Mit dem Paddel Abenteuer erleben. Ein Naturerlebnis der besonderen Art ist das Kajakfahren für die Mitglieder des Kajak Clubs Gars. Sie erkunden nicht nur den Kamp, sondern befahren wilde Gewässer in ganz Europa.

Von Sophie Kronberger und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 21. Mai 2020 (03:54)
Tiefe Schluchten, großes Abenteuer: Die Valbona in Albanien ist einer der Flüsse, der die Herzen der Paddler-Fans höherschlagen lässt.
Kajak Club Gars

„Es ist wie eine Droge, das Kajakfahren“, erzählt Michael Widhalm, seit 2016 Obmann des Kajakvereins Gars am Kamp. „Man wird einfach schnell süchtig.“ Das Gemeinschaftserlebnis, die Natur, das Abenteuer: Widhalm kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

Dieses Jahr feiert der Verein sein 45-jähriges Bestehen. Angefangen hat alles 1975 mit sieben Pfadfindern aus Gars, die ihre selbst gebauten Polyesterkajaks am Kamp austesten wollten. Mittlerweile umfasst die Gruppe aktiver Wildwasser- und Wanderpaddler stolze 117 Mitglieder aus ganz Ostösterreich. Und von selbst gebauten Kajaks ist natürlich schon lange nicht mehr die Rede. Erst im Frühjahr hat man sich zum Jubiläum neue Boote gegönnt. Mit den neuen Wander-, Wildwasser- und Tourenkajaks werden jährlich einige Flusskilometer zurückgelegt. „230 Ausfahrten waren es bei mir 2019 und 2.000 Kilometer sind da schnell mal gepaddelt“, sagt Widhalm, der seit mehr als 20 Jahren beim Club dabei ist.

Ein wichtiger Teil des Vereinslebens sind die Paddeltouren mit dem Kajak in Österreich und den Nachbarländern wie Tschechien und Slowenien. „Man kommt mit dem Kajak an so viele Stellen, wo man zu Fuß oder mit Auto überhaupt niemals hinkommen könnte. Das dadurch entstandene Naturerlebnis lässt sich gar nicht mit dem herkömmlichen Wandern vergleichen“, erzählt Widhalm und ergänzt: „Man entdeckt permanent Neues.“ Eine der eindrucksvollsten Touren für die Vereinsmitglieder war die Befahrung des Vikos-Canyons im nördlichen Griechenland. „Bis zum Talgrund sind es fast 1.000 Höhenmeter“, zeigt sich Widhalm immer noch begeistert.

Wildes Wasser in Niederösterreich

Die gemeinsamen Urlaube sind also ein wichtiges Fixprogramm im Vereinsleben. Und genau das ist natürlich auch den Corona-Ausgangsbeschränkungen zum Opfer gefallen. „Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und haben die Zeit sinnvoll genützt, etwa mit Inventur und Reparaturen an den Kajaks und auch mit Müll einsammeln auf den Flüssen.“ Besonders um „ihren Kamp“ und seine Nebenflüsse kümmern sich die Vereinsmitglieder mit viel Herzblut. Umgestürzte Bäume zu entfernen ist etwas, das immer wieder gemacht gehört, so Widhalm. „Der Sicherheitsaspekt ist wichtig. Wir haben als Verein einfach eine Verantwortung gegenüber dem Kamp, denn auch viele Privatleute kaufen sich Kajaks und sind unterwegs. Da sind wir natürlich ein wichtiger Ansprechpartner und informieren auch über den aktuellen Pegelstand.“

In der Waldviertler Heimat sind die Hausflüsse von entscheidender Bedeutung und werden immer gerne aufs Neue mit dem Paddel erkundet. Und: Ein besonderer Adrenalinschub für Obmann Michael Widhalm und seine Vereinskollegen: die teilweise noch unbefahrenen Steilzonen in Österreich, wie etwa bei der Kleine Ysper, ein Nebenfluss der Donau, oder beim Neuhauserbach im südlichen Niederösterreich. Seit 2016 führt der Verein auch regelmäßige „Schnupperpaddelaktionen“ in Gars durch. Die traditionelle „Sonnwendfahrt“ am Kamp von Plank bis Schönberg ist als Fixpunkt bei den Vereinsmitgliedern und auch bei Gästen beliebt, die da ihre ersten Paddelschläge machen können.

Der Hausfluss des Vereins, der Kamp, wird für Ausflüge natürlich besonders geschätzt.
Cajak Club Gars

Was angehende Paddler mitbringen müssen? „Auf jeden Fall keine Scheu vor dem Wasser. Schwimmen zu können wäre wichtig“, schmunzelt Widhalm. „Gerade am Anfang kippt man schnell einmal mit dem Kajak um. Das ist für die Erwachsenen meistens schlimmer als für die Kinder, die da entspannter an die Sache rangehen“, erzählt der Vereinsobmann. Um die Jugend für den Kajak-Sport zu begeistern, gibt es im Sommer die wöchentlichen Donnerstagstrainings. „Mich freut das immer ganz besonders, wenn zu Beginn des Sommers die Kinder und Jugendlichen schnuppern kommen und dann am Ende des Sommers schon viele Freunde oder gar die Eltern mit ihrer Begeisterung angesteckt haben.“

„Einfach ausprobieren“, lautet Widhalms Devise. „Erst wenn man einmal im Kajak gesessen ist, kann man sagen, ob es einem auch gefällt.“ Der Kajaksport lasse sich aber nicht mit anderen Hobbys vergleichen. „Der Zeitaufwand ist natürlich ein anderer als beispielsweise beim Radfahren. Bei einer Kajak-Tour ist mindestens ein halber Tag weg. Doch je größer der Aufwand, desto größer auch das Erlebnis.“

Kajak Club Gars
http://www.ktv-gars.at/kajak
Aktuelle Infos: https://www.facebook.com/Kajak.Club.Gars

 

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