"Verwenden statt verschwenden" feiert Jubiläum. Vor zehn Jahren haben Irene Weiß und Sabine Rottenschlager „Verwenden statt verschwenden“ gegründet.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 30. August 2019 (06:14)
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Die Damen von „Verwenden statt verschwenden“, von links: Kristina Barthofer, Martine Mandl, Helga Aschauer, Irene Weiß, Obfrau Sabine Rottenschlager, Hermine Neuhauser und Anna-Maria Sonnleitner.
Christian Eplinger

Jedes fünfte Brot wird weggeworfen. Die dafür benötigten Ressourcen – Rohstoffe und Energie – werden völlig sinnlos vergeudet. Diese Tatsache wollten vor genau zehn Jahren die damalige Wieselburger Umweltstadträtin Irene Weiß und Sozialstadträtin Sabine Rottenschlager nicht hinnehmen.

In Kooperation mit Bäckermeister Karl Neubacher und mit der Unterstützung des damaligen Wieselburger Bürgermeisters Günther Leichtfried rief man die Klimabündnisaktion „Verwenden statt verschwenden“ ins Leben und gründete den gleichnamigen Verein.

„Seit damals verkaufen freiwillige Helfer im Haus der Begegnung zwei Mal pro Woche – immer dienstags und freitags von 14 bis 16 Uhr – Brot vom Vortag, wobei unser Warensortiment mittlerweile weit mehr als nur Brot umfasst“, schildert Gründungsobfrau Irene Weiß, die die Führungsrolle mittlerweile an Sabine Rottenschlager übertragen hat.

Waren es zu Beginn die zwei Wieselburger Bäckereien Neubacher und Wurzer, von denen der Verein Brot, Gebäck und Mehlspeisen vom Vortag erhielt, so sind es aktuell Billa, gern & gut, Haubenberger, Merkur, Penny und Spar, die den Verein mit Waren versorgen.

„Als ich das erste Mal verkauft habe, habe ich alle übrigen Semmeln mit nach Hause genommen und Semmelbrösel daraus gemacht. Nur damit bin ich dann drei Jahre lang ausgekommen.“ Martine Mandl, eine der aktuell sechs Mitarbeiterinnen

Waren, deren Mindest-Haltbarkeitsdatum gerade vor dem Ablaufen ist oder abläuft, die aber noch beste Qualität aufweisen. „Obst, Gemüse, Joghurts, Schokolade und Süßigkeiten und natürlich nach wie vor Brot, Gebäck und Mehlspeisen gehen bei uns sprichwörtlich weg wie die warmen Semmeln. Das beste, das es gibt, ist, wenn wir am Ende des Tages alle Waren verkauft haben“, sagt Sabine Rottenschlager.

Und trotz zunehmender Handelsmarktdichte in Wieselburg hat sich der Andrang der Käufer von Jahr zu Jahr gesteigert. Auch aus den Nachbargemeinden kommen viele „Kunden“. Denn die Lebensmittel werden nicht weiter verschenkt, sondern zu Preisen im Centbereich verkauft.

Ein Kilogramm Brot kostet zum Beispiel 50 Cent, ein Joghurt 20 Cent, eine Semmel 10 Cent. Einkaufen kann jeder. Der Reinerlös kommt seit jeher sozialen oder umweltrelevanten Aktionen zugute. So finanzierte der Verein etwa die beiden offenen Bücherschränke am Schlossparkeingang oder Ausflüge der Sonderschule.

Heuer, zum zehnjährigen Jubiläum, freuen sich die sechs Mitarbeiterinnen, die allesamt ihre Freizeit dem Verein kostenlos zur Verfügung stellen, über eine neue Errungenschaft: Ein Kleinlieferwagen wurde geleast. „Bislang sammelten alle Mitarbeiterinnen die Lebensmittel aus den Märkten mit ihren Privatautos ein. Jetzt haben wir den Lieferwagen.

Das ist für uns eine enorme Arbeitserleichterung“, sagt Rottenschlager und freut sich: Denn auch am Tag des Fototermins waren die Regale am Ende fast vollständig leergeräumt. „Ein paar Sachen finden wir aber noch, damit wir das Foto machen können“, lächelte Rottenschlager.