Ich geh’ mal waldbaden für die Gesundheit … . Vergessen Sie mal die Dauerbrenner Bozen und Meran! Das Tauferer Ahrntal ist nicht nur eines der größten Südtiroler Seitentäler, sondern eines der schönsten Alpentäler überhaupt.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 31. Juli 2019 (03:50)

Kurz zu Zahlen, Daten & Fakten: 80 Dreitausender, vier Skigebiete (der nächste Winter kommt schneller, als wir glauben), 164 Almen (davon die Hälfte bewirtschaftet), 850 Kilometer Wander-wege. Wow, das Tauferer Ahrntal hat viel zu bieten. Aber das Wichtigste, das Angenehmste ist diese Ruhe! Da das Tal keinen Durchzugsverkehr hat (Sackgasse), kann es durchaus vorkommen, dass man in der Nacht lange Zeit kein einziges Auto hört. Das ist echt fein. Und erholsam.

Der Autor dieser Geschichte ist nicht gerade durchtrainiert. Daher kommen stundenlange Wanderungen eher nicht in Frage. Aber wie wär es mit Waldbaden?

Waldwas? Wie bitte? Die Südtiroler setzen voll auf diesen neuen Trend. Waldbaden ist eine Naturheilmethode aus Japan (Shinrin-yoku), wo es schon zur Gesundheitsvorsorge gehört. Aber was ist so gesund am Waldbaden? Ganz einfach: Der Wald absorbiert chemische Botenstoffe, welche auch Terpene genannt werden. Diese Terpene haben positive Auswirkungen auf den menschlichen Körper, besonders auf das Nervensystem, die Psyche und das Immunsystem. Japanische Studien belegen, wer sich nur einen Tag lang im Wald aufhält, erhöht die Anzahl der sogenannten Killerzellen im Blut um 40 Prozent. Das sind Zellen, die Tumorzellen oder von einem Virus befallene Zellen erkennen und zerstören können. Dieser Effekt kann bis zu sieben Tagen anhalten. Gleichzeitig werden Blutdruck und Stresshormone reduziert. Die Natur aktiv und konzentriert zu genießen schützt auch vor Burn-out.

Südtirol: 50 Prozent Wald

Gesagt, getan. Auf geht es zum Waldbaden! Das Plätschern des Bächleins, das Rascheln der Blätter, das Knacken der Zweige, die Geräusche der Tierwelt … Wald-baden kann schon was – ein Erlebnis für alle Sinne. Den Geist beleben und die innere Ruhe finden – das lässt sich in Südtirol ausgezeichnet, die autonome Provinz hat einen Waldanteil von stolzen 50 Prozent, insgesamt gibt es 114 verschiedene Wald-

arten. Mein Waldbaden war bei Sand in Taufers – in Stille wurde ein Teil des Franziskusweges absolviert, für die Mühen, für das Schwitzen wird man mit einem kühlen Sprühregen der Reinbach-Wasserfälle belohnt.

Kasern: Nördlichstes Dorf

Ein Muss ist auch ein Besuch des Endes des Tauferer Ahrntals. Mit dem Bus geht es ganz bequem nach Kasern (bei den meisten Hotels sind die Öffis inklusive, man kann also das Auto problemlos stehen lassen). Kasern liegt auf einer Meereshöhe von 1.582 Meter und stellt das nördlichste Dorf Italiens dar. Absolut einplanen sollte man einen Spaziergang zur Heilig-Geist-Kirche, die von Kasern aus in etwa 20 Minuten zu erreichen ist. Berühmt ist die kleine Kirche vor allem für das durchschossene Kreuz, um das sich eine alte Volkssage rankt.

Was tun, wenn es regnet? Zum Beispiel das Schaubergwerk in Prettau besuchen, wo man alles über die Geschichte des Kupfererzabbaus erfährt, wo mit Helm, Grubenlampe und Regenjacke mit der Grubenbahn in die Tiefe gefahren wird. Nichts für Menschen mit Platzangst! Mit der Grubenbahn gelangt man außerdem in den Klimastollen. Dort findet man ideale lufthygienische Bedingungen, die zu einer Linderung von allergischen und anderen Atemwegsproblemen führen können. Womit wir wieder beim Thema
Gesundheit wären. Und da wäre noch Bruneck (im Pustertal, wo man ins Tauferer Ahrntal abbiegt), das 2014 als lebenswerteste Stadt Italiens ausgezeichnet wurde. Aber das ist eine andere Geschichte …