Niederösterreich

Erstellt am 27. November 2018, 02:45

von Michaela Fleck

Neues aus alten Zeiten. Richtig schön und richtig altmodisch sind die (Bild-)Bände, die Ulrich Winkler-Hermaden im Weinviertler Schleinbach macht. Der jüngste erzählt vom Industrieviertel. Und das so schön, dass man sich am liebsten gleich in die Südbahn setzen mag – und hinfahren in die Vergangenheit.

Seit 1909 logierte man am Semmering nicht nur im Südbahnhotel und im Panhans, sondern auch im Kurhaus. Dort war Platz für 120 Gäste – darunter Max Reinhardt, Arthur Schnitzler, Franz Werfel, Anna Mahler oder Paul Zsolnay. Wer nicht gerade kurte, schrieb Postkarten (im Bild). Oder applaudierte den Skispringern auf der benachbarten Liechtensteinschanze, wie die Tages-Post in Thomas Hofmanns jüngstem Band aus der Edition Winkler-Hermaden, „Es geschah im Industrieviertel“, berichtet (zum Preis von 19,90 Euro zu bestellen unter: www.edition-wh.at).  |  Thomas Hofmann

Es war einmal … nein, nicht im Märchen. In Niederösterreich. Genauer: im Industrieviertel. Dort, wo „nichts gemeinsam“, aber „für jeden genug“ ist, wie NÖN-Kulturchef Thomas Jorda schon im Vorwort schreibt. Und dort, wo ganz viel passiert ist. Hochzeiten und Selbstmorde, Unwetter und Unglücke, Wettflüge und Aufmärsche. Also: „Neuigkeiten“ aller Art, vor 99, 107, 181 Jahren.

„Neuigkeiten und Bilder von damals“: Hauptplatz …  |  Thomas Hofmann

Die hat Thomas Hofmann, Geologe und gebürtiger Weinviertler, für seinen fünften Viertels-Band in der Edition Winkler-Hermaden ausgegraben, zusammengetragen und mit liebevoll ausgesuchten Fotos aufbereitet. Da fuhr „Seine Majestät“ (Franz Joseph) mit dem kaiserlichen Kraftwagen aufs Wiener Neustädter Flugfeld, um mit Flugpionier Alfred Warchalowski zu plaudern. Da vermählte sich, ein Jahr später, der künftige letzte Kaiser von Österreich im Schwar zauer Schloss am Steinfelde.

… und Heimwehr in Wiener Neustadt (1928) …  |  Stadtarchiv Wiener Neustadt

Da marschierte – einen furchtbaren Krieg später – aber auch die Heimwehr im „Gau Wiener Neustadt“ auf. Da wurde gestohlen und gestreikt, da explodierte eine Munitionsfabrik (in Wöllersdorf) und ein Braunkohlestollen (in Hart), da bebte die Erde und tobte eine Windhose, da brannte eine Pechhütte und stürzte ein Luftfahrzeug ab.

… und Strandbad in Baden (1926).  |  Thomas Hofmann

Da erholte sich aber auch, ein halbes Jahrhundert früher, ein Komponist (Beethoven) in einer Kurstadt (Baden), da öffnete ein Kurbad (Vöslau) seine Tore (und verlangte 30 Kronen für ein Wannenbad, 15 für ein Vollbad und 36 für eine „Schwimmlection“) und schwebte eine Seilbahn auf die Rax. Da feierte man Leopoldi und Maria-Ellend, weihte eine ganz besondere Schule (die von Berndorf) ein und betrauerte einen Autobusunfall (an der Hohen Wand).

124 Seiten hat die Reise ins Industrieviertel, die letzte in der 2014 begonnenen Reihe der Edition Winkler-Hermaden über die „Neuigkeiten von damals“ aus Niederösterreichs Vierteln. Die nächste, noch druckfrisch, geht ins „Alte Retz“, die übernächste, noch in Planung, nach Amstetten.