Thomas Cook Austria geht in Konkurs. Der drittgrößte heimische Reiseveranstalter Thomas Cook Austria AG hat Mittwochnachmittag beim Handelsgericht Wien Insolvenz beantragt. Eine Sanierung scheint unmöglich. "Eine Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt", teilte der Kreditschutzverband AKV Donnerstagfrüh mit. Das gesamte unternehmerische Vermögen solle liquidiert werden.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 26. September 2019 (15:00)
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"Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt"

"Im Hinblick auf die hohen Haftungen für die verbundenen Gesellschaften ist derzeit nicht davon auszugehen, dass eine Sanierung des Unternehmens wirtschaftlich möglich sein wird", hieß es vonseiten der Gläubigerschützer. Das Problem dürfte sein, dass der österreichische Ableger sehr hohe Haftungen und Bürgschaften für verbundene Unternehmen übernommen hat, die in der Konzerngruppe sind, heißt es in Branchenkreisen. Die Österreicher werden voraussichtlich auf diesen Haftungen sitzenbleiben.

In der letzten Bilanz der Thomas Cook Austria AG sind für 2018 laut AKV Verbindlichkeiten in Höhe von 36 Mio. Euro angegeben worden. Zum Aktivvermögen gehörten insbesondere Forderungen gegen verbundene Konzerngesellschaften, denen aber ebenfalls Verbindlichkeiten und Haftungen gegenüberstünden.

Konkursverfahren offiziell eröffnet

Das Konkursverfahren über Thomas Cook Austria wurde am Handelsgericht Wien offiziell eröffnet. Das teilten die Gläubigerschutzverbände AKV und Creditreform mit. Sanierungsplanantrag wurde demnach keiner gestellt. Betroffen sind 60 Arbeitnehmer. Dazu kommen laut Antrag 10.000 Gläubiger, der AKV schätzte gegenüber der APA, dass es rund 15.000 werden könnten.

Die Aktiva liegen bei 41 Mio. Euro, die Passiva laut Gläubigerliste bei 33 Mio. Euro. Masseverwalter ist Günther Hödl. Die Anmeldefrist für Gläubiger endet am 2. Dezember. Die erste Tagsatzung findet am 16. Dezember statt.

Betrachtet man den Schaden, den die Thomas-Cook-Pleite bisher bei österreichischen Hotels hervorruft, so sind die Zahlen noch nicht endgültig vorhanden. Der Gesamtschaden ist offen. Laut Tourismusobfrau in der Wirtschaftskammer, Petra Nocker-Schwarzenbacher, liegt dieser aber pro betroffenem Hotel bei 10.000 bis 70.000 Euro, sagte sie zu "Ö1". Es könnte auch einzelne, weit höhere Summen geben.

Der Konkurs der österreichischen Thomas Cook Austria AG wird auf die Pleite der britischen Konzernmutter Thomas Cook Group plc und den daraus resultierenden Problemen für die Tochtergesellschaften zurückgeführt. Die heimische Thomas Cook ist eine 100-Prozent-Tochter der deutschen Thomas Cook Touristik GmbH mit Sitz in Oberursel, die am Mittwoch ebenfalls Konkurs beantragt hat, dabei jedoch eine Sanierung und somit Fortführung des Unternehmens anstrebt.

30 Prozent der rund 1.500 heimischen Spitzenhotels, vornehmlich aus der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie, haben Verträge mit dem pleitegegangenen Reiseveranstalter Thomas Cook und verbundenen Firmen wie beispielsweise Neckermann. Sie rechnen mit Schäden bis in den sechsstelligen Eurobereich, wie die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) auf Basis einer aktuellen Umfrage am Donnerstag mitteilte.

Bei mehr als drei Viertel dieser 30 Prozent - rund 350 Häusern - ist die Sorge demnach besonders groß. Denn sie haben auch für den kommenden Winter im Vertrieb auf Thomas Cook gesetzt. Der noch einzusetzende Masseverwalter müsse rasch klarstellen, dass die Hoteliers über diese Kontingente frei verfügen können, so die Interessenvertretung.

"Wir müssen verhindern, dass gute Betriebe ins Straucheln kommen, weil ein anderer schlecht gewirtschaftet hat. Es kann nicht sein, dass diese Betten im Winter leerstehen oder die Hotels kein Geld dafür sehen", warnt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer vor weniger Umsatz und damit weniger Mitarbeitern in den Hotels. "Da geht es um viele Arbeitsplätze."

Condor wird saniert

Der deutsche Ferienflieger Condor kann indes nach der Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook in einem Schutzschirmverfahren saniert werden. Der Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt dazu liege vor, erklärte ein Condor-Sprecher am Donnerstag. Zum Sachwalter werde Lucas Flöther berufen.

Flöther hatte vor zwei Jahren die Insolvenz von Air Berlin gemanagt. Nicht bestätigen wollte Condor Aussagen eines Insiders, dass Chef-Sanierer außerdem Detlef Specovius aus der Insolvenzverwalterkanzlei Schultze & Braun wird. Die "WirtschaftsWoche" hatte vorher über die Personalien berichtet. Das Gericht war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Voraussetzung für diese Variante des Insolvenzverfahrens ist, dass ein Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist und als sanierbar gilt. Die deutsche Regierung hatte am Dienstagabend einen Massekredit über 380 Mio. Euro beschlossen, der Condor finanziell über den Winter helfen soll.