Medizin vor Ort ist das Ziel. Neben Patienten vertraten vor allem Apotheker und Hausarzt ihren Standpunkt zur Hausapotheke.

Von Anna Faltner. Erstellt am 26. November 2019 (04:51)
Bei der Diskussion: Rechtsanwalt Markus Lechner, Hausarzt Anton Danzer, Ortschef Friedrich Salzer, Apothekerin Ingrid Wagner, Vize-Ortschef Karl Becker, VP-Landtagsabgeordneter Anton Erber, Apotheker Florian Luks, Wahlarzt Reinhard Wagner und Apotheker Werner Luks.
Anna Faltner

Wenn Arzt und Apotheker zusammentreffen, wenn es um das Thema Hausapotheke geht, wird der gemeinsame Konsens wohl ausbleiben. So war es auch, als die Plattform „Einarztgemeinde“ am Mittwochabend ins Hofcafé zur Informationsrunde einlud.

Hintergrund für die Veranstaltung war eine Patientenbefragung, bei der sich die Patienten aus der Umgebung ganz deutlich für eine Hausapotheke ausgesprochen haben. Denn 900 der insgesamt 1.600 Einwohner von Wolfpassing haben die Forderung der Plattform Einarztgemeinde, dass Gemeinden ohne Medikamentenversorgung vor Ort ärztliche Hausapotheken bekommen sollten, unterschrieben. Dabei sollen auch die Kilometergrenzen fallen.

„Ich behandle mehr als 200 Patienten pro Tag. Das ist keine Lebensqualität – weder für den Arzt, noch für den Patienten.“Hausarzt Anton Danzer

Die Unterschriftenliste war bei Hausarzt Anton Danzer aufgelegen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo in Steinakirchen die Nikolausapotheke eröffnet wurde, hatte Danzer sogar eine Hausapotheke. Und die wünscht er sich zurück. „Wenn ich am Wochenende zu einer 80-jährigen, nicht mobilen Patientin fahre und ihr Antibiotika verschreibe, müsste sie extrem weit fahren, um das zu bekommen. Es wäre viel leichter, wenn der Arzt die notwendigen Medikamente bei Hausbesuchen gleich mitbringen könnte“, ist er überzeugt.

Hinzu kommt, dass die Patienten, die Danzer behandelt, mittlerweile weit im Bezirk verstreut sind, da momentan sechs Kassenstellen in der Region unbesetzt sind. „Ich behandle mehr als 200 Patienten pro Tag. Es ist immer noch mein Traumberuf, aber die Bedingungen waren schon einmal leichter. Auf Dauer geht das auch nicht. Das ist keine Lebensqualität – weder für den Arzt, noch für den Patienten“, sagt er.

Mit teils sehr emotionalen Wortmeldungen kamen Politiker, Ärzte und Apotheker im Hofcafé zu Wort.
Anna Faltner

Die anwesenden Apotheker – Ingrid Wagner aus Steinakirchen sowie Werner und Florian Luks aus Ybbs und Persenbeug-Gottsdorf – sind hingegen der Meinung, dass eine Hausapotheke beim Hausarzt nicht annähernd die Qualität einer traditionellen Apotheke erfüllen kann. Die vernünftige Beratung, die angemessene Ausbildung, das ausreichende Angebot und genügend Lagerfläche wären in Hausapotheken nicht vorhanden. „Ich verstehe die Ärzte schon, die eine Hausapotheke haben wollen und vor allem die, die schon einmal eine hatten. Aber man kann nicht einen Berufsstand retten, indem man einen anderen verdrängt“, meint Florian Luks. Denn die Hausapotheke soll ein kleiner Zusatzverdienst für die Ärzte sein. Man erhofft sich dadurch eine einfachere Nachbesetzung der nach wie vor leer stehenden Kassenstellen.

VP-Bürgermeister Friedrich Salzer fasste seinen und den Wunsch der anwesenden Bürger zusammen: „Die Bürger sind dankbar dafür, dass wir einen Arzt im Ort haben. Aber die Medikamentenversorgung ist ein Problem. Im Vordergrund steht der Patient. Und für den soll sich etwas verbessern. Denn im Vergleich zu früher hat sich die Situation meiner Meinung nach verschlechtert.“