Rodungen sorgen für Aufregung: „Wilder Kahlschlag“. Anrainer wütend über Rodungen in der Au beim Gymnasium: „Wilder Kahlschlag.“ Gemeinde und Behörde sehen sich im Recht.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 20. Dezember 2017 (05:00)
NÖN
Viele Bäume im Auwald beim Wieselburger Gymnasium sind in den letzten Tagen gerodet worden. „Der Gesundheitszustand vieler Bäume war bereits derart schlecht, dass Gefahr in Verzug war“, weiß Bürgermeister Leichtfried.

Seit über einer Woche lassen die Rodungen im Auwald gegenüber dem Wieselburger Gymnasium.

Im Auftrag der Stadtgemeinde Wieselburg, die Grundstückseigentümerin dieses Waldgebietes ist, wurden zahlreiche Eschen, Pappeln und Weiden sowie einige Fichten gefällt.

"Zustand der Bäume schlecht"

Anrainer sind erzürnt und verstehen den „wilden Kahlschlag, der hier betrieben wird, ganz und gar nicht. Da werden Ökosysteme einfach zerstört. Von mit Maß und Ziel kann da keine Rede sein“, wettert eine Anrainerin gegenüber der NÖN.

Die Stadtgemeinde Wieselburg versucht, zu beruhigen. „Ich bin kein Freund davon, Bäume zu fällen. Aber diese Maßnahmen sind eine Notwendigkeit, nachdem es beim letzten Sturm zu einigen Windwürfen und -brüchen gekommen war. Der Gesundheitszustand vieler Bäume war bereits derart schlecht, dass Gefahr in Verzug vorlag“, erklärt Bürgermeister Günther Leichtfried.

Natura 2000: Flächen stehen unter Schutz

Unterstützung erhält die Gemeinde dabei von der Forstabteilung der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs. Bezirksförster Gernot Kuran hat im Vorfeld der Arbeiten in Absprache mit der Gemeinde die Bäume begutachtet und all jene angezeichnet, die zu fällen sind.

„Das ist Natura-2000-Gebiet, daher muss man hier sehr behutsam vorgehen. Die Arbeiten sind von der beauftragten Firma bisher auch so schonen als möglich durchgeführt worden“, bestätigt Kuran gegenüber der NÖN.

Eplinger
Bezirksförster Gernot Kuran zeigt einen der mit Pilz befallenen Bäume: „Der Pilz wandelt das Holz in einen Schwamm um. Damit ist die statische Sicherheit der Bäume in keinster Weise mehr gegeben.“

Dass in diesem Auwald dennoch nur mehr wenige Bäume übrig bleiben, liegt im allgemeinen Gesundheitszustand der Bäume. „Die 30 bis 50 Jahre alten Pappel waren an ihrem Lebensende angelangt und zudem stark vermistelt oder im Stammbereich von Pilzen befallen, wodurch ihre statische Sicherheit nicht mehr gegeben war“, erläutert der Bezirksförster.

Auch die meisten der vorkommenden Eschen seien schon vom sogenannten Eschensterben gezeichnet oder bereits abgestorben. „Viele Bäume wiesen starkdimensionierte Totäste auf, die bereits ein hohes Gefahrenpotenzial bedeutet haben“, weiß Gernot Kuran.

„Zu kappen wäre nur Sterbensverlängerung“

Man hätte sie aber nicht gleich ganz wegschneiden müssen. Wenn man einige Bäume nur oben gekappt hätte, dann wäre wenigstens noch ein gewisser Lebensraum für die Tierwelt geblieben, so die weitere Kritik der Anrainer. „Das wäre bei Weitem kostspieliger gewesen und wäre nur einer Sterbensverlängerung gleich gekommen“, erwidert Gernot Kuran.

Auch die Kritik, dass neben Pappeln, Erlen und Weiden auch einige Fichten umgeschnitten worden sind, lässt Kuran nicht gelten: „Zum einen haben Fichten an diesem Standort nichts verloren und wären jetzt als Flachwurzler durch die Freistellung ohnehin nicht mehr standfest gewesen.“

Dass dieses Augebiet in einigen Jahren bald wieder ein richtiger Auwald sein wird, zeigt sich Kuran überzeugt: „Wir rechnen, dass sich durch Stockaustriebe und Anflug rasch eine dichte Naturverjüngung einstellt.“

Sollte das nicht der Fall sein, muss von der Gemeinde mit standortstauglichen Baumarten aufgeforstet werden. Die Flächen bleiben jedenfalls dem Schutz des Forstgesetzes unterstellt.