Ärztezentrum: Übersiedelung macht nicht alle glücklich

Mit Ende November werden die Ordinationsräumlichkeiten im Stadtquartier an die Ärzte übergeben. Mit Augenarzt Albert Daxer wechselt auch die Kassenstelle von Ybbs nach Wieselburg.

Erstellt am 18. November 2021 | 13:16

Wenn mit Ende November die ersten Ordinationsflächen an die neuen Ärzte und Therapeuten im ersten Geschoß des Stadtquartiers Wieselburg übergeben werden, schmerzt es den Bezirk Melk gleich doppelt. Denn gleich zwei Ärzte werden den Bezirk in Richtung des Nachbarbezirks verlassen und dabei in den betroffenen Gemeinden verbrannte Erde hinterlassen.

Da wäre zum einen der aus Weitenegg stammende Zahnarzt Michael Gindl (27). Nach fast vierjähriger Suche vermeldete die Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf im vergangenen Juli mit Gindl endlich einen Zahnarzt für die freie Kassenstelle gefunden zu haben. Kurz vor Vertragsabschluss winkte Gindl ab und entschied sich für Wieselburg. Er wird dort die freie Zahnarzt-Kassenstelle von Siegfried Schett übernehmen, der im Dezember in Pension gehen wird. Zuletzt hatte Gindl noch als Vertretung in der Praxis von Ingeborg Steininger in Ybbs mitgearbeitet.

Noch mehr als der Wechsel von Michael Gindl von Ybbs nach Wieselburg schmerzt in Ybbs der Abgang von Augenarzt Albert Daxer. Auch er, der seit 20 Jahre eine Kassenstelle in Ybbs betreibt, zieht ins Stadtquartier nach Wieselburg. „Ich habe seit vielen Jahren nach passenden Ordinationsräumlichkeiten gesucht. Jene über der Raiffeisenbank in Ybbs sind weder barrierefrei, noch gibt es genügend Parkplätze. Schon mit dem vorigen Wieselburger Bürgermeister gab es Gespräche. Jetzt hat sich mit dem Stadtquartier-Projekt die ideale Gelegenheit ergeben. Ich habe in Wieselburg sogar einen eigenen OP-Raum“, merkt man bei Daxer die Vorfreude auf die neuen Räumlichkeiten, die er mit seinen vier Mitarbeiterinnen im Dezember beziehen wird. Ordiniert wird dort voraussichtlich ab der dritten Dezemberwoche oder spätestens ab Jänner.

Mit Daxer verliert die Stadt Ybbs aber nicht nur den Augenarzt, sondern auch die Kassenstelle. Denn die Gesundheitskasse (ÖGK) hat dem Ansuchen Daxers bei der NÖ Ärztekammer, seine Kassenplanstelle von Ybbs nach Wieselburg zu verlegen, stattgegeben.

Ybbser Stadtchefin:

„Das ist ein No-Go“

Verärgert über die Abwanderung zeigt sich die Ybbser SPÖ-Stadtchefin Ulrike Schachner. „Wir hatten ihm eine Location angeboten, die gepasst hat. Er hat im letzten Moment zurückgezogen. Von der Abwanderung der Kassenstelle haben wir erst erfahren, als es bereits passiert war“, ist Schachner „not amused“. Sie fordert eine neue Kassenstelle für Ybbs: „Dass ein Bezirk dem anderen eine Stelle wegnimmt, ist ein No-Go.“ Aussagen, die Daxer so nicht stehen lassen will. „Das ist eine glatte Lüge. Ich hatte mit der neuen Bürgermeisterin kein einziges Gespräch und nie ein Angebot für Räumlichkeiten von der Stadt Ybbs bekommen“, stellt Daxer die aus seiner Sicht „mangelnde Unterstützung“ seitens der Ybbser Gemeinde klar.

Gelassen sieht das ihr Wieselburger Amtskollege, SPÖ-Bürgermeister Josef Leitner: „Wir haben niemandem etwas weggenommen, sondern mit unseren Förderungen nur einen Anreiz geschaffen, der natürlich auch die Nachfrage verstärkt“, weiß Leitner. Übrigens die Förderungen, mit denen Wieselburg die Ärzte lockt, seien für Daxer zwar ein „ehrenvolles Bemühen, aber sicher nicht der Hauptgrund“ für die Übersiedelung gewesen.

Neben Daxer und Gindl werden auch alle anderen vergebenen Ordinationen Ende November übergeben. Die 1.420 m² Ordinationsflächen sind das Herzstück des Projekts Stadtquartier. 70 Prozent davon sind vermietet. Die weiteren Mediziner: Osteopath Laurenz Radlberger, Stefan Hacker (Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie), Kehinde Wewe und Sigrid Deimel (Fachärztinnen für Gynäkologie und Geburtshilfe), Martin Steiner (Akademischer Psychotherapeut) sowie Pyshiotherapeut Dominik Kern.

Ein weiterer Eröffnungstermin im Stadtquartier ist auch schon fix: Firma Hartlauer wird ihre neue Wieselburger Filiale im Erdgeschoß am 25. November eröffnen.