Herbsttage: Operette hat „positiv überrascht“

Am Freitag feiert die „Operettenrevue“ Premiere. Erstmals mit dabei ist Emilia Heigl (21) aus Wieselburg.

Erstellt am 08. Oktober 2020 | 14:38
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Herbsttage-Intendant Michael Garschall mit der 21 Jahre jungen Wieselbuger Sängerin und Tänzerin Emilia Heigl, die heuer in beiden Produktionen mitwirkt. „Wir freuen uns immer wieder, junge Talente aus der Region in unsere Ensembles aufzunehmen. Das war und ist nach wie vor auch ein Ziel der Herbsttage. Bislang waren wir damit auch sehr erfolgreich. So hatte etwa Andreas Schager aus Hainfeld, heute einer der gefragtesten Wagner-Tenöre der Opernwelt, sein erstes Engagement in Blindenmarkt“, erinnert sich Garschall. Und auch Emilia Heigl hat Spaß beim Engagement in Blindenmarkt: „Ich bin positiv überrascht von der Operette. Sie ist hier cool und modern.“ 
Foto: Eplinger

Mit 21 Jahren hat man mit dem Operetten-Genre meist nur wenig am Hut. Da spielt eine andere Musik. So auch bei Emilia Heigl aus Wieselburg. Die Absolventin der Performing Academy Wien hat sich durch und durch dem Musical verschrieben. „Ich habe zwar durchaus auch Interesse am Theater und zum Beispiel in Perchtoldsdorf auch schon hospitiert, aber zur Operette kam ich erst jetzt durch das kurzfristige Engagement in Blindenmarkt“, erzählt Emilia Heigl im Gespräch mit der NÖN.

Und sie zeigt sich „wirklich positiv überrascht. Operette macht richtig Spaß. Sie ist cool und modern – vor allem hier in Blindenmarkt und in einer Revue-Inszenierung. Da ist alles sehr abwechslungsreich“, sagt Heigl, die eigentlich seit Mitte September auf einem Kreuzfahrtschiff durch die Weltmeere unterwegs hätte sein sollen. Doch Corona machte diesem Engagement als Sängerin am Schiff einen Strich durch die Rechnung.

Sowohl in der Revue als auch in Pippi zu sehen

Und so kam sie über Vermittlung Choreographin Monica I. Rusu-Radman, die Emilia Heigl auch auf der Performing Academy Wien unterrichtet hat, zu dem Engagement in Blindenmarkt. Dort spielt, singt und tanzt sie sowohl in der „Operettenrevue“ (Premiere am 9. Oktober) als auch im Theaterstück „Pippi Langstrumpf“ mit. Seit Anfang September wird intensiv geprobt, seit 12. September direkt in Blindenmarkt. Dazu hat das Ensemble auch gemeinsam ein Umdasch-Wohnhaus in Amstetten bezogen. Für Emilia Heigl geht es ab dieser Woche dennoch fast täglich auch nach Wien. Denn dort laufen am Vormittag parallel die Proben für „Pippi Langstrumpf“ (Premiere am 18. Oktober). „Es ist schon eine Herausforderung, praktisch gleichzeitig in mehrere Rollen zu schlüpfen. Aber es macht irrsinnigen Spaß – noch dazu wo man in Blindenmarkt auf sehr extravagante und originelle Kostüme setzt“, lächelt Heigl.

Ihre Pläne bezüglich des Jus-Studiums als zweites Standbein hat sie aufgrund des Herbsttage-Engagements etwas zurückgesteckt. „Ich habe zwar inskribiert und mich für eine Vorlesung eingetragen, mehr geht aber derzeit nicht. Mal schauen, wie alles weiterläuft. Vielleicht mache ich dann ab November mehr Übungen auf der Uni“, sagt Heigl.

Sicher und flexibel sind die Zauberwörter 2020

Spaß macht die Produktion auch Herbsttage-Intendanten Michael Garschall, der die Herbsttage trotz aller Corona-Auflagen auf keinen Fall ausfallen lassen wollte. „Wir spielen sicher“, lautet Garschalls Credo im doppelten Sinn. Dass es nicht die geplante Operette „Graf von Luxemburg“ wurde, macht der Freude über die diesjährige Produktion keinen Abbruch. „Eine Operetteneigenproduktion mit bis zu 100 Personen wäre in der heutigen Zeit unverantwortlich. So sind wir eine kleinere Mannschaft mit insgesamt rund 40 Leuten inklusive Künstlern und allem drum herum. Dazu haben wir ein bis ins Detail ausgearbeitetes Covid-Präventionskonzept, für das wir auch von der Bezirkshauptmannschaft Melk sehr gelobt wurden. Wir lassen unser Team in Zusammenarbeit mit einem St. Pöltner Labor auch freiwillig testen, um jegliches Risiko zu minimieren. Sollte trotzdem der Fall der Fälle eintreten oder jemand in Quarantäne kommen, dann können wir umbesetzen beziehungsweise haben wir das Orchester überhaupt doppelt besetzt“, schildert Michael Garschall.

Das birgt natürlich auch eine finanzielle Herausforderung in sich. So wie die begrenzt zugelassene Besucherzahl. Fasst die Ybbsfeldhalle normalerweise 550 Besucher, so sind heuer pro Vorstellung nur 321 zugelassen. Und aktuell bei oranger Ampel im Bezirk Melk gar nur 250. Außerdem gibt es heuer statt den normalerweise 18 Vorstellungen nur sechs, wobei noch die eine oder andere Zusatzvorstellung hinzukommen könnte.

„Flexibilität ist derzeit das Schlagwort, vor allem auch aufgrund der verschärften Maßnahmen bei oranger Ampel. Aber zum Glück sind sowohl Ensemble als auch die Zuschauer sehr verständnisvoll und finanziell sichern uns das Land Niederösterreich und die Gemeinde Blindenmarkt sowie die treuen Sponsoren und unser Verein Freunde der Herbsttage ab“, weiß Garschall.

Gespielt wird heuer ohne Pause. Buffet gibt es vor und nach den Vorstellungen. Bis zum Sitzplatz herrscht Maskenpflicht. Falls sich noch etwas kurzfristig ändert, informieren die Herbsttage aktuell über die Homepage. „Unsere Besucher sollen einen schönen und sicheren Abend erleben, getreu dem Untertitel unserer Operettenrevue: Freunde, das Leben ist lebenswert!“, wünscht Michael Garschall.