Auslandssemester: „Kannte Gesichter nur mit Maske“. Ein Auslandssemester in Frankreich trotz Pandemie – die 21-jährige FH-Studentin Karoline Wieseneder schildert ihre Erlebnisse.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 26. Februar 2021 (06:06)
Die 21-jährige Wieselburger FH-Studentin Karoline Wieseneder aus Zelking-Matzleinsdorf verbrachte das dritte Semester ihres Bachelorstudiums in Lyon – ein Auslandssemester in Corona-Zeiten, das sie trotz allem nicht missen will.
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Karoline Wieseneder aus Zelking-Matzleinsdorf studiert Produktmarketing & Projektmanagement am Campus Wieselbug der Fachhochschule Wiener Neustadt. Drei Semester ihres Bachelorstudiums liegen hinter ihr. Ein Auslandssemester war dabei immer ihr großer Traum.

Und trotz weltweiter Pandemie ließ sich die 21-Jährige ein Semester im französischen Lyon nicht nehmen. Das Wintersemester verbrachte sie an der Partnerhochschule „ESDES – Lyon Business School“, wo sie Kurse aus dem Bereich „Business Courses in English“ belegte.

NÖN: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, trotz Corona-Pandemie ein Auslandssemester zu machen?

Karoline Wieseneder: Die Entscheidung, überhaupt ein Auslandssemester zu machen, trifft man nicht von heute auf morgen. Als ich mich für das Auslandssemester beworben habe – und auch als ich die Zusage bekam – war Corona noch lange kein Thema. Doch als dann im März der Lockdown verkündet wurde, wurde mir etwas mulmig. Nicht, weil ich an meiner Entscheidung zweifelte, sondern weil ich noch einen Sprachnachweis brauchte, um mich für die Kurse in Frankreich eintragen zu können. Über das International Office der Fachhochschule war es aber möglich, den Test direkt am Campus zu machen. Generell war die Betreuung durch das International Office vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt wirklich großartig.

Wie sah die Unterstützung vom International Office konkret aus?

Sie haben mich besonders in der Vorbereitung unterstützt, mir geholfen, die passenden Kurse auszuwählen, um somit so viele passende ECTS-Punkte wie möglich zu sammeln. Bei der Wohnungssuche hat mir das International Office meiner Partnerhochschule geholfen. Ich habe ihnen eine Mail geschrieben, dass ich auf der Suche nach einem Wohnheim bin und innerhalb von nur 24 Stunden hatte ich bereits eine Zusage. Deutsch konnte zwar niemand meiner Ansprechpartner in Frankreich, dafür sprachen alle gut Englisch und halfen auch bei allerlei großen und kleinen Problemen.

 „Am meisten habe ich im Bereich Teamarbeit gelernt.“

Warum haben Sie sich für Frankreich und speziell Lyon entschieden?

Der Hauptgrund für Lyon war die Lage. Von dort aus ist man in eineinhalb Stunden in Montpellier am Meer, in einer Stunde in Annecy in den Alpen, aber auch Paris ist nur zwei Stunden entfernt. Lyon ist nicht nur die perfekte Ausgangslage zum Reisen, sondern auch die Stadt an sich ist wunderschön und hat viel Charme. Sehr beeindruckt hat mich auch die Partnerhochschule, die sich in einem ehemaligen Gefängnis befindet.

Ihr hattet also ganz normalen Präsenzunterricht?

Ja. Die Gesichter der Vortragenden kannte ich anfangs nur mit Maske. Erst in der zweiten Hälfte des Semesters sah ich dann auch langsam ihre Münder und Nasen. In Lyon galt ja eine generelle Maskenpflicht – auch im Freien. So gewöhnte man sich schnell daran, die Maske bis zu zwölf Stunden am Tag zu tragen. Der zweite Teil des Semesters fand ausschließlich online statt, was aufgrund der vielen Gruppenarbeiten anfangs problematisch schien, aber doch machbar war. Da die meisten englischsprachigen Kurse nur von den wenigen Austauschstudierenden belegt wurden, lernte ich auch schnell Freunde kennen. Ich würde behaupten, dass Corona in dieser Hinsicht sogar ein Vorteil für mich war.

Konnten Sie mit Ihren neuen Freunden dann überhaupt etwas unternehmen?

Aber ja! Die meisten Austauschstudierenden wohnten im gleichen Wohnheim, was zu vielen lustigen gemeinsamen Kochabenden führte. Meine drei engsten Freundinnen und ich haben das Beste aus dieser Zeit herausgeholt. Wir haben uns durch die französische Küche gekostet, haben die Stadt und ihre Umgebung erkundet – am liebsten mit einem Zwischenstopp an einer tollen Eisdiele – und wir sind gereist. Neben kleineren Reisen nach Annecy, Avignon und Pérouges, sind wir in unseren Herbstferien auch nach Montpellier und weiter nach Bordeaux gefahren. Diese Reise war das absolute Highlight.

Viele sprechen beim Auslandssemester von einer Zeit, in der man sich vor allem persönlich weiterentwickelt. Inwiefern hat Sie diese Zeit fachlich weitergebracht?

Ich habe in Lyon Vorlesungen passend zu denen an der Fachhochschule besucht: Digital Marketing & Innovation, Industrial Organisation and Economic Dynamics und viele andere Lehrveranstaltungen aus dem Marketingbereich. Meist habe ich auch alles gut verstanden, man musste sich nur zu Beginn an den Akzent mancher Vortragender gewöhnen, aber das hat alles schnell funktioniert. Es hat sicher geholfen, dass ich in der Schule vier Jahre lang Französisch gelernt habe.

Was haben Sie in Lyon gelernt, das Sie in Wieselburg so vielleicht nicht erfahren hätten?

Am meisten habe ich im Bereich Teamarbeit gelernt. Durch die verschiedenen Nationalitäten und auch die vielen verschiedene Arbeitsweisen waren wir gezwungen, uns aufeinander einzustellen. Ich habe so gelernt, wie wichtig es ist, auf alle Gruppenmitglieder Rücksicht zu nehmen. Aber auch mein Englisch ist besser geworden, nicht nur was das Hör- und Leseverständnis betrifft, sondern ich bin auch viel selbstsicherer bezüglich des Sprechens geworden. Mir wurde aber auch klar, wie gut wir es am Campus Wieselburg haben. An der Partnerhochschule ESDES habe ich mich teilweise wieder wie in der Schule gefühlt. Statt Hörsälen sehr kleine Klassenräume, kleine Gruppen, Hausaufgaben für fast jede Stunde, Zwischenprüfungen. Da lernt man, die tolle Infrastruktur und die bessere Planbarkeit an der Fachhochschule schon sehr zu schätzen.

Welche Tipps haben Sie für Studierende, die ebenfalls über ein Auslandssemester nachdenken?

Machen! Es ist eine tolle Erfahrung, bei der man viel lernen kann. Und es ist besonders wichtig, unvoreingenommen zu sein und nicht zu viel darüber nachdenken, was andere davon halten. Es ist gut, sich im Vorhinein zu informieren, ob es im Zielland Herbstferien oder Ähnliches gibt, in denen man eine längere Reise unternehmen kann. Am wichtigsten ist: Genießt Eure Zeit und macht das Beste daraus!