Wieselburger Widerstandskämpfer: Niemals vergessen

Erstellt am 26. April 2022 | 18:32
Lesezeit: 3 Min
Seit Oktober 2020 finden sich am Wieselburger Bahnhof zwei Gedenktafeln für drei Wieselburger Widerstandskämpfer aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Montag erfolgte die lang fällige Feier.
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August Steindl, sein Sohn Herbert Steindl und Karl Neuhauser – drei Eisenbahner aus Wieselburg, die 1942 gegen die NS-Herrschaft auftraten. Die Steindls verbreiterten als Zugführer und Schaffner Informationen zur Wiedergründung einer kommunistischen Partei. Neuhauser versuchte über die Rote Hilfe, Geld für Frauen von eingesperrten Kollegen aufzutreiben.

Alle drei traf die Strafe der Nazis mit voller Härte. Die Steindls wurden als Hochverräter zum Tod verurteilt, Neuhauser kam wegen „Vorbereitung des Hochverrats“ mit einer Kerkerstrafe davon. August Steindl wurde hingerichtet, sein Sohn Herbert hatte „Glück im Unglück“. Der Henker vermutete durch die Namensgleichheit ein Versehen und schickte ihn zurück in den Kerker, von dem er später von Amerikanern befreit wurde. Neuhauser dagegen wurde zur Wehrmacht geholt und in die „Strafdivision 999“ versetzt. In Griechenland glückte ihm die Flucht nach Bulgarien, wo er von der sowjetischen Armee aufgegriffen wurde, in russische Gefangenschaft kam, aber nach Kriegsende nach Hause zurückkehren konnte.

„Drei Männer, die völlig gewaltfrei gehandelt hatten – ohne Waffen. Sie haben nur Informationen weitergegeben. Aber das kam damals einem Hochverrat gleich“, schilderte Historiker Johannes Kammerstätter, der die Geschichte der drei Eisenbahner aus Wieselburg aufbereitet hat. Hannes Scheruga gestaltete die Gedenktafeln. Die Gewerkschaft Vida und der Lions Club unterstützten das Projekt finanziell.

Am Montagabend erfolgte nun mit eineinhalbjähriger Verspätung die stimmungsvolle offizielle „Enthüllungsfeier“ beim Bahnhof. Johannes Kammerstätter las berührende Texte vor. Willfried Wiesbauer, Bernd Fedrigotti und Otmar Kemsies sorgten für die passend musikalische Umrahmung. „Wir wollten diese Feier unbedingt durchführen. Denn es ist wichtig, dass wir diese aktive Gedenk- und Erinnerungskultur ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Die Geschichten dürfen wir niemals vergessen. Denn wie die aktuellen Ereignisse leider zeigen, wird vor den Toren der Europäischen Union auch heute noch gewaltfreier Protest von Diktatoren mit voller Strenge bestraft“, betonte Bürgermeister Josef Leitner.

„Den Widerständigen verdanken wir unsere österreichische Identität. Ich bin stolz, dass auch drei aus unserer unmittelbaren Heimat dazu einen Beitrag geleistet haben“, sagte Kammerstätter zum Abschluss der kleinen Feier, der auch Vertreter der beiden Wieselburger Gemeinden und Pfarrer Daniel Kostrzycki beiwohnten.

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