Totengräber: Ein Beruf, den es gar nicht gibt. Seit 2001 ist Martin Holzer Totengräber in Wieselburg und kümmert sich auch um die Friedhofspflege.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 29. Oktober 2019 (04:34)
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Wenn er am Wochenende mit seiner Trompete bei der Wieselburger Tanzlmusi auf diversen Veranstaltungen für Stimmung sorgt oder bei der Stadtkapelle Wieselburg als Obmannstellvertreter das Flügelhorn bläst, dann ist das für Martin Holzer der ideale Ausgleich zu seinem Beruf. Martin Holzer ist Totengräber – so wie sein Vater Franz und sein Großvater Karl.

„Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes machen“, gesteht Holzer, der im Oktober seinen 50. Geburtstag gefeiert hat. Daher erlernte er auch den Beruf des Schalungs- und Stiegenbauers und machte in jungen Jahren auch eine landwirtschaftliche Ausbildung, um den elterlichen Hof in Brandstetten (Wieselburg-Land) führen zu können. Nach einigen Jahren bei der Firma Fraiss in Krummnußbaum wechselte er in die Schalungs- und Stiegenbauerfirma von Leopold Wagner. Doch dann kam alles ganz anders.

Unternehmen 1956 gegründet

„Als mein Vater 2001 in Pension ging, fand sich niemand, der den Beruf des Totengräbers übernehmen wollte. Und so einfach gibt man dann ein Unternehmen, das mein Großvater 1956 gegründet hat, auch nicht auf. Er war damals auch noch Mesner in Wieselburg“, erinnert sich Martin Holzer zurück. So stieg er in die Fußstapfen seiner Vorfahren und übernahm als Totengräber auch die Friedhofspflege in Wieselburg und Petzenkirchen. In den letzten Jahren kam noch Erlauf hinzu. Rund 2.200 Gräber – 1.389 in Wieselburg, 606 in Petzenkirchen und 231 in Erlauf – hat Holzer damit in seiner Obhut. „Dabei gibt es den Beruf des Totengräbers offiziell eigentlich gar nicht. Ich habe das Gewerbe Grabarbeiten ohne statische Kenntnisse angemeldet“, erzählt Holzer. Bei Friedhöfen, die im Eigentum der Gemeinde stehen, verrichten meist Gemeindemitarbeiter die Tätigkeiten des Totengräbers.

In Wieselburg ist der Friedhof eine Pfarrangelegenheit. „Ich kenne ihn erst seit Kurzem, aber Martin macht die Sache wirklich sehr gut. Tote zu begraben ist keine einfache Aufgabe, dennoch als Kirche unsere Pflicht. Mit Martin Holzer haben wir einen sehr pietätsvollen Totengräber, der mit Bestatter Helmuth Leitzinger ein echtes Dream-Team bildet. Besser kann man diese schwierige Arbeit gar nicht verrichten“, sagt Wieselburgs neuer Pfarrer Daniel Kostrzycki.

Betreuung wird immer individueller

Auch Bestatter Helmuth Leitzinger, seit 30 Jahren Bestatter in Wieselburg und Petzenkirchen, weiß, was er an Martin Holzer hat: „Gerade bei Begräbnissen ist es wichtig, dass man sich verlassen kann. Da darf nichts passieren. Bei Martin Holzer weiß ich, dass alles passt“, sagt Leitzinger, der in den letzten zehn Jahren eine spürbare Veränderung bei den Begräbnissen feststellt – egal ob Erd- oder die immer häufiger werdenden Urnenbestattungen.

„Früher war vieles standardisiert und lief ein wenig nach Schema F ab. Heute ist das Anforderungsprofil an den Bestatter und Totengräber ein anderes. Die Hinterbliebenen wollen eine viel persönlichere und individuellere Betreuung und auch Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten. Vielleicht kommt in der so schnelllebigen Zeit dem Tod und der Vergänglichkeit eine neue Bedeutung zu. Viele finden dabei wieder zurück zur Kirche“, weiß Leitzinger.

Das stellt auch Martin Holzer fest, dem in seinen 18 Jahren als Totengräber schon viel untergekommen ist. Rund 100 Begräbnisse hat Martin Holzer in Wieselburg, Petzenkirchen und Erlauf pro Jahr abzuwickeln. „Man hat mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. Meine Aufgabe ist es dabei, alles so professionell und gut zu machen, wie nur möglich“, schildert Holzer, dem es heute noch bei Kinderbegräbnissen „kalt über den Rücken läuft“. Auch Bestattungen von Personen, die er kennt – und das sind gerade in Wieselburg sehr viele –, gehen ihm nahe. „Mit solchen Situationen musst du als Totengräber erst umgehen lernen.“

Umso wichtiger sind für ihn seine Familie – Holzer hat vier Kinder im Alter von acht bis 24 Jahren – sowie die Musik. Und die kleine Landwirtschaft, die seine Frau führt. 126 Tiere inklusive Kälber hat sein Stiermastbetrieb. „Du brauchst für diese mitunter belastende Arbeit einfach einen Ausgleich“, weiß Martin Holzer.

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