Umfahrungs-Bürgerinitiative ist gescheitert. Bürger von Fohra forderten Lückenschluss der Lärmschutzwand. Jedoch ohne Erfolg.

Von Claudia Christ. Erstellt am 06. November 2020 (06:10)
Den von der Bürgerinitiative geforderten Lückenschluss der Lärmschutzwand bei der Umfahrung Wieselburg im Bereich Fohra wird es künftig wohl nicht geben.
Christian Eplinger

Die Umfahrung Wieselburg soll das Verkehrsaufkommen von täglich 2.000 Lkw und 14.000 Pkw im Ort drastisch reduzieren. Dass das Infrastruktur-Projekt nicht nur Wieselburg, sondern die gesamte Region beeinflusst, ist klar.

So äußerten Anrainer schon früh Bedenken, was die Lärmbelastung in den umliegenden Gemeinden betrifft. Johann Übelbacher leitete eine Bürgerinitiative, die für den Ortsteil Fohra Lärmschutzwände forderte. Fohra liegt dabei nur 500 Meter von der Umfahrung Wieselburg entfernt. Deshalb führten die betroffenen Gemeinden, Petzenkirchen und Bergland, im August dieses Jahres Gespräche mit dem niederösterreichischen Straßendienst.

Sie forderten den Lückenschluss eines 600 Meter langen Teilstückes. „Wir befürchten, dass es nach der Freigabe der Umfahrungstrasse zu einer erheblichen Lärm- und Feinstaubbelästigung kommen wird“, betonte Übelbacher schon damals.

Seitens des Landes hieß es stets, dass in der Umweltverträglichkeitsprüfung festgestellt wurde, dass für Fohra kein Lärmschutz notwendig sei. Die Umfahrung würde das Verkehrsaufkommen auch in diesem Bereich verringern und den Lärm eindämmen. Zusätzlich habe der Umweltsenat das Projekt überprüfen lassen, um noch einmal sicher zu gehen. Auch dabei wurde laut Berechnungen der Lärmpegel von 44 dB (Grenzwert sind 45 dB) nicht überschritten. Erst ab 46 dB sind Lärmschutzmaßnahmen erforderlich.

Inzwischen geht die Großbaustelle in die finale Phase, und damit wichtige Zeit für die Bürgerinitiative verloren.

Bewohner fühlen sich im Stich gelassen

Für Johann Übelbacher, der die Leitung der Bürgerinitiative bereits im August an die Gemeinde Petzenkirchen abgegeben hat, steht bereits fest: „Wir sind gescheitert. Es ist einfach eine Frechheit, wegen einem Dezibel lässt man jetzt die Bewohner von Fohra, überwiegend ältere Leute, im Stich“, ärgert er sich. Er habe den Glauben an die Politik verloren, betont er im NÖN-Gespräch: „Es tut mir für die Anrainer sehr leid, dass ich nichts erreichen konnte, aber gegenüber der Obrigkeit des Landes ist man, so scheint es, völlig machtlos.“

Die Enttäuschung ist auch bei SP-Bürgermeisterin Lisbeth Kern deutlich. Sie hat zuletzt das Anliegen der Bürger federführend begleitet: „Es stehen schon an vielen Orten Lärmschutzwände. Bei uns jedoch leider nicht und dafür wollen wir uns einsetzen.“

Seitens des NÖ Straßendienstes wird betont, dass die spezielle Situation der Bewohner durchaus ernstgenommen werde. Es wird zudem versichert, die Lärm- und Verkehrssituation im Bereich Fohra nach der Verkehrsfreigabe der Umfahrung Wieselburg zu beobachten. Mit Petzenkirchens SP-Bürgermeisterin Lisbeth Kern und mit Berglands VP-Ortschef Walter Wieseneder werde man an Lärm-Messungen arbeiten. Wird der Lärmpegel zu hoch, müssen Maßnahmen gesetzt werden.

„Das ist doch jetzt schon alles zu spät, wenn die Umfahrung einmal eröffnet ist, dann werden sicherlich keine Baumaßnahmen mehr durchgeführt“, zeigt sich Übelbacher enttäuscht.