Die Kehrseite des Tourismus-Booms. Während sich Gemeindeverantwortliche, Wirte und Touristiker über Erfolg des Ybbstalradweges freuen, ist es manchen Anrainern schon zu viel.

Von Christian Eplinger, Claudia Christ, Andreas Kössl und Markus Huebmer. Erstellt am 16. Oktober 2018 (04:40)
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Des einen Freud, des anderen Leid – der Ybbstal-Radweg sorgt in der Region dank seiner landschaftlichen Schönheit für einen Tourismusboom, aber auch für teilweise leidgeprüfte Anrainer.
Schwarz-Koenig

Um die 50.000 Radfahrer bejubelte man in der heurigen Saison am Ybbstalradweg. Das sorgt bei Gemeindeverantwortlichen, Gastronomen und Touristikern für strahlende Gesichter.

So war etwa der Zellerhof in Lunz am See von Mai bis September völlig ausgebucht – großteils mit Radfahrern. Das schlägt sich etwa in Lunz am See auch überaus positiv in der Nächtigungsbilanz nieder. Lunz konnte alleine in den Monaten Mai bis August seine Anzahl um 3.533 auf insgesamt 28.470 Nächtigungen steigern (die NÖN berichtete).

Was des einen Freud, ist für manch einen direkten Anrainer des Ybbstalradweges aber gar nicht so lustig. „Wenn 50.000 Radtouristen innerhalb von fünf Monaten tagtäglich bei dir zu Hause oft noch dazu in großen Gruppen vorbeiradeln, dann kann man da nicht mehr von sanftem Tourismus sprechen. Wir Anrainer, die mit unseren Häusern, Gärten und Ausfahrten direkt an der Radroute liegen, sind teilweise schon echt sauer.

Von unserem sehr beschaulichen und ruhigen Ybbstal ist in den Sommermonaten nur mehr wenig geblieben. Im Garten die Sonne und Ruhe genießen ist schier unmöglich geworden“, schildert eine direkt betroffene Anrainerin aus Lunz, die namentlich nicht genannt werden will, gegenüber der NÖN.

„An den Häusern und Ausfahrten wird mit hoher Geschwindigkeit vorbeigebrettert, Lärm, Müll und Fäkalien bleiben für die Anrainer über, häufig auch flegelhafte Bemerkungen.“Eine Lunzer Anrainerin

Die vorbeibrettelnden Radfahrer würden auch immer wieder für gefährliche Situationen bei den Haus- und Carportausfahrten, die teilweise direkt über den Radweg gehen, sorgen. Man habe zwar an manchen Stellen Bodenmarkierungen und Hinweiszeichen angebracht, aber „diese werden von den meisten Radfahrern einfach ignoriert oder gar nicht wahrgenommen. Bis einmal etwas passiert. Aber dann sind sicher auch wir die Schuldigen“, betont die Anrainerin.

Von rücksichtslosen Radfahrern berichten auch Anrainer des Ybbstalradwegs zwischen Gstadt und Opponitz. Gerade an jenen Stellen, wo der Radweg auf Güterwegen verläuft, komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen.

„Meistens sind es schon ältere Personen, die wahrscheinlich schon 15 Jahre nicht mehr auf einem Rad gesessen sind, nun aber E-Bike fahren und mit einer ordentlichen Geschwindigkeit, oft auch ohne Helm, am Haus vorbeiziehen“, berichtet eine Anrainerin. „Vor allem mit kleinen Kindern muss man da schon gut aufpassen, wenn man über die Straße gehen möchte. Das ist teilweise schon eine massive Einschränkung.“

Vielen Radfahrern sei nicht bewusst, dass sie am Ybbstalradweg teilweise auf Güterwegen fahren, weshalb man als Autofahrer nicht selten auch böse Blicke ernte. „Meine Familie und ich schätzen den Radweg grundsätzlich schon sehr und nutzen ihn auch selbst mit den Kindern gerne“, hält die Frau fest.

„Bei vielen Radfahrern mangelt es allerdings an der nötigen Disziplin. Wenn man mit den Kindern am Radweg unterwegs ist, gibt es immer wieder E-Bike-Fahrer, die einen ohne abzubremsen oder zu klingeln von hinten überholen und nicht daran denken, dass ein Kind mit dem Rad auch mal einen Schlenker machen kann.“

"Die positiven Folgen für die gesamte Region und auch die einheimische Bevölkerung, die den Ybbstalradweg ja ebenfalls intensiv nutzt, sind bei weitem höher.“Lunzer Bürgermeister und Radweg-Sprecher Martin Ploderer

Während sich die Lunzerin aber nicht nur über den „Massentourismus“ ärgert, sondern auch über zurückgelassenen Müll, so manche Notdurft, die die Radler beim Gartenzaun oder Carport erledigen, und die eine oder andere flegelhafte Bemerkung, gibt es sonst bezüglich zurückgelassenem Müll kaum Probleme.

Es sei zwar beim Nachbarhaus schon vorgekommen, dass Radfahrer Plastikflaschen abgelagert hätten, grundsätzlich habe man mit Verschmutzungen aber nicht zu kämpfen, meint die Anrainerin aus dem Oberen Ybbstal.

Auch dem Lunzer Bürgermeister und Radweg-Sprecher Martin Ploderer sind im großen und ganzen kaum Probleme am Radweg bekannt : „Die positiven Folgen für die gesamte Region und auch die einheimische Bevölkerung, die den Ybbstalradweg ja ebenfalls intensiv nutzt, sind bei weitem höher.“

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