Von der Disco ins Taxi, aber ohne Maske. Von September bis zum vergangenen Wochenende war der Wieselburger „Disco.Buzz“ unterwegs. Fahrgäste hielten sich nur zum Teil an die vorgegebenen Maßnahmen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 04. November 2020 (04:04)
Der Wieselburger Hans Bauer (im Bild mit Wirtschaftsstadtrat Josef Lechner) kennt die Ziele der jungen Partytiger.
Dieter Gröbner/Stadtgemeinde

Selbst das Coronavirus konnte umtriebige Nachteulen nicht von ihren Partynächten abhalten. Für gebeutelte Branchen wie die Gastronomie sowie den Bustransport war das natürlich ein Vorteil, der in den vergangenen Wochen genutzt wurde. So stand auch der Wieselburger „Disco.Buzz“ ab September an den Wochenenden parat, um Partyhungrige nach Ybbs und wieder nach Hause zu kutschieren.

So richtig voll waren die Busse in dieser Saison aber nicht. Manche Fahrten blieben gar ohne Gäste. Die Route eins verzeichnete im September insgesamt 16 Gäste, die Route zwei 36 Fahrgäste. Wegen der Sperrstunde um ein Uhr wurden auch die Buszeiten früher angesetzt. Route eins (von Mühling über Weinzierl, Wieselburg, Petzenkirchen und Bergland nach Ybbs) startet um 19.30 sowie um 20.40 Uhr von der Bushaltestelle Kraftwerk (Mühling). Zurück geht es um 23.50 Uhr sowie um 1 Uhr. Ausgangspunkt war das Ybbser Roadhouse. Route zwei fährt das südliche Waldviertel, Ybbs, Neumarkt und Blindenmarkt ab. Pro Fahrt und Fahrgast wird ein Betrag von zwei Euro eingehoben.

 „Wenn die Leute alkoholisiert sind, ist es oft sehr schwierig. Man muss sie darauf aufmerksam machen, die Maske zu tragen.“ Hans Bauer, „Taxi Bauer“

 Einer der „Chauffeure“ Richtung Ybbser „Bermudadreieck“ ist Hans Bauer. Der Wieselburger hatte sich zuletzt mehr auf Reisebustransporte spezialisiert, ist aufgrund der aktuellen Situation aber wieder verstärkt für Taxifahrten und Disco-Transporte unterwegs. „Die Auslastung ist natürlich nicht so hoch wie sonst. Aber ein paar Leute waren es doch. Es tröpfelt halt so dahin, aber überlastet bin ich nicht“, scherzt er.

Bauer setzte die Vorgaben der Bundesregierung strikt um. Pro Busreihe dürfen nur zwei Personen Platz nehmen, Mund-Nasenschutz-Masken sind zu tragen. „Tagsüber und wenn der Alkoholpegel noch gering ist, war das auch überhaupt kein Problem, da wurden die Maßnahmen von den meisten problemlos umgesetzt“, berichtet der Wieselburger Transportunternehmer. Gefährlich wurde es aber dann, wenn die Partynacht dem Ende zugeht. „Wenn die Leute alkoholisiert waren, war es oft sehr schwierig. Man musste sie darauf aufmerksam machen, die Maske zu tragen. Und vor allem, sie richtig zu tragen“, ärgert sich Bauer.

Was er in den vergangenen Wochen bei seinen Fahrten ins „Bermudadreieck“ auch feststellen musste: Viele seiner Fahrgäste nehmen das Coronavirus nicht ernst. „Sie halten das alles für Blödsinn. Ich war überrascht, dass viele junge Leute an den Verschwörungstheorien festhalten“, erzählt er. Und damit begann oft eine hitzige Diskussion in seinem Taxi. Denn manche Gäste wollten partout keine Maske aufsetzen. „Da bin ich sehr genau. Mir ist der Selbstschutz da wichtiger als der Umsatz“, betont er. Für diejenigen, die keinen Mundschutz dabei haben – laut Bauer kommt das vor allem nachts vor – hat er immer ein paar Stück dabei.

Nichtsdestotrotz ist Hans Bauer froh, dass sein Telefon läutet. „Solange jemand anruft und ein Taxi braucht, mache ich das. Ich brauche ja auch den Umsatz“, sagt er. Und diese Anrufe haben sich durch Corona auch verändert. Er bringt Radfahrer zurück ins Waldviertel und fährt nachts nun häufig private Häuser an. „Viele sind von Privatadressen zu holen, da sind oft auch sehr weite Fahrten dabei. So etwas gab es früher eher weniger.“

Ein weiterer Zubringer der Partygäste ist das Busunternehmen Kerschner mit Standorten in Wieselburg und Mank. „Der Betrieb ist natürlich entspannter zurzeit. Uns geht es aber den Umständen entsprechend gut“, lässt Firmenchef Richard Kerschner wissen. Für den Reiseverkehr gab es im August zwar ein kurzes Hoch, mittlerweile stehen die Reisebusse aber wieder in der Garage. Auch über dem Thema Pauschalreisen stehe laut Kerschner noch ein großes Fragezeichen für die nächste Zeit.

Dafür sind die Linien- und Schulbusse sowie der „Disco.Buzz“ (bis zum letzten Wochenende) im Einsatz. Mitte März wurde dieser eingestellt, ab Anfang September fuhr er wieder. „Beim Start wurden die Busse gut angenommen, jedoch wurden die Fahrgastzahlen mit der aktuellen Lage sukzessive weniger“, berichtet Kerschner.