Erdbeersaison hat begonnen: Den Sommer auf der Zunge. Die Erdbeeren sind reif. Im Bezirk Scheibbs kann man ab sofort pflücken, bereits eine Woche früher als im Vorjahr.

Von Karin Maria Heigl. Erstellt am 29. Mai 2018 (05:00)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr

Aromatisch duftend, saftig rot und am besten frisch gepflückt – so kennen und lieben die Österreicher ihre Erdbeeren. Ob auf Torten, in der Bowle oder im Fruchtsalat – Erdbeeren sind in jeder Form eine süße Versuchung und dabei reicher an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen als viele andere Obstsorten.

Lieblingsobst: fast drei Kilo pro Kopf und Jahr

Laut Statistik Austria werden pro Kopf und Jahr rund 2,8 Kilo Erdbeeren vernascht. Damit zählen diese neben Äpfeln, Bananen und Weintrauben hierzulande zu den beliebtesten Obstsorten. „Für viele Österreicher geht nichts über Erdbeeren. Äpfel werden mehr gegessen – eben das ganze Jahr über, aber Erdbeeren gibt’s halt nur eine vergleichsweise kurze Zeit. Der Genuss ist aber unübertroffen“, erklärt Max Wurzer, dessen Eltern seit 1986 Erdbeeren kultivieren. In der Erdbeersaison wird aber die ganze Familie eingespannt. „Es steckt sehr viel Handarbeit dahinter. Das ist natürlich viel Arbeit. Für uns ist es aber eine richtige Leidenschaft geworden.

Wir haben uns neben den Erdbeerfeldern zum Selbstpflücken auch auf das Verarbeiten spezialisiert“, erzählt Maria Wurzer, die eine ausgezeichnete Köchin ist und immer einen guten Tipp rund ums Kochen und Backen mit Erdbeeren parat hat. Das Service für die Kunden wird in dem Familienbetrieb großgeschrieben. Und nicht zuletzt soll der Besuch am Erdbeerfeld für die ganze Familie ein Erlebnis sein. „Vielen Kindern fehlt heutzutage der Bezug dazu, wo die Lebensmittel herkommen. Es ist schön, selbst zu ernten“, weiß Maria Wurzer. Aber auch für Kinder und Erwachsene, die am Land leben, ist das Pflücken eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

Von der Hand in den Mund: selbst gepflückt

Den beginnenden Sommer spüren und schmecken, das mögen auch die Konsumenten.  Immerhin rund 20 Prozent der in Österreich verspeisten Erdbeeren werden bei Direktvermarktern gekauft oder auf den dafür vorgesehenen Feldern selbst gepflückt. Insgesamt wachsen auf heimischen Erdbeerfeldern knapp 10.000 Tonnen Früchte pro Jahr, Niederösterreich zählt dabei zu den wichtigsten Erdbeerproduzenten.

Leopold Wurzer und seine Familie haben jahrzehntelange Erfahrung mit dem Anbau und der Kultivierung von Erdbeeren. „Wir haben vor 33 Jahren begonnen und noch immer Freude daran“. In den nächsten Wochen sollte nun auch das Wetter mitspielen. Erdbeeren brauchen ausreichend Sonne, aber auch viel Feuchtigkeit. Dass die Erdbeerernte heuer eine Woche früher starten konnte, ist dem warmen und sonnigen April zu verdanken. Von Frost und schweren Unwettern blieben die Erdbeerproduzenten im Bezirk heuer weitgehend verschont. Dafür machte ihnen die anhaltende Trockenheit zu schaffen.

„Wir haben keine Bewässerungsanlage und deshalb war die Sorge um unsere Pflanzen zeitweise schon groß“, gesteht Karin Führer-Jehle, die gemeinsam mit ihrer Familie ein Bio-Erdbeerfeld bewirtschaftet. Auch sie hegt und pflegt ihre Erdbeerkulturen mit echter Hingabe.

Schon kurz nach der Matura im Francisco Josephinum im  Jahr 1996 setzte sie gemeinsam mit ihrem Vater die ersten Erdbeerpflanzen an. Familie Jehle sammelte Schritt für Schritt Erfahrung im Bereich der Bio-Erdbeeren. Seit knapp 15 Jahren betreibt sie ihre Erdbeerkulturen nach biologischen Grundsätzen auf sehr hohem Niveau und mit viel Know-How. Das erfordert Fingerspitzengefühl, Geduld und manchmal auch Nervenstärke. Die Kulturführung ist nicht immer einfach. Der wichtigste Erfolgsfaktor für eine gute Ernte ist das Wetter und das lässt sich eigentlich nicht beeinflussen. „Für uns ist das schon permanente Anspannung. Aber ich bin immer wieder dankbar, wenn es dann passt. Und Gott sei Dank konnten wir diese Saison wieder mit sehr schönen Früchten starten“, freut sich die engagierte Bio-Pionierin. Sie hat viele Stammkundschaften, die es sehr schätzen, dass es die „Jehle-Erdbeeren“ gibt.

„Für mich ist diese Wertschätzung und die Treue unserer Kunden eine große Kraftquelle, die uns ermutigt, so viel Energie und Herzblut und Arbeitszeit zu investieren“, erklärt sie.

Zunehmende Nachfrage bei Bio-Erdbeeren

„Überzeugte Bio-Konsumenten sind regelrecht dankbar, dass es uns gibt. Das ist schön“, weiß Karin Führer-Jehle.  Österreichweit kommen derzeit nur rund drei Prozent der Erdbeeren aus kontrolliert-biologischem Anbau. In Mühling – ebenfalls nur wenige Kilometer von Wieselburg entfernt – bietet der Biohof Jehle Bio-Erdbeeren zum Selbstpflücken und auch schon gepflückte Früchte zum Mitnehmen.

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