Dagmar Bernhard: Vom Stillstand in der Kultur. Schauspielerin Dagmar Bernhard sprach mit der NÖN über Kurzfilme, den Lockdown und „neue“ Projekte.

Von Anna Faltner. Erstellt am 05. Dezember 2020 (03:47)
Im November 2019 enstand der Kurzfilm „Goldstar“, in dem Dagmar Bernhard eine Lehrerin für Flüchtlinge spielt. Nun wurde der Film beim „International Assurdo Festival“ in Italien mit dem Jurypreis ausgezeichnet.
Costafilm

Die Künstlerbranche steht still, noch stiller als viele andere Branchen. So hat die gebürtige Wieselburgerin Dagmar Bernhard dieses Jahr auch mehr Zeit zuhause als auf der Bühne verbracht. Ein paar wenige Highlights gibt es aber doch. Der Film „Goldstar“ des syrischen Regisseurs Amin Pourbarghi mit Bernhard in der Hauptrolle hat den Jurypreis beim „International Assurdo Festival“ in Italien gewonnen.

NÖN: Ein Filmpreis während Corona. Wie ist das möglich?

„Einen Berufsalltag gibt es momentan nicht. Ich bastle selbst an Projekten, die mich im Geist fördern.“ Dagmar Bernhard

Dagmar Bernhard: Wir haben den Kurzfilm im November 2019 gedreht, eine inoffizielle Premiere fand im März statt. Nun ist er zu verschiedenen Festivals geschickt worden, und da hat er in Italien gewonnen. Zu sehen ist er nur bei Festivals, Kurzfilme laufen ja nicht im Kino. Das hätte ja jetzt sowieso zu.

Was halten Sie selbst vom Film?

Bernhard: Es ist ein spannendes Thema. Ich spiele eine Lehrerin für Flüchtlinge, die sich in eine Schülerin verliebt. Gefilmt wird nur aus meiner Perspektive. Egal was war, nur ich bin gefilmt worden. Das Thema wurde sehr gut umgesetzt. Der Regisseur macht echt spannende Projekte, ich habe viel mit ihm gesprochen. Er ist selbst ein syrischer Flüchtling gewesen, hat Elektroschocks bekommen. Da merkt man, dass es viele Unschuldige trifft. Er hat schon sehr viel erlebt. Und er macht tolle Kurzfilme aus seinen Ideen.

Abgesehen von dem Preis – gibt es zurzeit auch andere Projekte?

Bernhard: Naja, was soll man machen? Momentan ist es sehr ruhig. Alles was schon verschoben wurde, wird nochmals verschoben. Bei uns ergibt sich vieles kurzfristig. Normalerweise passiert da immer etwas, aber jetzt ist alles im Wartebereich. Es kann nur per Zufall passieren, dass sich etwas Neues auftut. Ich bin froh, dass ich meinen Werbeauftrag von Schärdinger habe. Vielen meiner Berufskollegen geht es anders, die haben echt Existenzängste. Wir haben keine Künstlerversicherung, es gibt kein Konzept. Man legt nicht so viel Wert auf Kultur, so kommt mir das vor.

Was würden Sie jetzt eigentlich machen – wäre Corona nicht?

Bernhard: Wir hätten spätestens jetzt mit unserer neuen Spielreihe, das Musik-Comedy-Projekt „Teilzeitdivas“ gestartet. Das Programm, gemeinsam mit Ingried Diem und Ursula Gerstbach, ist fertig.

Worum geht‘s in dem Projekt?

Bernhard: Unser Programm heißt „Blinddate mit Bruce Will-es“. Das kommt wahrscheinlich erst nächsten September. Wir hätten Mai angepeilt, aber da bin ich schon in Melk bei den Sommerspielen.

Apropos Sommerspiele. Da waren Sie auch heuer mit dabei – halt in anderer Form ...

Bernhard: Ja, als Ersatz gab es die Xperiment-Reihe. Jede Woche haben wir ein neues Stück auf die Beine gestellt. Das war schon immer sehr knapp, aber irgendwie war es doch möglich.

Wie geht es Ihnen im Lockdown?

Bernhard: Einen Berufsalltag gibt es momentan nicht. Im Kopf ja, ich bin kreativ, bastle an meinen eigenen Projekten, schneide selber Videos, die mich im Geist fördern. Ich denke, wir Künstler können mit so einer Situation gut umgehen, weil wir öfter Leerläufe haben. Eine Stunde Sport, eine Stunde lesen und eine Stunde kreativ sein – das brauche ich jeden Tag.

Gibt’s schon Pläne für zukünftige Projekte?

Bernhard: Dadurch, dass es schon so lange dauert, nein. Wir warten einfach ab, dass wir bald wieder durchstarten können.