FH: Abschied statt großer Jubiläumsfeier. Die FH Wiener Neustadt und Astin Malschinger beziehungsweise Andrea Grimm, seit 19 Jahren Campus-Leiterinnen, gehen getrennte Wege.

Von Christian Eplinger. Update am 06. Februar 2019 (12:28)
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Der Fachhochschul-Campus Wieselburg war seit 1999 das „Baby“ von Astin Malschinger (oben links) und Andrea Grimm. Die für Herbst geplante Feier zum 20-jährigen Jubiläum ist ihnen nicht mehr vergönnt. Mit 1. März trennen sich die Wege.

Die Kunde machte am Freitag in Windeseile die Runde am Fachhochschul-Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt. Campus-Leiterin Astin Malschinger (52) und ihre Stellvertreterin Andrea Grimm (51) verlassen mit Ende Februar die Fachhochschule. „Aus organisatorischen Gründen, um der steten Entwicklung des Hochschulsektors bestmöglich gerecht zu werden“, wie es in der offiziellen Aussendung der FH Wiener Neustadt heißt.

Dass sich dahinter grundlegende Auffassungsunterschiede in der Campus-Führung zwischen der „Mutter“, der Fachhochschule Wiener Neustadt, und der „Tochter“, der Austrian Marketing University am FH-Campus Wieselburg, verbergen, ist ein offenes Geheimnis. Immerhin haben Astin Malschinger als Campus- und Studiengangsleiterin sowie Andrea Grimm als ihre Stellvertreterin seit 19 Jahren eine wirtschaftlich erfolgreiche Aufbau- und Entwicklungsarbeit in Wieselburg geleistet. Die Feier zum 20-jährigen Jubiläum des Standortes Wieselburg ist den beiden jetzt nicht mehr vergönnt. Mit 1. März erfolgt die „organisatorische und personelle Veränderung am Campus Wieselburg.“

„Das stinkt gewaltig! Als Studierende der AMU haben wir ein Recht auf Antworten!“Unter den Wieselburger Studenten macht seit Freitag ein Schreiben die Runde.

Entsprechender Unmut herrscht seit Freitag unter den Wieselburger Studenten. Am FH-Campus Wieselburg macht ein Schreiben mit dem Titel „Das stinkt gewaltig!“ die Runde. Die AMU-Studenten fordern darin klare Antworten über die Gründe, die zu diesem Schritt führten und wollen mittels Mails und Anrufen an die FH-Geschäftsführung in Wiener Neustadt auch Zeichen setzen.

Dass der FH-Mutter Wiener Neustadt der selbstbewusste und teils eigenständige Führungsstil am Campus Wieselburg missfiel, wollte FHWN-Pressesprecher Johannes Dosek gegenüber der NÖN nicht bestätigen: „Der Campus Wieselburg ist keine juristisch selbstständige Tochtergesellschaft der FH Wiener Neustadt, sondern einer von vier Standorten. Unternehmensintern wird daher auch nicht von einer Beziehung gesprochen, da dies weder den organisatorischen beziehungsweise gesellschaftsrechtlichen Tatsachen noch unserem Verständnis der Zusammenarbeit zwischen den Standorten entspricht. Ein interner Organisationsentwicklungsprozess ist davon völlig losgelöst zu betrachten – Wachstum bedeutet, dass Organisations- und Führungsstrukturen angepasst werden. Konflikte entstehen eher dann, wenn diese laufende und notwendige Weiterentwicklung verabsäumt wird“, erklärt Dosek.

Dabei hatte vor fünf Monaten beim Spatenstich für das neue Wieselburger FH-Gebäude der Wiener Neustädter Bürgermeister und FHWN-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schneeberger die hohe Qualität und das große Engagement am Campus Wieselburg noch in höchsten Tönen gelobt hatte. „Wieselburg hat all unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Schneeberger damals.

„Wachstum bedeutet, Organisations- und Führungsstrukturen anzupassen. Dieser Prozess wurde im Vorjahr eingeleitet.“FHWN-Pressesprecher Johannes Dosek

Jetzt scheinen aber die Differenzen zwischen der Mutter und der Tochter zu groß geworden zu sein. Für beide Seiten wurde eine Trennung unumgänglich. „Im Zuge des umfassenden Organisationsentwicklungsprojektes, welches unternehmensintern seit knapp zwei Jahren erarbeitet und bereits laufend umgesetzt wird, haben sich diese strukturellen Änderungen bereits im Laufe des letzten Jahres herauskristallisiert. Es handelt sich daher um keinen überraschenden Schritt, sondern um das Ergebnis eines gemeinsam gestalteten Prozesses“, erklärt Johannes Dosek weiter.

Einen direkten Anlassfall hätte es für die Trennung nicht gegeben. Eine Änderung zum Semesterwechsel sei im Bildungssektor durchaus üblich. Eine geordnete Übergabe und eine problemlose Fortführung des Studienbetriebes hat ohnehin für alle Seiten nun oberste Priorität, wie auch Astin Malschinger bestätigte. Malschinger und Grimm werden daher bis 28. Februar uneingeschränkt am Campus tätig sein und ihre Agenden strukturiert übergeben.

Noch nicht klar wie es personell weitergeht

Wie es personell nach dem 1. März weitergeht, konnte Johannes Dosek noch nicht sagen: „Es gibt derzeit weder personelle noch zeitliche Entscheidungen. Die Trennung der organisatorischen Leitung des Campus und der Lehre ist im vergangenen Jahr ohnehin bereits eingeleitet beziehungsweise umgesetzt worden, so wie es auch im Fachhochschulstudiengesetz vorgesehen ist“, erklärt Dosek.

Dass Malschinger und Grimm der Abschied schwerfällt, ist nach 19 Jahren nicht verwunderlich. „Es ist emotional wie eine Kindesweglegung“, gesteht Andrea Grimm. Bedanken möchte sich Malschinger bei allen Mitarbeitern und Studierenden. „Nur durch sie war es möglich, in Wieselburg einen solch lebendigen und kraftvollen Standort zu entwickeln. Es war mir immer eine große Freude, mit so vielen jungen kreativen und motivierten Menschen zu arbeiten und ich werde die Zusammenarbeit immer in guter Erinnerung behalten“, betont Malschinger. Einen weiteren Kommentar zu diesem Schritt wollte die gebürtige Seefelderin, die kurz davor stand, ihren Lebensmittelpunkt von Wien und Tirol endgültig nach Wieselburg zu verlegen, nicht abgeben. Auch was sie nach dem 1. März beruflich machen wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Die berufliche Zukunft von Andrea Grimm hingegen steht bereits fest. Sie, die vor ihrem Engagement in Wieselburg 1999 in einer großen Kommunikationsagentur tätig gewesen war, wird dem Fachhochschulwesen erhalten bleiben. Sie wird bei der FernFH im Bereich des Weiterbildungswesens tätig sein – unter Geschäftsführer Axel Jungwirth, dem Sohn des langjährigen Wiener Neustädter FH-Geschäftsführers und Wieselburg-Förderers Werner Jungwirth.

Aufregung in der Studentenschaft

Von Studenten wurde indes eine Online Petition gestartet, die an Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Bürgermeister und FHWN-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schneeberger und FH-Geschäftsführer Peter Erlacher gerichtet ist: "Wir fordern, dass die AMU auch in Zukunft von Malschinger & Grimm geleitet wird!"

https://www.change.org/p/malschinger-grimm-sollen-campus-leiten-amupower2019