Wieselburg-Land - „Endlich nicht selbst kochen“. Lokalaugenschein beim Ballonwirt Aigner am Sonntagmittag.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 18. Mai 2020 (12:05)

Sonntagmittag beim Ballonwirt Aigner. Am Stammtisch wird gekartelt, die Tische im Restaurant sind gut belegt und der Gastgarten füllt sich. Eigentlich fast ein Sonntag wie jeder andere und dennoch ein besonderer. Daran erinnern drei Desinfektionsstation vor und im Lokal, folierte Speisekarten, improvisierte Trennwände zwischen den Tischen und vor allem die Masken beim Servierpersonal. Nach acht Wochen coronabedingter Sperre öffneten die Wirtshäuser am Freitag wieder ihre Türen – auch der Ballonwirt. Und nach zwei eher verhaltenen Tagen war man Sonntagmittag beim Aigner „gut voll“. „Es ist unser erster Gasthausbesuch seit dem Corona-Lockdown und die ganze Familie hat sich schon sehr darauf gefreut“, erzählt Harald Affengruber, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in seinem Stammlokal das Mittagessen genießt. „Endlich einmal nicht selbst kochen“, fügt Kerstin Affengruber mit einem Lächeln hinzu.

Zwei Tische daneben wird geherzerlt. So wie jeden Sonntagvormittag bis vor acht Wochen. „Ich kann es schon gar nicht mehr“, scherzt Johann „Jack“ Sonnleitner. „Es tut echt gut, wieder einmal alte Gewohnheiten richtig zu genießen“, meint auch Josef Lienbacher. Normal ist die Runde zu sechst oder siebent. Heute sind es nur vier. „Die anderen sind noch nicht gekommen“, sagt Sonnleitner, während ihm Peter Neuhauser über die Schultern blickt. Allerdings nur kurz – denn mehr als vier dürfen nicht am Tisch sitzen. „Normalerweise schaue ich zu oder helfe aus, aber heute sind es nur kurze Blicke. Wir halten uns an die Auflagen. Denn nur so ist das Ganze vielleicht bald endgültig vorbei“, sagt Neuhauser.

An die Auflagen hält sich auch das Personal. Alle sind mit Maske unterwegs. Nach jedem Gast werden Tische, Stühle und Speisekarten gereinigt und desinfiziert. „Natürlich ist das Servieren mit Maske ungewohnt und anstrengender, aber mir ist es lieber als ein Schutzvisier. Der ist irgendwie unpraktisch. Und wenn Zeit ist, gehe ich halt in den hinteren Bereich zum Luftholen“, erzählt Kellnerin Sarah Fuchsluger. Und die Bilanz von Chef Herbert Aigner nach den ersten drei Tagen: „Alle sind froh, dass wieder Betrieb ist. Nichtsdestotrotz werden wir heuer mit Einbußen von bis zu 50 Prozent rechnen müssen. Die Leute sind vorsichtiger und gehen nach dem Essen wieder schneller nach Hause. Von gemütlicher Wirtshausatmosphäre sind wir noch weit entfernt“, weiß Aigner.