Mit dem Schiff ins Herz des Portweines. Wo Landschaftsfreunde auf Weinliebhaber treffen: Das fruchtbare Dourotal lernt man am besten vom Schiff aus kennen.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 05. Februar 2020 (01:34)

„Kopf einziehen, alle hinsetzen!“, fordert Gabriela die Passagiere am Sonnendeck mit sanfter, aber bestimmter Stimme auf. Millimeterarbeit für den Kapitän, der die MS Infante Don Henrique mit ihren 75 Metern und vier Decks unter der Brücke durchmanövriert. Die Gäste gehen in Deckung und bringen vorsichtshalber ihre Gläser mit Portwein in Sicherheit. Die Brücke ist geschafft, die Kreuzfahrtleiterin ist zufrieden. Während der Bug des Schiffes fast lautlos den Rio Douro durchschneidet, schalten die Gäste wieder zurück in den Entspannungsmodus.

Das Leben an Bord spielt sich gemächlich ab. Die Landschaft zieht vorbei, es wird fein gegessen und getrunken. Wer möchte, lernt auf Ausflügen die spanische Universitätsstadt Salamanca oder die alte Bischofsstadt Lamego mit ihrer Wallfahrtskirche kennen. Diese ist über eine prächtige barocke Treppe mit 700 Stufen zu erreichen.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 21 km/h ist die erst vor wenigen Jahren renovierte MS Infante Don Henrique auf dem Rio Douro unterwegs. Auf der einwöchigen Reise geht es von Porto bis zur spanischen Grenze und wieder zurück. Schiffbar ist der Fluss nur auf portugiesischer Seite, wo er in den 1960er-Jahren aufgestaut wurde.

Auf 210 Kilometern mäandert der gezähmte Fluss durch das fruchtbare Dourotal mit seinen wellenartigen Steinterrassen-Feldern, auf denen der weltbekannte Portwein wächst. Vom Schiff lässt sich der Zauber der grünen, sonnenbestrahlten Hänge besonders gut erleben.

Kurz nach der Abfahrt von Porto ziehen Pinien- und Olivenhaine an den Kreuzfahrtpassagieren vorbei, ehe sich die Weinterrassen ins Blickfeld drängen. Weingüter, die mit großen Lettern ihre Namen bewerben, kleben an den Talhängen. Nicht nur die Vegetation, sondern auch die Temperatur ändert sich schon wenige Kilometer nachdem man das hippe Porto hinter sich gelassen hat: Es ist bis zu zehn Grad wärmer als an der Küste. Seit Jahrhunderten nutzen die Menschen das Mikroklima am Douro, um Mandeln, Oliven und Wein anzubauen.

 Familiäre Atmosphäre an Bord

 Von Massentourismus kann hier noch keine Rede sein. Auch an Bord kennt man die Gesichter der Mitreisenden nach zwei Tagen. 142 Personen finden in 70 Kabinen Platz. Vom Hauptdeck zum Sonnendeck gibt es sogar einen Aufzug. Es ist diese familiäre Atmosphäre an Bord, die auch Gabriela so schätzt. Von den Massenkreuzfahrten am Mittelmeer hat sie genug, der persönliche Kontakt mit den Menschen ist ihr wichtig. „Landschaftsfans und Weinliebhaber“, so charakterisiert sie ihre Gäste.

Ferradosa, der Ausgangspunkt der Portweinstraße, ist ihr persönliches Highlight. Auf Serpentinen geht es auf über 700 Meter Höhe direkt ins Herz des Portweins. „Von der Portweinstraße kann man nicht erzählen, das muss man erleben“, sagt Gabriela und schwärmt von der Weinverkostung mit Blick über die weitläufigen Steinterrassen.

Der Portwein hat das Dourotal bekannt gemacht. Er ist der älteste herkunftsgeschützte Wein der Welt. Das Anbaugebiet Alto Douro wurde 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. 33.000 Winzer produzieren hier den roten und weißen Süßwein, von dem es über 80 Rebsorten gibt. „Die Portugiesen trinken keinen Portwein, sie genießen ihn“, stellt Reiseleiter Paolo klar. „Ein kleiner Happen Essen und ein gutes Gespräch dürfen zu keinem Glas fehlen“, erklärt er die portugiesische Lebensweise beim Besuch in Régua, der Hauptstadt des Portweines. Von hier wurde der Wein früher mit Rabelo-Booten in die großen Portweinkellereien nach Vila Nova de Gaia gegenüber von Porto gebracht, wo der Wein mindestens zwei Jahre reifen durfte. Heute wird er auf dem Landweg transportiert.

Neben dem Wein sind es die blau-weißen Fliesen, die Azulejos, die Besucher auf Schritt und Tritt begleiten. Sie sind so etwas wie das Wahrzeichen Portugals. Besonders sehenswert sind sie am Bahnhof Pinhao. Die ganze Schönheit der Region mit ihrer fruchtbaren Landschaft, dem Wein und den Dörfern vereinigt sich hier an den Wänden des Bahnhofsgebäudes.