Aufregung um geplantes Wohnbauprojekt in Scheibbs

Anrainer sammelten 345 Unterschriften gegen geplantes Mehrparteien-Wohnhaus der Alpenland in der Feldgasse und hoffen auf „gute Gespräche“.

Erstellt am 17. Februar 2021 | 05:53
Wohnbau - Aufregung um geplantes Wohnbauprojekt in Scheibbs
Bei diesem rot eingerahmten, knapp 2.000 m2 großen Bauland-Grundstück in der Feldgasse scheiden sich die Geister. Die Alpenland will dort ein Wohnbauprojekt verwirklichen, die Anrainer haben Unterschriften zum Erhalt der „Grünoase“ gesammelt. Spätestens als am Mittwoch der Vorwoche die ersten Probegrabungen gemacht wurden, schrillten bei den Anrainern die Alarmglocken. Fotos: privat
Foto: privat

Ein feiner Gemüsegarten, den einige Scheibbser Anrainerfamilien seit Jahrzehnten bewirtschafteten, mehrere Obstbäume und Strauchfrüchte – und das auf einem 2.000 m 2 großen Areal in der Feldgasse, mitten im Scheibbser Stadtzentrum. Der „Haberlgarten“, eine echte grüne Oase. Der Grundstückseigentümer, die Firma Traunfellner, hatte bislang nichts dagegen. Ein schriftliches Abkommen darüber gab es aber nicht – auch keinerlei finanzielle Entschädigungen.

Mit dem „Garteln“ scheint es bald vorbei zu sein

„Ursprünglich hat ein ehemaliger Traunfellner-Mitarbeiter diese Beete angelegt und Bäume und Sträucher gepflanzt“, weiß Anrainerin Sabine Teufel, die mittlerweile seit Jahren dort gemeinsam mit weiteren benachbarten Hobbygärtnern selbst „gartelt“. Doch mit dem „Garteln“ scheint es bald endgültig vorbei zu sein.

Nach Interesse der Gemeinnützigen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland hat die Firma Traunfellner mit der Alpenland einen Baurechtsvertrag auf 99 Jahre abgeschlossen. Denn das Grundstück ist seit über 60 Jahren bereits als Bauland der Bauklasse zwei bis drei mit einer Bebauungsdichte von 40 Prozent der Grundfläche gewidmet. Damit ist dort ein zwei bis viergeschoßiges Wohnhaus möglich.

Als Bagger kam, schrillten Alarmglocken

Spätestens als am Mittwoch – ohne jegliche Vorankündigung – ein Bagger an vier Stellen Bodenproben für ein geologisches Gutachten entnahm, schrillten bei den Anrainern endgültig die Alarmglocken. „Wir waren total vor den Kopf gestoßen. Dabei waren wir noch am Vortag bei Bürgermeister Franz Aigner, um ihm eine Unterschriftenliste zu übergeben“, schildert Anrainerin Cordula Prießnitz gegenüber der NÖN. 345 Unterschriften hatten sie gesammelt, die sich gegen eine weitere Versiegelung einer der wenigen noch vorhandenen Grünoasen in der Feldgasse aussprachen.

„Wir wissen, dass wir rechtlich wenig ausrichten können gegen dieses Wohnbauprojekt. Aber wir ersuchen alle am Projekt Beteiligten, die Pläne für ein Wohnhaus mit angeblich 26 Wohneinheiten an dieser Stelle zu überdenken. Wir wollen zumindest keinen vierstöckigen Klotz vor die Nase gestellt bekommen, sondern in die Planungen und Gespräche eingebunden werden. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit für einen Kompromiss. Wichtig wäre uns, dass man mit uns redet“, erläutert Prießnitz die Intention dieser Unterschriftenliste.

Noch gibt es erst einen Vorentwurf

ÖVP-Bürgermeister Franz Aigner zeigte sich durchaus gesprächsbereit und will die Bürgersorgen ernst nehmen, aber „wir als Gemeinde haben wenig Möglichkeiten. Wir sind zwar Baubehörde, aber wenn die Alpenland ein Projekt einreicht, das der Bauklasse und dem Bebauungsplan entspricht, dann müssen wir zustimmen. Noch haben wir keinen Plan, sondern nur einen Vorentwurf gesehen. Der kann sich aber noch zig Mal verändern“, erklärt Aigner.

Er werde die Unterschriften und die Anliegen der Bürger bei nächster Gelegenheit an die Genossenschaft weiterleiten und versuchen, dass es ein Gespräch oder eine Informationsveranstaltung gibt. Auch die Verkehrsproblematik in der Feldgasse müsste dabei natürlich angesprochen werden, weiß Aigner, wobei im Vorentwurf laut dem Stadtchef auf alle Fälle eine Tiefgarage vorgesehen wäre. Die Probebohrungen am Mittwoch hätten ihn beziehungsweise die Gemeindevertreter genauso überrascht wie die Anrainer. „Aber das kann der Pächter in Abstimmung mit dem Grundeigentümer natürlich immer machen. Dazu braucht man uns nicht zu fragen“, sagt Aigner.

Bei der Alpenland versteht man die Aufregung nicht. Dass es dort einen Plan für ein Wohnhaus gibt, verhehlt man nicht. Es mache auch von der Raumordnung durchaus Sinn, eine Baulücke im Zentrum zu verbauen. Daher habe man dieses Areal ins Auge gefasst.

„Es werden geförderte Mietwohnungen mit großzügigen Freibereichen errichtet. In Summe sind 26 Wohnungen gemäß der NÖ Wohnbauförderung für Junges Wohnen geplant. Also ein leistbares Wohnungsangebot für Haushaltsgründer und junge Familien. Die Wohnungen sind barrierefrei anpassbar und somit für Jung und Alt geeignet. Dank der zentralen Lage können zum Beispiel die täglichen Besorgungen zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden“, erklärt Alpenland-Obmann Norbert Steiner auf Anfrage der NÖN. Derzeit werden Bodenuntersuchungen durchgeführt. Der Baustart soll im Frühjahr 2022 erfolgen.

Angesprochen auf den Wohnbedarf in Scheibbs ergänzt Steiner: „Alpenland ist seit Jahrzehnten Partner der Stadtgemeinde. Wir haben in Scheibbs im Laufe der Jahre über 350 Wohneinheiten errichtet und aktuell eine fast 100-prozentige Belegung – viele davon sind bereits ins Eigentum übertragen worden“ erklärt Steiner. Alpenland lege dabei stets Wert auf den Dialog mit Anrainern. Das werde man auch bei diesem Projekt so halten.

Übrigens: Beim aktuell in Bau befindlichen Wohnprojekt der Alpenland am Heuberg sind die ersten 36 Wohnungen der Stiegen eins und zwei schon bezogen und von den weiteren 32 Wohnungen der Stiegen drei bis fünf, die im Frühjahr 2022 fertiggestellt werden, sind ebenfalls schon die Hälfte fix vergeben.