Ötscher-Hochkar: Heftige „Brezn“ für Skischulen

Der Ausfall von Schulskikursen und die geringe Nachfrage an Privatstunden bringt Skischulen in Bedrängnis. Wir hörten uns im Bezirk Scheibbs um.

Erstellt am 27. Januar 2021 | 05:45
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Skilehrer Hans mit seinem Schützling auf der Übungswiese im Kinderland in Lackenhof am Ötscher.
Foto: Eplinger/privat

Donnerstagnachmittag in Lackenhof: Skilehrer Hans von der Skischule Ötscher ist mit einem seiner Schüler im Kinderland unterwegs. Eine von wenigen Privatstunden, die der Skilehrer abhält. Denn die Nachfrage an Skikursen ist derzeit besonders gering.

„Grund ist vor allem die fehlende Hotellerie“, meint Skischulbetreiber Michael Nendwich, der neben Lackenhof auch noch am Königsberg und am Jauerling Standorte betreibt. „Üblicherweise haben wir um diese Zeit rund 30 Skilehrer angestellt, zehn davon fix. Derzeit sind nur drei bis fünf geringfügig angemeldet“, sagt er.

Noch keinen Euro von Antrag bekommen

Das Fehlen von Schulskikursen und der Lockdown sorgen bei Nendwich und seinen Kollegen für Sorgenfalten. „Wir haben wie alle natürlich deutlich weniger Umsatz, auch die finanzielle Hilfe blieb bei uns bislang aus.“ Denn bis heute hat der Skischulenbetreiber vom beantragten Umsatzentgang noch keinen Euro erhalten. „Und auch der Fixkostenzuschuss lässt auf sich warten.“

Dem Skischulenbetreiber blieb also nichts anderes übrig, als sich mit privaten Krediten über Wasser zu halten: „Wie es weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe, dass wir diese Saison ohne Liquiditätsprobleme überstehen werden.“

Mit enormen Umsatzeinbußen rechnet auch Skischul- und Skiverleihbetreiber Franz Heher in Lackenhof. „Die Semesterferien-Woche ist normalerweise unsere stärkste Woche. Wir müssen versuchen, aus eigner Kraft irgendwie durch den Februar zu kommen. Danach ist die Saison sowieso bereits gelaufen“, meint er.

Kaum Anfragen wegen privaten Skistunden erhält derzeit auch Johannes Putz am Hochkar. Der Gastronom sowie Skiverleih- und Skischulenbetreiber hat nur einen Skilehrer, statt üblicherweise zwölf, fix angestellt.

Privatunterricht nur mit zwei Haushalten

Aufgrund der gesetzlichen Lage, die bei Lehrstunden neben dem Skilehrer nur Mitglieder eines weiteren Haushalten erlaubt, ist die Gruppenanzahl auf haushaltseigene Personen beschränkt. Und so spielt auch der Kostenfaktor für Privatunterricht auf der Piste eine große Rolle. „Eine Skilehrerstunde kostet bei uns 55 Euro, eine Doppelstunde 99 Euro und ein vierstündiger Tagskikurs 176 Euro. Das ist für die meisten Familien nur bei mehreren Geschwistern leistbar“, bringt Putz das Problem auf den Punkt.

Wie in Lackenhof steht und fällt das Geschäft mit den Beherbergungsbetrieben. „In den Weihnachtsferien war der Umsatz dennoch ganz akzeptabel, besonders im Skiverleih“, meint Putz, der am Hochkar mit seinen Beherbergungs- und Gastrobetrieben in den Startlöchern steht.

„Wenn es möglich ist, dann werden wir einen, oder zwei Betriebe noch in dieser Saison öffnen. Wir sind startklar und könnten beispielsweise das Berghaus in einem halben Tag hochfahren“, meint er. Derzeit befinden sich 20 seiner insgesamt 25 Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Der Rest ist im Skiverleih, in der Skischule und im Foodtruck beschäftigt.“

Nur mehr aus Idealismus betreibt Christian Jagersberger seine Skischule in Lunz und Puchenstuben. „Denn wir fahren rein auf Naturschnee-Pisten, und da waren die vergangenen Jahre schon eher schwach. Wirtschaftlich gesehen müsste ich bereits zusperren“, meint der hauptberufliche Lehrer.

Heuer kann er die gesamte Saison bereits abschreiben, denn Anfragen für Privatstunden gibt es kaum. „Die Leute sind sehr abwartend und ich selbst möchte auch keine unnötige Energie darauf verwenden, denn das ist ja derzeit alles so unsicher“, sagt er.

Auch im Vorjahr ist das Geschäft bereits schlecht gelaufen. „Denn vor allem den Ferien habe es an Schnee gefehlt. In Lunz war der Skilift ja nur einen Tag in Betrieb. Sollte das mit dem Klimawandel so weitergehen, dann wird mein Geschäft auslaufen“, sagt Jagersberger. Dennoch nimmt er es relativ gelassen. „Wenn ich eine Anfrage erhalte, dann freu ich mich, denn ich finde es wichtig, dass die Kinder das Skifahren erlernen. Stress mach ich mir wegen des Geschäfts aber keine, ich muss ja zum Glück nicht davon leben, und Skifahren tu ich halt für mein Leben gern.“