Wieselburg

Erstellt am 12. Februar 2019, 05:01

von Christian Eplinger

FH-Studenten machen für Malschinger und Grimm mobil. Studenten und Absolventen fordern via Online-Petition den Verbleib von Malschinger und Grimm. FH Wiener Neustadt hält an Entscheidung fest.

Der Fachhochschul-Campus Wieselburg war seit 1999 das „Baby“ von Astin Malschinger (oben links) und Andrea Grimm. Die für Herbst geplante Feier zum 20-jährigen Jubiläum ist ihnen nicht mehr vergönnt. Mit 1. März trennen sich die Wege.  |  Eplinger 1/FHWN 2

Eigentlich wären Semesterferien und am Austrian Marketing Campus Wieselburg der Fachhochschule Wiener Neustadt sollte es ruhig zugehen. Doch seit der Meldung, dass die erfolgreiche Campus-Leiterin Astin Malschinger und ihre Stellvertreterin Andrea Grimm mit Monatsende den Campus verlassen werden, gehen die Wellen der Empörung bei den aktuellen und ehemaligen Wieselburger FH-Studenten hoch. Die beiden stehen seit der Gründung des FH-Campus in Wieselburg diesem voran und entwickelten diesen von 55 auf aktuell über 800 Studenten (die NÖN berichtete).

„Eine Schande“, „Bin total geschockt“, „Bin sprachlos“, „Die AMU verliert ihre Seele“ lauten einige der Kommentare von Studierenden und AMU-Absolventen auf Facebook.

Knapp 800 unterstützten Petition bereits

Am Mittwoch lancierten Wieselburger Alumni unter der Führung von Julia Ramsmaier mit dem Schlagwort „#AMUpower2019“ eine Online-Petition. Darin fordern die Studenten den Verbleib von Malschinger und Grimm. Am Sonntagabend hatten knapp 800 diese Petition unterstützt.

Auch wenn der FH-Campus derzeit bedingt durch die Semesterferien sehr leer ist. Von einer ruhigen Ferienzeit kann man nicht sprechen. Am Freitag, 22. Februar, soll es um 19 Uhr auf Einladung der Petitons-Initiatoren übrigens zu einer Infoveranstaltung im Audi-Max kommen, zu der auch Mikl-Leitner, Schneeberger, die FHWN-Geschäftsführung sowie Malschinger und Grimm geladen sind.  |  Eplinger

„Für einen kleinen Campus wie den Wieselburger ein großer Erfolg. Auch zahlreiche ehemalige und externe Lektoren treten für die beiden ein“, freut sich Ramsmaier über das große Echo. Die Petition richtet sich an VP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, den Wiener Neustädter VP-Bürgermeister und FH-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schneeberger sowie die Wiener Neustädter FH-Geschäftsführung. Die Fachhochschule Wiener Neustadt, die „Mutter“ des Wieselburger FH-Campus, ist im Eigentum der Stadt Wiener Neustadt (70 %) und des Landes NÖ (26 %). Je ein Prozent besitzen die beiden Fachhochschul-Fördervereine Wiener Neustadt und Wieselburg sowie die Stadtgemeinden Wieselburg und Tulln.

Viele Kommentatoren in den sozialen Netzwerken vermuten hinter den Vorgängen auch eine politische Entscheidung. Wiener Neustadt wolle erfolgreiche Studiengänge von Wieselburg nach Neustadt „umlotsen“ und sich mit „fremden Lorbeeren schmücken“. Bei der Fachhochschule Wiener Neustadt betont man nochmals, dass der Abgang von Malschinger und Grimm „keineswegs politisch motiviert“ sei und es sich auch um keinen „Rausschmiss“ handle, sondern eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses. Durch die enge Zusammenarbeit mit Malschinger hätte es zwar Meinungsverschiedenheiten gegeben aber keinen Streit.

„Die AMU verliert ihre Seele. Das darf nicht sein.“AMU-Absolventin Pegah Bayaty

„Der Grund für die Trennung ist ein unternehmensinterner Organisationsentwicklungsprozess. Das Wachstum und die nunmehr erreichte Größe des Unternehmens bedingen, dass Organisations- und Führungsstrukturen angepasst werden. Der Campus Wieselburg soll unbedingt seinen eigenen, dynamischen und kreativen Spirit behalten – den einzigartigen Spirit, den Astin Malschinger und Andrea Grimm so maßgeblich geprägt haben. Ihn gilt es zu bewahren und gemeinsam erfolgreich in die nächsten 20 Jahre zu führen“, heißt es seitens der FHWN-Geschäftsführung. Dort kommt es übrigens mit Ende des Monats auch zu einem Wechsel. Josef Wiesler verlässt die FH – wie er angibt, aus rein privaten Gründen.

Für die Studierenden hat die FHWN-Geschäftsführung  indes seinen eigenen MaFür Julia Ramsmaier sorgt das nur mehr für Kopfschütteln: „Bisher hat es weder die FH-Geschäftsführung noch die Politik für Wert empfunden, mit uns persönlich Kontakt aufzunehmen.“

Die Petitions-Initiatoren laden daher nun zu einer Informationsveranstaltung am 22. Februar um 19 Uhr in den Audi-Max des Wieselburger FH-Campus ein. Dort erhoffen sie sich Antworten von Johanna Mikl-Leitner, Klaus Schneeberger und der FHWN-Geschäftsführung. Miteingeladen werden auch Astin Malschinger und Andrea Grimm. Beide haben bislang einen „Maulkorb“ verpasst bekommen und dürfen sich nur an das offizielle Wording der FHWN-Aussendung halten.il-Account eingerichtet, „um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen und vor allem Spekulationen auszuräumen“, wie es heißt.

Vom Büro von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gab es am Montag übrigens eine erste Reaktion. In einem Telefongespräch ließ man Julia Ramsmaier wissen, dass dies grundsätzlich eine Entscheidung der Fachhochschul-Geschäftsführung ist. Es hätte sich hier aber nicht um eine willkürliche Entscheidung oder einen Rausschmiss gehandelt, sondern um eine einvernehmliche Auflösung, die sehr schnell ging.