Pendler im Bezirk Scheibbs: Täglich unterwegs zum Job. Große Betriebe sind Pendler-Magneten, kleine sichern Arbeit vor Ort.

Von Karin Katona. Erstellt am 10. Dezember 2019 (05:38)
Der Arbeitstag von Christian Salzmann aus Purgstall beginnt um sieben Uhr morgens am Bahnhof.
Karin Katona

Freitagmorgen, sieben Uhr früh, minus fünf Grad: Christian Salzmann, Chefredakteur im Pressedienst der NÖ Landesregierung, steht fröstelnd am Purgstaller Bahnhof. Heute wird er, wie mehrmals pro Woche, per Bahn an seinen Arbeitsort St. Pölten pendeln.

„Wenn ich Abendtermine habe, fahre ich mit dem Auto. Sonst verwende ich das Auto nur für den Weg zum Bahnhof und fahre mit dem Zug“, sagt der Familienvater. Dass er zur Arbeit pendeln muss, stört ihn nicht: „In meinem Beruf ist es zu erwarten, dass der Arbeitsplatz nicht gleich vor der Haustür liegt. Das war mir immer klar.“

Viele Pendler im Bezirk müssen nicht so weite Strecken zurücklegen: Ihre Arbeitsplätze liegen in der Region. Ein Beispiel dafür ist Wieselburg-Land, die Gemeinde mit dem höchsten Auspendler-Anteil. Bürgermeister Karl Gerstl sieht das positiv: „Wir sind als Wohngemeinde sehr beliebt und profitieren von den Betriebsansiedlungen in der Region, wie etwa in unserer Nachbargemeinde Wieselburg.“ Die hohe Wohnqualität bringe dem Ort auch einen stetigen Bevölkerungszuwachs: „Darüber sind wir natürlich sehr glücklich.“

„Gute Standortpolitik heißt, immer am Drücker zu bleiben und den Betrieben gute Infrastruktur zu bieten.“Josef Leitner, Bürgermeister

Die Stadtgemeinde Wieselburg hingegen ist der Pendler-Magnet im Bezirk – mit steigender Tendenz. Dank großer Betriebe – allen voran die Paradebetriebe ZKW und Brau Union – und Fachhochschule kommen auf 2.133 Erwerbstätige im Ort mehr als 4.500 Arbeitsplätze. Doch ohne Fleiß kein Preis, betont Bürgermeister Josef Leitner: „Wir betreiben eine sehr offensive Standortpolitik. Erst kürzlich haben wir ein Betriebsgebiet von fünf Hektar aufgeschlossen, wo sich die Firma Klenk & Meder mit 80 Arbeitsplätzen ansiedeln wird.“

Für die Einpendler müsse man auch die entsprechende Infrastruktur, wie etwa Kinderbetreuung und Einkaufsmöglichkeiten, bieten. Offensiv sei Wieselburg mit seinem neuen Ärztezentrum auch in puncto medizinischer Versorgung: „Auch hier muss man den Ärzten ein gutes Angebot machen.“ Denn: „Das A und O guter Standortpolitik ist es, immer am Drücker zu bleiben.“

Über einen hohen Pendlerindex – das Verhältnis zwischen den Erwerbstätigen und den Beschäftigten am Wohnort – freut sich auch der Grestner Bürgermeister Harald Gnadenberger. „Wir haben das Glück, besonders durch die Firma Welser, aber auch viele kleinere Betriebe, viele Arbeitsplätze bieten zu können. Gresten ist eine wirtschaftlich stabile Gemeinde. Trotzdem heißt es: Immer dran bleiben.“ Wichtig sei auch, dem Bürger etwas zu bieten: „Handel, Gastronomie, Arbeitsplätze – bei uns haben die Leute alles, was sie brauchen“, sagt Gnadenberger.

Wenn es um den Anteil der Erwerbstätigen geht, die ihre Gemeinde für ihren Arbeitsplatz nicht verlassen müssen, hat Göstling die Nase vorn. Hier seien es neben dem Solebad, den Hochkar-Bergbahnen, den Baufirmen Gusel und Geischläger vor allem die kleineren Betriebe, die den Menschen im Ort Arbeit bieten, sagt Bürgermeister Friedrich Fahrnberger. „Göstling ist eine lebendige Gemeinde. Das sieht man auch daran, dass wir hier zwei große Nahversorger haben und auch viel Gastronomie – wo es übrigens auch noch freie Arbeitsplätze gibt.“

Christian Salzmann aus Purgstall sitzt derweil schon im Zug nach St. Pölten. Er stellt fest, dass immer mehr seiner Pendler-Kollegen die Bahn benützen. Für ihn eine angenehme Komponente: „Man kennt sich und plaudert ein bisschen.“ Die Anreise zum Arbeitsplatz per Bahn habe aber noch weitere Vorteile: „Ich kann im Zug Arbeit erledigen und komme entspannter an den Arbeitsplatz. Und es ist umweltschonender.“ Dafür nimmt man dann auch gern ein bisschen morgendliches Frösteln am Bahnsteig in Kauf.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

Umfrage beendet

  • Stehen für NÖ-Pendler ausreichend öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung?