Nord-Süd-Weg: Seit 50 Jahren wird weit gewandert. Der Nord-Süd-Weg ist nicht nur der erste Weitwanderweg, er ist auch ein Granit-Kunstwerk. Starten kann man beim Carl-Hermann-Haus am Rande der Gmünder Blockheide.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 04. August 2020 (07:57)

520 Kilometer lang ist der Nord-Süd-Weitwanderweg 05 – 213 davon führen durch Niederösterreich. Im September feiert der erste und meistbegangene Weitwanderweg Österreichs das 50-jährige Jubiläum.

„Werke wie Perlen an Schnur aneinandergereiht“

Der Nord-Süd-Weg. Quelle: carlhermann.at
carlhermann.at

Mit dem Jubiläum rückt auch der Nachlass des 1986 verstorbenen Gmünder Bildhauers Carl Hermann wieder in den Blickpunkt.

Denn Hermann war nicht nur der Initiator des vom Alpenverein eröffneten Weges in seinen steirischen Geburtsort Eibiswald, sondern auch der kreative Kopf in der Umsetzung.

„Das Einzigartige ist, dass dieser Weg nicht nur ein Weitwanderweg ist, sondern ein kulturhistorisches Projekt“, erklären Anna und Andreas Nödl, in deren Händen der künstlerische Nachlass von Hermann ist.

Denn der Weg ist gesäumt von Plastiken und Skulpturen des Gmünder Künstlers.

„Er reiht hier Werke wie Perlen an einer Schnur aneinander“ – beispielsweise den Weitwanderstein mit Edelweiß am Nebelstein, den Granitquader am Erlaufsee, das Fernwander-Wegekreuz am Seebergsattel, die Pauluskapelle auf der Weinebene sowie das Krainer-Denkmal in Eibiswald.

Die Nummer 05 trägt der Weitwanderweg zur Erinnerung an den österreichischen Widerstand in der NS-Diktatur, in dem Hermann engagiert war. Wenige Tage vor Kriegsende wurde er zum Tode verurteilt.

Der Gmünder Carl Hermann war nicht nur Initiator des Nord-Süd-Weitwanderwegs – er absolvierte ihn 1970 auch als Erster.
privat

Die Flucht aus der Todeszelle führte den Steirer dann nach Gmünd, dem späteren Zuhause.

Wer den Nord-Süd-Weitwanderweg verstehen will, sollte die Wandertour deshalb beim Carl-Hermann-Haus am Rande der Gmünder Blockheide – dem einstigen Atelier – starten.