Steinakirchenwirt wirft Handtuch. Offene Rechnungen und das Virus machen Wiedereröffnung für Gastronom unmöglich.

Von Anna Faltner. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:12)
Im Mai des Vorjahres eröffnete der gebürtige Zarnsdorfer Martin Theuretzbacher den „Steinakirchenwirt“ neu. Nach der zweimonatigen Betriebssperre war eine Wiedereröffnung für ihn nicht mehr möglich.
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Die Freude war groß, als Martin Theuretzbacher im Vorjahr das ehemalige Wirtshaus „Zum Gasslhof“ als „Steinakirchenwirt“ neu eröffnete. Dass es nach nur einem Jahr zur Schließung kommt, war nicht der Plan. Letztendlich war es das Coronavirus, das dem Wirten eine „Rückkehr zur Normalität“ unmöglich machte.

Kurz zurück zum Anfang. Nach starken Meinungsverschiedenheiten mit dem vorherigen Pächter verkündete die Marktgemeinde Anfang 2019 stolz, mit dem gebürtigen Zarnsdorfer Martin Theuretzbacher einen engagierten und professionellen Gastronom gefunden zu haben. Um das Lokal wieder auf Vordermann zu bringen und den Forderungen des neuen Pächters entgegenzukommen, investierte die Gemeinde reichlich in das Wirtshaus. Die Terrasse wurde erneuert, neue Fliesen und neues Geschirr wurden angekauft.

Auflösung des Vertrags erfolgte einvernehmlich

Nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase lief das Geschäft gut an. Kaum war die Ballsaison beendet, zwang das Coronavirus den Wirten Mitte März zur Schließung seines Lokals. Hinzu kommt: Schon vor der Krise existierten offene Forderungen der Gemeinde gegenüber dem Betreiber. „Ein Stundungsansuchen koppelte die Gemeinde an die Forderung eines Fortführungskonzepts. Bis Mitte Mai wollte der Gastronom dies der Gemeinde vorlegen, was leider nicht erfolgte. Man erhielt lediglich ein E-Mail mit einer erneuten Stellungnahme, leider ohne Plan für die Zukunft“, heißt es in einer Aussendung der Marktgemeinde.

Zur baldigen Öffnung, wie eine Nachricht am Eingang verspricht, wird es nicht mehr kommen.
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Eine Öffnung des Gasthauses mit 15. Mai war für Theuretzbacher aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich.„Bei der Betriebsgröße des Festsaals halte ich in der aktuellen Situation ein wirtschaftliches Arbeiten für unmöglich“, führt der Gastronom gegenüber der Gemeinde aus. Aufgrund der negativen Aussichtsprognose durch den Gastronomen selbst und der bereits vorhandenen Rückstände aus Betriebs- und Heizkosten entschloss sich der Gemeindevorstand dazu, eine einvernehmliche Auflösungsvereinbarung per 30. Juni 2020 anzubieten. Theuretzbacher hat diese bereits unterschrieben. Die Pacht zwischen 16. März und 15. Mai wurde aufgrund der behördlichen Sperre nicht verrechnet.

„Wenn man frisch anfängt, trifft einen das sicher noch einmal doppelt so hart. Uns tut es sehr leid, ich wünsche Herrn Theuretzbacher alles Gute für die Zukunft“, betont VP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker. Und wie geht es jetzt weiter? „Wir überlegen uns verschiedene Modelle, wie wir den Festsaal am besten nutzen können, etwa einzeln für Veranstaltungen vermieten. Ziel wäre es natürlich, langfristig einen Pächter zu finden“, hofft der Ortschef.