle Rollenverständnisse in der Arbeitswelt hinterfragt. Für Raßhofer spielt die Selbstführungskompetenz der Mitarbeiter in der Krise eine verstärkte Rolle. Denn wenn diese die Vision des Unternehmens und ihren eigenen Beitrag am großen Ganzen kennen, haben sie einen intrinsischen Kompass über ihre Aufgaben und Verantwortungen, auch im Remote-Modus, jenseits der Kontrolle.