Das Geheimnis der Schatzinsel . Wild, schön und stolz: Korsika ist und bleibt einzigartig – ein unglaublich vielfältiges Wunderwerk der Natur.

Von Udo Sagl. Erstellt am 24. Juli 2019 (03:30)

300 Ziegen und ein Bauer: Jean-Christophe Savelli liebt sein neues Leben. Früher jagte er im städtischen Trubel als ruheloser Bankmanager dem Geld nach. Bis er, wie er sagt, frische Luft brauchte. Jetzt hat er in Argentella im weitläufigen Hinterland von Korsika sein Glück gefunden.

„Wo könnte ich mich wohler fühlen? Hier bin ich frei wie der Wind.“ Sichtlich stolz zeigt der lächelnde Farmer auf die prachtvolle Naturkulisse seines abgelegenen Anwesens.

Ja, Korsika ist einzigartig. Eine Insel wie keine andere. Eigenwillig und ursprünglich. Wild und schön. Herrlich grün und ziemlich einsam. Mit einer traumhaften Bergwelt rund um den 2.706 Meter hohen Monte Cinto. Mit lieblichen Tälern und tiefen Schluchten, in denen ungezähmte Flüsse rauschen. Mit dichten Kastanien- und Kiefernwäldern, gesäumt von duftend blühender Macchia.

„Der Garten von Korsika“: Ein Ausflug ins Mittelalter

Besonders reizvoll präsentiert sich die Landschaftsvielfalt im Nordwesten der Insel, in der zauberhaften Balagne, die den treffenden Beinamen „Garten Korsikas“ trägt. Hoch über dem Meer reiht sich auf fruchtbaren Hügeln ein uriges Bergdorf an das andere. Die Orte wirken allesamt wie große mittelalterliche Burganlagen, von hübschen Barockkirchen geschmückt.

Lumio, Zilia, Montemaggiore, Pigna – und wie die kleinen Weiler alle heißen – laden zu einem entspannten Bummel ein und bieten einen tollen Blick auf die Küste. Dort liegt Calvi, die beschauliche Hauptstadt der Balagne mit ihrer mächtigen Zitadelle, die an die Herrschaft der Genuesen erinnert. Die alte Festung thront über einer sichelförmigen Sandbucht, deren kilometerlanger Badestrand sich vor allem bei Familien großer Beliebtheit erfreut.

Calvi ist außerdem ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungstouren. Das von österreichischen Eigentümern geführte Feriendorf „Zum Störrischen Esel“ bietet professionell organisierte Wanderungen und Bergbesteigungen aller Schwierigkeitsgrade an.

„Naturliebhaber schätzen Korsika als schönste Insel im Mittelmeer. Wer einmal hier war, der kommt immer wieder. Ich auch“, schwärmt Gästebetreuer Wolfgang Auer. Er stammt aus Stockerau und kennt als langjähriger Tourenführer die attraktivsten Wanderziele seiner zweiten Heimat.

Von der Roten Insel hinauf zum aussichtsreichen Adlerhorst

Sehr genussvoll ist etwa die Umrundung des Gipfels Punta di u Pratu, die in der kleinen Ortschaft Calenzana startet – einem Zugangspunkt der berühmten Weitwanderwege GR 20 und Tra Mare e Monti Nord.

Ein ähnlich grandioses Panorama findet man beim lohnenden Aufstieg vom geschäftigen Hafenstädtchen Ile Rousse („Rote Insel“) hinauf zum anmutigen Bergdorf Sant’Antonino, das einem Adlerhorst gleicht: 75 Granitsteinhäuser stehen auf der Spitze einer Kuppe. Sant’Antonino gilt als eines der attraktivsten Dörfer Frankreichs.

Filmreife Kulissen findet man speziell auch im Westen – nicht zuletzt die bizarren Calanche-Felsen, wo Szenen für „Die Schatzinsel“ gedreht wurden. Große Teile der imposanten Steilküste, die in der Region Porto von paradiesischen Buchten geprägt wird, stehen unter Schutz. Wie überhaupt der Bau von Hotelburgen als tabu gilt. Denn die Einheimischen behüten die Natur der Schatzinsel wie einen Schatz. Das ist das ganze Geheimnis, warum Korsika so wunderschön ist ...