Leuchtturm-Projekt: Grünes Gas aus Bio-Abfällen

Erstellt am 27. Juli 2022 | 05:15
Lesezeit: 3 Min
Hubert Seiringer plant am Kaninghof in Wieselburg-Land ein „Leuchtturm-Projekt“ für regionale Kreislaufwirtschaft.
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Hubert Seiringer hat große Pläne – so große, dass sogar die Bezirksgrenzen zwischen Scheibbs und Melk verlegt werden. Die Gemeinde Bergland tritt rund zwei Hektar an die Gemeinde Wieselburg-Land ab. Die beiden Gemeinderatsgremien haben die entsprechenden Beschlüsse bereits gefasst. Jetzt liegt es an der Politik, auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das Projekt „grünes, regionales Biogas“ schnellstmöglich umgesetzt werden kann.

Hubert Seiringer, seit 30 Jahren Kompost-Pionier und Vorreiter der regionalen Kreislaufwirtschaft, plant auf seinem Kaninghof eine Biogasanlage der zweiten Generation zu errichten. Eine Anlage, die jährlich zwischen 3,5 und 6 Millionen Kubikmeter grünes Gas aus Reststoffen produzieren kann, ohne dass diese der Lebensmittelproduktion entzogen werden.

Schon aktuell werden am Kaninghof rund 20.000 Tonnen Bioabfall pro Jahr aus den Bezirken Scheibbs und Melk zu Komposterde verarbeitet. Dabei entweicht bislang ungenützter Kohlenstoff. Genau diesen will Seiringer in Biogas umwandeln und dieses ins regionale, vorhandene Gasnetz einspeisen. „Aus einer Tonne Bioabfall können wir rund 70 Kubikmeter Biogas gewinnen. Das entspricht rund 70 Liter Diesel“, rechnet Seiringer vor.

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Am vergangenen Donnerstag präsentierte Seiringer diese Pläne in Anwesenheit von regionalen Vertretern der Gemeinden, Gemeindeumweltverbänden und künftiger Partnerunternehmen auch Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll und NÖLWK-Vizepräsident Lorenz Mayr (links).
Foto: Christian Eplinger

Die Bioabfälle wären allerdings nur rund 25 Prozent der Reststoffe, die Seiringer als Rohmaterial für die Gasproduktion verwenden würde. Dazu kämen landwirtschaftliche Reststoffe (Maisstroh, Mist, Gülle – rund 29 Prozent) und Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung und -industrie (46 Prozent). „Wir haben jetzt schon rund 100 Partner aus der Region im Boot – von Unternehmen wie Haubis, Moser Wurst oder der Brauerei bis hin zu zahlreichen Landwirten. Damit hätten wir schon 50.000 Jahrestonnen. Die Anlage wäre aber für rund 90.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Denn uns muss bewusst sein, dass Industriebetriebe wie Haubis oder die Brauerei auch künftig noch weiterhin Gas benötigen werden“, schildert Huber Seiringer.

Sein Leuchtturmprojekt umfasst aber nicht nur die Biogasproduktion, sondern würde weiterhin auch biologischen Dünger und fruchtbare Komposterde produzieren, womit eine (biologische) Düngeautonomie für knapp 2.000 Hektar vorhanden wäre. Eine in Österreich bislang einzigartige Kombination mit bester Technologie, die auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. „Das ist Wertschöpfung im ländlichen Raum. Wir schaffen so regionale Autonomie“, sagt Seiringer. Verstärken will er diese dank einer bis zu vier Megawatt Peak starken Photovoltaikanlage auf der künftig eingehausten Kompostieranlage.

Investition im zweistelligen Millionen Euro Bereich

Es ist ein Vorhaben, das in den zweistelligen Millionen Euro Investitionsbereich geht. Daher muss auch entsprechende Planungssicherheit für Seiringer und seine Partner vorhanden sein. Aktuell sind die Genehmigungsverfahren im Laufen. „Wenn alles gut geht und auch die Politik mitspielt, könnten wir 2023 bauen und schon 2024 grünes Gas ins Netz liefern“, sagt Seiringer.

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