Benötigt man eine Zusatzversicherung im EU-Ausland?

Im Sommer an die Adria und im Winter in die französischen Alpen – es wird gern verreist. Der Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres werden. Allerdings enden die Ferien manchmal auch im Wartezimmer beim Arzt oder sogar im Krankenhaus.

Erstellt am 29. November 2021 | 00:07
Lesezeit: 3 Min
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Foto: pixabay.com

Neben der Sorge um die eigene Gesundheit legt sich die Stirn Betroffener noch aus einem anderen Grund in tiefe Falten: Wer soll die Behandlung bezahlen. Kommt für die Kosten die gesetzliche Krankenversicherung auf? Oder braucht es einen zusätzlichen Schutz, der die Messlatte ganz hochlegt – und somit z.B. einer (Privaten) Krankenversicherung in Deutschland gleichwertig ist?

Krank im Ausland: Große Unterschiede bei der Absicherung

Grundsätzlich ist das Thema Behandlung im Ausland ein heißes Eisen – für alle, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind. Hintergrund: Rein „formaljuristisch“ betrachtet, endet die Kostenübernahmen aus der GKV an der Landesgrenze. Hierfür sind die Bestimmungen des Sozialgesetzbuches 5. Buch verantwortlich. Aber: Innerhalb der EU gelten an diesem Punkt Sonderregeln.

Alle Mitglieder der Europäischen Union haben sich darauf verständigt, dass Versicherte aus den gesetzlichen Versicherungssystemen behandelt werden – auf dem Niveau des jeweiligen Aufenthaltslandes. Diese sperrige Formulierung bedeutet: Jeder gesetzlich versicherte EU-Bürger kann sich in einem EU Land behandeln lassen. Möglich macht es die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC). Diese wird beim Arzt oder im Krankenhaus vorgezeigt. Vor der Behandlung muss meist noch ein Formular ausgefüllt werden, welches die Kostenübernahme durch die Absicherungssysteme im Ausland regelt.

Das Problem: Es wird nicht auf dem Niveau der deutschen GKV behandelt. Anspruch besteht nur auf die Kostenübernahme im Aufenthaltsland. Und hier fangen die Probleme meistens an. Es gibt durchaus große Unterschiede, wie weit die Kostenübernahmen jeweils gehen. Selbstbehalte, die im Ausland zu zahlen sind, werden nicht etwa durch die GKV in Deutschland erstattet. Wer sich in Österreich über die Weihnachtsfeiertage aufhält und ins Krankenhaus muss, wird strikt nach den geltenden Vorschriften behandelt.

Deutlich bessere Situation in der PKV

Von einer wesentlich besseren Ausgangslage können Versicherte der PKV ausgehen. Hier ist der Umfang an Leistungen immer an die jeweiligen Tarif- und Vertragsbedingungen gebunden. Allgemein dehnen die Versicherer die Kostenübernahme auf einen weltweiten Schutz aus. Dieser gilt allerdings nur zeitlich begrenzt – über einige Wochen. Für den Urlaub sollte dieser Zeitraum aber sicher reichen.

Für Aufenthalte in der EU sind die Rahmenbedingungen in der Privaten Krankenversicherung meist noch einmal günstiger. Der Grund: Hier setzt sich der Versicherungsschutz im Regelfall auch zeitlich unbefristet in vollem Umfang fort. Der PKV Verband weist darauf hin, dass der Versicherungsschutz sogar beim Umzug ins EU Ausland greift – und zwar mit allen versicherten Leistungen. Insofern ist die Versorgung bei einem Aufenthalt in der EU auf dem gleichen Niveau wie zu Hause möglich.

Zusatzversicherung bei Kassenpatienten sinnvoll

Das Thema Zusatzversicherung beim Urlaub im EU Ausland hat sich für Privatversicherte recht schnell erledigt. Anders sieht die Situation natürlich für einen Kassenpatienten aus. Hier ist – aufgrund der Unterschiede in der Gesundheitsversorgung – eine Zusatzversicherung auf jeden Fall in Erwägung zu ziehen.

Angeboten werden diese beispielsweise als Reiseversicherung mit einem zeitlich begrenzten Schutz. Durch solche Versicherungen kann ein Leistungsumfang aufgebaut werden, welcher die Übernahme von Behandlungskosten auf einem sehr hohen Niveau ermöglicht. In die Entscheidung für einen solchen Tarif sollte auf jeden Fall einfließen, dass Leistungen auf dem Niveau einer Privatversorgung abgedeckt sind.

Ein zweiter wichtiger Aspekt betrifft den medizinisch notwendigen Rücktransport. Hier entsteht ein Kostenrisiko von mehreren tausend Euro. Ohne eine entsprechende Absicherung bleiben Patienten im schlimmsten Fall auf diesen Kosten sitzen. Als Kassenpatient nicht vorzusorgen ist von diesem Blickwinkel aus betrachtet grob fahrlässig.

Fazit: Zusatzversicherung eine Frage des bestehenden Schutzes

Ob für einen Aufenthalt im EU Ausland eine zusätzliche Absicherung sinnvoll ist, hängt in erster Linie von den persönlichen Rahmenbedingungen ab. Gerade im Hinblick auf die gesetzliche Krankenversicherung ist dieser Schritt durchaus anzuraten, da sich hier der Schutz immer auf dem Niveau das jeweiligen Aufenthaltslandes bewegt.

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