Niederösterreichs Feuerwehren im Wettkampffieber

Erstellt am 23. Mai 2022 | 12:28
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2022 wird für die niederösterreichischen Feuerwehren zum sportlichen Superjahr: Alle – auch österreichweit – maßgeblichen Wettkämpfe finden in unserem Bundesland statt.

Noch nie in der Geschichte der freiwilligen Löschprofis standen in einem Bundesland die Großwettkämpfe aller Feuerwehrgenerationen innerhalb eines Jahres auf dem Programm. Niederösterreich wird im Juli und im August zur sportlichen Feuerwehrhauptstadt Österreichs.

Es war eine schmerzhafte Durststrecke, die für die Bewerbssportler der Feuerwehren jetzt endlich zu Ende geht. Nach zweijähriger Pandemie-Pause dürfen die Feuerwehrwettkämpfer wieder um Meter und Sekunden kämpfen. Trotz eingeschränkter Trainingszeiten werden am Rasen wieder Bestzeiten erwartet. „Wer das Prozedere einmal im Kopf hat, der vergisst es nie wieder. Natürlich sind regelmäßige Übungen für schnelle Zeiten unerlässlich. Aber im heurigen Jahr geht es vermutlich auch darum, sich nach zweijähriger Zwangspause wieder im Wettkampf messen zu können“, ist Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner die Vorfreude über den Wettkampfstart deutlich anzumerken.

Den Auftakt bildet der 70. NÖ lflb in Bronze und Silber am 1. und 2. Juli in Tulln, am Gelände des Landesfeuerwehrverbandes. Obwohl die Gemeinde Sieghartskirchen als Austragungsort für 2020 bereits fixiert war, musste der Landesfeuerwehrleistungsbewerb aufgrund der kurzen Organisationszeit ins Feuerwehrzentrum nach Tulln verlegt werden. Fahrafellner: „Wir haben am Gelände die besten Voraussetzungen und können als Verband einen derart großen Bewerb, mit fast 10.000 Teilnehmern, relativ rasch organisieren. Und es war unser Ziel, wenn es die rechtlichen Vorgaben erlauben, diesen Wettkampf auch unbedingt umzusetzen.“

Eine kleine Einschränkung müssen die Bewerbsteilnehmer jedoch in Kauf nehmen: Aufgrund der begrenzten Grünflächen in Tulln muss in diesem Jahr auf ein großes Zeltlager verzichtet werden. Aber für die Kraftnahrungen ist wieder gesorgt. Wenn auch nicht in jenem Umfang, den die Teilnehmer in den vergangenen Jahrzehnten gewohnt waren. „Wir sind froh, dass die Wettkämpfe überhaupt stattfinden. Da spielen kleine Entbehrungen keine Rolle. Wir sind froh, dass wir uns endlich alle wieder sehen.“

Schon eine Woche später, von 8. bis 9. Juli, steht das 48. Landestreffen der NÖ Feuerwehrjugend am Programm – ebenfalls am Gelände des Landesfeuerwehrverbandes in Tulln.

Fahrafellner: „Wir nützen die Ressourcen des vorwöchigen Bewerbes, um auch unserem Nachwuchs wieder die Chance eines großen Bewerbes zu bieten. Die zweijährige Wettkampf- und Lagerpause war vor allem für die jungen Feuerwehrmitglieder eine schwere Zeit. Die soziale Isolation hat viele Burschen und Mädchen aus dem Gleichgewicht gebracht. Durch die Lockdowns stand ja auch die Jugendarbeit in den Feuerwehren völlig still. Und dennoch, das freut mich am allermeisten, sind die Mitgliederzahlen trotz Corona wieder gestiegen.“

Am 11. August ist auch für die Spezialisten von Feuerwehreinsätzen auf dem Wasser die zweijährige Sportpause zu Ende. Zwischen 11. und 14. August stellen die Zillensportler auf der March in Marchegg (Bezirk Gänserndorf) wieder ihre besonderen technischen und körperlichen Fähigkeiten unter Beweis.

Und zwar beim 64. NÖ Landeswasserdienstleistungsbewerbe in Bronze, Silber und Gold. Dann gilt es wieder, die Zille 600 Meter stromaufwärts durch mehrere Hindernisse zu stangeln und nach der Wende die selbe Strecke wieder zum Start zu rudern. Ein Bewerb, der nicht nur viel Kraft, sondern auch Technik erfordert. Fahrafellner: „Es ist faszinierend zu beobachten, wie man eine Holzzille derart rasch und wendig steuern kann. Dafür sind sportliche Höchstleistungen erforderlich. Und das wiederum erfordert viel Trainingszeit.“ Niederösterreichs FF-Zillenfahrer zählen jedenfalls mit Abstand zu den besten in ganz Österreich.

Mit diesen drei Bewerben noch nicht genug, treffen sich zwischen 19. und 21. August die besten Jugendgruppen aus ganz Österreich in Traiskirchen (Baden) zum 23. Bundesfeuerwehrjugendleistungsbewerb. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Spielt das Wetter mit, sind von den 10- bis 15-jährigen Burschen und Mädchen wieder beeindruckende Leistungen zu erwarten.

Der fünfte und letzte Feuerwehr-Großbewerb in diesem Jahr ist der 13. Bundesfeuerwehrleistungsbewerb von 26. bis 28. August in der Landeshauptstadt St. Pölten. In der NV-Arena warten nicht nur auf die bundesweit besten Bewerbssportler hervorragende Bedingungen. Auch die Besucher dürfen sich über ein unterhaltsames Rahmenprogramm freuen. Wie zu erfahren war, wird DJ Ötzi für die nötige Stimmung sorgen.

Egal, ob Jugendbewerbe oder Wettkämpfe für die aktiven Feuerwehrmitglieder: Die fünf Großveranstaltungen bedeuten auch für die regionale Wirtschaft einen enormen Schub. Denn sämtliche Speisen und Getränke werden von den Veranstaltern über örtliche Betriebe bezogen. Nachdem viele Bewerber und Gäste in Niederösterreich nächtigen werden, darf sich auch die Hotellerie freuen. Die Wettkämpfe bringen nicht nur die Menschen zueinander, sie sorgen auch für ordentliche Umsätze in Niederösterreich.