Bürgermeister: Gemeinsames Tun mit Eigenheiten. Für die beiden Wieselburger Bürgermeister steht das Tun im Vordergrund. Eine Zusammenlegung ist für die beiden derzeit kein Thema.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 27. Oktober 2019 (03:35)
Die beiden Wieselburger Bürgermeister Karl Gestl (links) und Josef Leitner präsentierten ihre gemeinsamen Projekte für die nächsten Jahre.
Eplinger

„Wieselburg – Stadt und Land zusammen“. Mit dem Thema Gemeindezusammenlegung preschte die ÖVP Wieselburg Stadt zu Beginn des Jahres 2016 vor. Die Stadt-ÖVP sammelte innerhalb von zwei Monaten über 700 Unterschriften und übergab diese dem damaligen SP-Bürgermeister Günther Leichtfried.

Der regaierte wie auch sein VP-Pendant der Landgemeinde Karl Gerstl eher zurückhaltend. Beide betonten vielmehr bei jedem Anlass die gute Kooperation, die es zwischen den beiden Wieselburger Gemeinden gebe.

Ein Punkt, der sich auch unter dem neuen Wieselburger SP-Bürgermeister Josef Leitner nicht ändern werde, wie dieser bei einem Pressegespräch mit Landbürgermeister Karl Gerstl bestätigte.

„Das ist nicht nur eine Willenserklärung, sondern wir tun auch. Einige gemeinsame Projekte wie das Feuerwehrhaus oder das Tagesbetreuungszentrum wurden bereits unter meinem Vorgänger auf Schiene gebracht, andere kommen jetzt neu dazu“, sagt Leitner und betont gleichzeitig, dass es trotz aller gemeinsamen Anstrengungen wichtig sei, „dass jede Gemeinde ihre Eigenheiten und Alleinstellungsmerkmale wahrt und ausbaut.“

„Trotz aller gemeinsamen Ziele ist es wichtig, dass jede Gemeinde ihre Alleinstellungsmerkmale wahrt.“Josef Leitner

Ins selbe Horn bläst VP-Landbürgermeister Karl Gerstl: „Die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden aber auch der gesamten InRegion funktioniert reibungslos, daher herrscht kein Bedarf an neuen Strukturen“, gibt es von Gerstl eine klare Absage an alle Gemeindezusammenlegungsspekulationen. Noch dazu, wo eine Zusammenlegung der beiden Gemeinden nur einen geringen finanziellen Anreiz hätte. Erst wenn Wieselburg gemeinsam über 10.000 Einwohner hätte, wäre dieser beim Finanzausgleich gegeben. „Das aktuelle Einsparungspotenzial in der Verwaltung, dem Bauhof oder den politischen Mandataren ist sehr gering“, weiß Gerstl.

Umso mehr streichen beide Bürgermeiste jene Punkte hervor, in denen sie gemeinsame Projekte aktuell und in naher Zukunft umsetzen werden und wollen.

Neues Feuerwehrhaus im Betriebsgebiet Haag: Der Bau ist in der Endphase und soll bis Ende November abgeschlossen sein. Am 13. Dezember ist um 15 Uhr die Eröffnung geplant. Die Kosten von 3,65 Millionen Euro teilen sich die Gemeinden gemeinsam mit dem Land und der Feuerwehr nach einem bestimmten Schlüssel.

Gemeinsames Tagesbetreuungszentrum: Im Zuge der Fertigstellung des dritten Wohnbaus des „Betreuten Wohnens“ in der Getreidestraße entsteht ab März/April 2020 ein Tagesbetreuungszentrum für maximal 15 ältere Menschen. Leiterin wird Ingrid Handl. Die Kosten teilen sich die beiden Gemeinden 50:50. Anmeldungen sind ab Dezember möglich.

Nutzung der Potenziale der Umfahrung: Neben der gemeinsamen Gestaltung der Kreisverkehre soll es gemeinsam mit den beiden InRegion-Gemeinden Bergland und Petzenkirchen eine Besucher- und Verkehrslenkung mittels Leitsystem sowie ein entsprechendes Standortmarketing und gezielte Betriebsansiedelungen geben. In Verhandlung ist man bezüglich eines Lkw-Durchfahr- beziehungsweise -Nachtfahrverbotes, vor allem in Richtung Kleines Erlauftal. „Beim Verkehrskonzept für die Erschließung des Betriebsgebietes Wolfpassing wurde versprochen, dass die Anbindung großteils über die Autobahnabfahrt Amstetten Ost erfolgen werde. Dafür plädieren wir. Das sind wir unserer Bevölkerung schuldig“, betont Gerstl.

Gemeinsame Planung und Ausbau des Radwegenetzes: Neben direkten Anbindungen zum Beispiel in den Ortsteil Haag (soll 2020 umgesetzt werden) schwebt Karl Gerstl ein Rad- und Gehweg von Wieselburg über den Kaninghof, die Berglandhalle bis zur Umfahrungs-Anschlussstelle Nord vor.

Ausbau von Volks- und Mittelschulen: Erst 2016 erfolgte der letzte Ausbau der Volksschule. Dennoch wird angesichts der wachsenden Bevölkerungszahlen an den nächsten Schritt gedacht. Denn in fünf Jahren wird sich Wieselburg der 5.000-Einwohner-Grenze (akutell 4.250) und die Landgemeinde der 4.000er-Grenze (aktuell 3.300) nähern. „Da müssen wir rechtzeitig auch bei der schulischen Infrastruktur die Weichen stellen“, weiß Josef Leitner.

Ausbau des Freizeitangebotes: Aufgrund der hohen Auslastung des Kletterturms in Bodensdorf soll dort 2020 zusätzlich auch eine Boulderwand im Freien entstehen. Angedacht ist auch ein „Pumptrack“ (Rundkurs für Mountainbikes, Skateboards, ...). „Das steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir suchen derzeit ein geeignetes rund ein Hektar großes Areal in unserer Gemeinde, wo wir dem im Bürgerbeteiligungsverfahren Wieselburg 2030 oft geäußerten Wunsch gemeinsam errichten könnten“, schildert Gerstl. Und auch die öffentliche Bücherei – sie erhält ab November mit Christiane Sommerer-Lebhard eine fixe 18-Stunden-Kraft für die Administration, deren Kosten sich die Gemeinden künftig aufteilen werden – sowie der neue Verein „Theater.Wieselburg“ sollen entsprechend unterstützt werden. „Auch solche Soft-Skills sind wichtig für die Lebensqualität in unserer Region“, weiß Leitner.

Verbesserung der Ferienbetreuung in den Kindergärten: Angedacht ist eine Kooperation aller vier Kindergärten der beiden Gemeinden, um die Schließzeiten in den Ferien (aktuell drei Wochen) zu verkürzen. Geplant ist eine Ferienbetreuung für Kinder zwischen zweieinhalb und fünf Jahren in einem der Kindergärten durch Helfer oder Ferialpraktikanten.

Niederflutelektrokleinbus: Als Ergänzung zum InRegion-Taxi soll ein Niederflurelektrokleinbus angeschafft werden, weil ein normaler Kleinbus für viele ältere und gehbehinderte Menschen eine Barriere darstellt.

Bauernladen für bäuerliche Direktvermarkter: Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer wird die Möglichkeit eines fixen Bauernladens im Stadtgebiet geprüft. Die Stadtgemeinde würde die Räumlichkeiten anbieten.