Wilderer in Puchenstuben: "Täter war ortskundig". Drei Tage nach dem Jahrestag des Amoklaufs von Annaberg wurde ein Hirsch gewildert. Die NÖN sprach mit dem Förster Peter Pfeiffer.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 29. September 2014 (10:24)
NOEN, privat
Diesen rund zehn Jahre alten 170 Kilo schweren Zwölf-Ender schoss ein Wilderer in der Nacht von 19. auf 20. September auf den Wastlböden. Es gibt Parallelen zu den Taten von Alois Huber. Laut Polizei könnte es sich um einen Trittbrettfahrer handeln.
Am 17. September 2013 hatte der Wilderer Alois Huber in Annaberg vier Menschen erschossen. Nur drei Tage, nachdem zum Jahrestag ein Gedenkstein in Annaberg enthüllt worden war, gab es im knapp 13 Kilometer entfernten Puchenstuben im Bezirk Scheibbs einen neuen Fall von Wilderei.

Förster Peter Pfeiffer entdeckte Samstagfrüh auf den Wastlböden einen toten Hirsch: Das Tier wurde mit einem Schuss in die Wirbelsäule getötet.

NÖN: Herr Pfeiffer, wie hat sich der ganze Vorfall aus Ihrer Sicht zugetragen?
Pfeiffer: Ich war am Freitagabend noch mit meiner Frau und meinem Sohn im Revier unterwegs. Da haben wir diesen Einser-Hirschen gesehen. Ich habe ihn sogar fotografiert. Gegen 20 Uhr sind wir aber nach Hause gefahren, da Nebel in die Wastlböden eingezogen ist und für die Nacht Unwetter angesagt waren, die dann ja auch gekommen sind.

Sie sind nächsten Morgen aber dann gleich wieder zeitig raus?
Ja, ich bin gegen 5 Uhr mit meinem Auto von den Böden Richtung Stadlberg raufgefahren. Über der Wiese lag immer noch der Nebel. Mir ist aufgefallen, dass für die Brunftzeit relativ wenig Hirsche auf den Wastlböden geröhrt haben. Ich wollte eigentlich schon einen Besitzer anrufen, um ihn zum Schießen dieses Einser-Hirsches einzuladen. Denn wir hatten noch einen frei für dieses Jahr. Zuvor habe ich aber nochmals rausgeschaut und da sah ich denau diesen Einser-Hirschen tot auf der Wiese liegen.

Und Sie waren sich sofort sicher, dass es sich um einen Wilderer-Abschuss gehandelt hat?
Eigentlich schon. Ich hab dennoch sofort Bezirksjägermeister Schuster verständigt. Wir haben den Körper untersucht und nachgeschaut, ob sich die Hirsche vielleicht in der Brunft gegenseitig aufgespiest hätten. Aber man sah, dass es ein gezielter Schuss war. Das war ein tödlicher Treffer. Der Hirsch wurde genau dort geschossen, wo ich ihn gefunden hatte. Als wir den Körper dann mit einem Metalldetektor untersucht haben, war alles klar. Wir haben auch Geschosssplitter im Körper gefunden, aber leider nicht den Geschoßboden. Das macht die Ermittlungen für die Polizei schwieriger.

Als Sie den toten Hirschen gefunden haben, war der Körper noch warm. Das bedeutet, dass der Abschuss erst kurz zuvor passiert sein muss – oder?
Ich schätze, dass der Hirsch zwischen 2 Uhr und 5 Uhr früh geschossen wurde – eher näher 5 Uhr. Da war auch das Gewitter und man hörte den Schuss nicht. Vermutlich dürfte ich den Wilderer aber durch die Fahrt mit meinem Auto den Stadlberg rauf vertrieben haben, sodass er die Trophäe – immerhin ein Zwölf-Ender – nicht mehr mitnehmen konnte.

Welches Gefühl hat man, wenn man die ganzen Umstände dieses Wilderer-Vorfalls betrachtet? Immerhin fand der exakt zwei Tage nach der Enthüllung des Gedenksteins für die Opfer von Alois Huber im benachbarten Annaberg statt. Huber hat in dieser Region ja auch gewildert und bei Euch sogar ins Forsthaus eingebrochen.
Natürlich hat man ein ungutes Gefühl. Noch dazu gibt es einige Ähnlichkeiten mit den Wilderer-Fällen von Alois Huber. Die Vorgangsweise, dass er auf den Hirsch frontal geschossen hat und dass er auch bei schlechtem Wetter unterwegs war, wo man keinen Schuss hört, ist schon bedenklich. Zudem bin ich überzeugt, dass der Täter ortskundig war. Es ist bei uns nicht leicht, sein Auto so zu parken, dass ich das nicht mitbekomme. Und auch dass er sich von der richtigen Seite dem Hirsch genähert hat, lässt mich darauf schließen, dass ihm das Gebiet kein Unbekanntes ist.

Wie geht man künftig mit diesem Vorfall um?
Die Lust am Jagen ist uns jedenfalls einmal vergangen, auch wenn die Hirschbrunft den Höhepunkt im Jahr bildet. Wir werden in der Zukunft jedenfalls noch mehr die Augen offen halten und jeden Verdachtsfall melden.