Dirndl. Tradition goes Fashion. Als „fashion piece“ wurde das Dirndl immer weiter entwickelt. Ein echtes Faszinosum, denn es schafft, mit den wechselnden Modetrends Schritt zu halten und doch die Grundform mit ihren Trachtenelementen zu bewahren. Es ist Mode und gleichzeitig zeitlos.

Erstellt am 23. August 2021 (00:01) – Anzeige
Dirndl Ausstellung
Maritsch

International steht das Dirndl für Österreich, der Kimono für Japan und der Kilt für Schottland und ist damit ein zwar stereotypes, aber positiv besetztes Klischee, mit einer starken Werbebotschaft, die für die Tourismus- und Bekleidungsbranche und sogar die Nahrungsmittelindustrie hervorragend funktioniert. Urlaub in Österreich ist nun Mal am schönsten im Dirndl – und jede Frau ist „fesch“, wenn sie eines trägt.

Dirndl Ausstellung
zVg

„Würde jede Frau ein Dirndl tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr auf der Welt“ hat es bereits Vivienne Westwood auf den Punkt gebracht.

Das Dirndl ist eine „invention of traditon“, das heißt eine Erfindung aus der Tradition heraus. Ursprünglich war das Dirndl ein praktisches Arbeitsgewand für Mägde oder Dirnen (daher der Name „Dirndl“) im Sommer, doch als um 1900 Städterinnen in der Sommerfrische begannen es als modisches Kleid zu tragen, startete die steile Karriere des Dirndls: Es wurde zu einem beliebten Kleidungsstück für Frauen jeden Alters und Standes und hat es sogar geschafft, das jahrhundertelange Kleiderdiktat des Adels aufzubrechen.

Dirndl Ausstellung
OÖ Landeskultur GmbH

Diese gesellschaftspolitische Dimension des Dirndls war aber nicht nur eine modische Liberalisierung. Besonders im Nationalsozialismus wurde es als „deutsches Kleid“ vereinnahmt und auch in jüngster Zeit stellt sich immer wieder die Frage danach, wie das Dirndl in ein modernes Österreich passt. Es ist und bleibt „more than a dress“.

Die Beliebtheit des Dirndls hat es zu einem Wirtschaftsfaktor werden lassen: Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer ganzen Welle von Firmengründungen in Österreich, die sich auf Dirndl und Trachten spezialisiert haben und damit begannen, den Austrian Look auch zu exportieren. Bis in die 1990er Jahre wurden zwei Drittel aller Umsätze auf dem Sektor Bekleidung im Bereich „Tracht & Country“ gemacht. Davon wurden 80% in die Staaten der Europäischen Union, nach Asien und in die USA und Kanada exportiert.

Bestandteile_Dirndl
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Die wechselvolle Geschichte des Dirndls hat aber auch politische Komponenten. Das Berchtesgadener Jäckchen war Vorbild für die Uniform des „Bundes deutscher Mädel“ der Nationalsozialisten, die grundsätzlich auf traditionelle Formen des Dirndls zurückgriffen, denn die modischen Interpretationen des Dirndls in den 1920er und 1930er Jahre waren ihnen ein Dorn im Auge. Sie vereinnahmten es entsprechend ihrer Ideologie für eine gemeinschaftsbildende Bekleidung. Dafür wurden von Volkskundlern historischen Trachten nach regionalspezifischen Kennzeichen untersucht und auf kleinräumige Territorien klassifiziert, fixiert und verortet.

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An der Weiterentwicklung des Dirndls waren immer schon Trendsetter beteiligt: Die Dirndl, die von Marlene Dietrich und Lotte Lehmann rund um die Salzburger Festspiele getragen wurden, wurden sehr gerne nachgemacht. Sogar das Dirndljäckchen machte Karriere als modisches Kleidungsstück: In Frankreich machte Kaiserin Eugénie schon Mitte des 19. Jahrhunderts die „Casque Anglaise“ bekannt, eine gestrickte Jacke, die dem Berchtesgadener Jäckchen sehr ähnlich war, bis schließlich in den 1920er Jahren durch Coco Chanel die Strick- und Wirkware die Welt eroberte.

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Susanne Bisovsky hat sich bereits in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Be tracht ung“ der Erforschung von Kleidertraditionen zugewandt und schöpft für ihre Dirndl Kreationen aus einem fast 1000 Stück umfassenden Fundus wichtiger Versatzstücke der österreichischen und mitteleuropäischen Gewandgeschichte.

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Das Label „Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood“ gibt es seit dem Jahr 2016. Das Designerduo und Ehepaar entwirft die Dirndl dresses gemeinsam – eine Fusion aus Punk und Tracht. Die ausgestellten Dirndl sind zwischen 2017-2018 und in den Folgejahren in Kooperation mit Tostmann Trachten, Seewalchen entstanden.

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Auch Lola Paltinger beschäftigte sich seit ihrer Diplomarbeit mit Variationen zur Traditions-Mode besonders der Oktoberfest- und Wiesndirndl in München. Ihre Dirndl bestechen durch effektvolle Kombinationen von Altem mit Neuem und Klassischem und zeigen ihre Prägung durch Vivienne Westwood in London.

Dirndlkleid_Blaudruck
Eines von zehn von Susanne Bisovsky nach historischen Vorlagen geschneidertes Modell aus Blaudruck. Diese zeigen die Entwicklung des Dirndlkleides von den 1830er Jahren bis zur Gegenwart.
OÖ Landes-Kultur GmbH, Michael Maritsch

Das Dirndl ist in seiner Form weiblich und kleidsam. Es kann sexy und sittsam, vornehm und alltäglich sein. Es passt sowohl zum Heurigen als auch auf die Hochzeit. Eine Eigenschaft, die es auch für internationale Designer:innen spannend macht und immer wieder zu kreativen Interpretationen führt.

In der Ausstellung sind neben den Kreationen von Susanne Bisovsky und Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, Modelle von namhaften Dirndl-Produzenten Österreichs und Bayerns sowie historische Dirndl aus der Sammlung des Oö. Landesmuseums zu sehen.