Baustart für ein verbindendes Großprojekt. Ein Schulterschluss der Region: Spatenstich für den 52,6 Kilometer langen Radweg zwischen Lunz am See und Waidhofen/Ybbs ist erfolgt.

Von Christian Eplinger und Andreas Kössl. Erstellt am 25. September 2014 (07:04)
NOEN, Eisenstraße
Präsentierten im Gasthaus Bruckwirt in Opponitz das Inszenierungskonzept für den Ybbstalradweg: Ernst Miglbauer, Bürgermeister Helmut Schagerl, Nationalrat Andreas Hanger, Bürgermeister Martin Ploderer, Josef Lueger und Anita Eybl.

Es gibt kaum ein Projekt im Ybbstal, dass im Vorfeld so viele Zeitungsseiten gefüllt hat, dem über Jahre hindurch so starker Gegenwind um die Ohren blies inklusive mehrerer Demonstrationen und dessen Protagonisten sich dennoch nicht auseinanderdividieren ließen, obwohl sie teilweise unterschiedlicher politischer Couleurs sind.

„Chance der Region liegt in der Gemeinsamkeit"

„Alleine geht gar nichts. Die Chance der Region liegt in der Gemeinsamkeit. Daher ist dieser Schulterschluss für den Ybbstalradweg ein wichtiges Zeichen“, betonte daher auch Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka anlässlich des Spatenstichs für den Ybbstalradweg am vergangenen Montag in Lunz am See.

Dort, beim Bahnhof erfolgte der Baustart für das touristische Großprojekt im Ybbstal. Bis 2016 wird der 52,6 Kilometer lange Ybbstalradweg zwischen Lunz am See und Waidhofen/Ybbs realisiert. Die Gesamtkosten betragen zehn Millionen Euro und werden zur Gänze vom Land getragen. Nur die spätere Erhaltung ist Sache der Gemeinden.

Hinter dem Projekt stehen sechs von sieben betroffenen Ybbstal-Gemeinden: Lunz, Göstling, St. Georgen/Reith, Opponitz, Ybbsitz und Waidhofen/Ybbs. Einzig Hollenstein ist (vorerst) nicht im Gemeindeverband Ybbstalradweg.

Bauarbeiten beginnen Ende Oktober

„Ich bin aber überzeugt, dass hier spätestens nach den Gemeinderatswahlen 2015 neue Bewegung in die Sache kommt. Daher wird Hollenstein im touristischen Inszenierungskonzept auch eingebunden“, sagte der stellvertretende Gemeindeverbandsobmann, Landtagsabgeordneter Helmut Schagerl (SPÖ), Bürgermeister in St. Georgen/Reith.

Die Bauarbeiten beginnen Ende Oktober mit den Abschnitten zehn (Göstling bis Kogelsbach) und elf (Lunz bis Göstling). „Alle bau- und naturschutzbehördlichen sowie wasserrechtlichen Verfahren wurden bei diesen beiden Bauabschnitten erfolgreich durchgeführt“, freut sich der Lunzer Bürgermeister und Obmann des Gemeindeverbandes Martin Ploderer.

Und auch er strich hervor, wie sehr dieses Projekt in den drei Jahren der Vorbereitung die Gemeinden und politisch Verantwortlichen der Region zusammengeführt hätte. „Immerhin ist das ein Projekt, das auch sehr viele Emotionen beinhaltet, geht der Radweg teilweise ja auf der ehemaligen Ybbstal-Bahntrasse“, erinnerte Ploderer an unzählige Diskussionen.

Bis Sommer 2015 sind die ersten 15,5 km fertig 

Bis Sommer 2015 sollen die ersten beiden Bauabschnitte (insgesamt 15,5 Kilometer) hergestellt werden. Insgesamt weist der Ybbstalradweg zwischen Kreilhof (Waidhofen an der Ybbs) und Lunzer See (Lunz am See) eine Länge von 52,6 Kilometern auf. 19,3 Kilometer verlaufen auf bestehenden Verkehrswegen (Güterwege, Gemeindestraßen, bestehende Radwege), 26,1 Kilometer auf der stillgelegten Bahntrasse der Ybbstalbahn.

Dazu kommen die Sanierung und der Ausbau des Radwegs zwischen Göstling und Lunz (6 Kilometer) und eine etwa einen Kilometer lange Radwegumlegung in Lunz entlang der Ötscherland-Express-Bahnstrecke. Der Bau des Ybbstalradwegs wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2016 erstrecken, wobei es in Opponitz und in St. Georgen/Reith noch zwei vermessungstechnische „Kleinigkeiten“ abzuklären gilt.

Infrastruktur braucht auch Inszenierung 

Parallel zum Baustart erfolgte am Montagabend in Opponitz auch die Präsentation des touristischen Inszenierungskonzeptes. Unter dem Titel „Zeit fürs ich“ fassten die Experten Josef Lueger, Ernst Miglbauer und Anita Eybl die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Rahmen eines Leader-Projekts von Kulturpark Eisenstraße und Mostviertel Tourismus zusammen. „Die Themen Entspannung und Natur-Erkundung sind dabei zentral“, sagt Eybl.

„Wir wollen keine aufgesetzte Inszenierung mit irgendwelchen Erlebnisattraktionen, sondern die wunderbare Natur selbst wirken lassen und sowohl Einheimische als auch Gäste für diese sensibilisieren“, betont auch Eisenstraße-Obmann Andreas Hanger.

Zwei wesentlich Qualitätskriterien seien für die Beliebtheit eines Radwegs entscheidend, führt Radwegexperte Miglbauer aus. Zum einen müsse ein Radweg möglichst weit weg vom motorisierten Verkehr verlaufen, zum anderen sei die Routenführung entscheidend. In beiden Fällen könne der Ybbstalradweg punkten. „Ein großer Vorteil ist die sanfte Steigung, die sich daraus ergibt, dass der Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse geführt wird“, ergänzt Lueger.

„Wir brauchen nichts erfinden, eigentlich ist alles da“

Für das naturnahe Erlebnis empfehlen die drei Experten verschiedenste Ausstattungselemente und Verweilplätze. Die Gestaltung solle funktional, aber zeitgeistig sein und sich jener Materialien bedienen, die die Region zu bieten habe – wie Wasser, Holz und Eisen.

„Wir brauchen nichts erfinden, eigentlich ist alles da“, sagt Lueger. „Wir wollen jedoch eine Hilfe geben, wie das Vorhandene am besten bespielt werden kann.“ Im ehemaligen Bahnhof Kogelsbach etwa, der zu einem Gastronomiebetrieb umgestaltet werden soll, könnte auch die Vermittlung von Bahngeschichte erflogen.

In Opponitz würde die Installierung eines Strandbades unter Einbindung des Gasthauses Bruckwirt Sinn machen. Auch touristische Kombinationspakete aus Rad- und Bahnfahren, Radtransport-Busse für die Rückreise, das Anbieten von Radfahrkursen oder geführte Radgruppenfahrten für die Generation 50plus werden angedacht.

„Ein Infrastrukturband alleine ist zu wenig“, weiß Eisenstraße-Obmann Andreas Hanger. „Es bedarf einer touristischen Inszenierung. Jetzt liegt es an uns, dieses Konzept umzusetzen und damit den Ybbstalradweg zu einer neuen touristischen Attraktion zu machen.“