Seit 70 Jahren Helden der Piste. Erstmals feierte eine Skischule in Niederösterreich in der bereits dritten Generation in einer Familie ihr 70-jähriges Bestehen. 1950 legte Julius Seiser den Grundstein für das Erfolgsunternehmen in Mönichkirchen am Wechsel – der Erfolg hält bis heute an.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 11. Dezember 2019 (03:52)

„Mit jeder Fahrt wird man besser und sicherer! Urcool macht ihr das!“ Umringt von rund 25 Kindern steht Barbara Pflug auf der Kinderskiwiese in Mönichkirchen – und ruft ihren Schützlingen immer wieder motivierende Sätze wie diese zu. Derweil versuchen diese, auf zwei Brettern ins Ziel zu gelangen. Was ihnen offensichtlich gut gelingt. „Da hab’ ich ja gar keinen Job mehr, wenn ihr das so gut macht“, lobt die Skilehrerin ein Mädchen, das gerade erfolgreich im Ziel ankommt. Während Barbara das Treiben des Skinachwuchses aufmerksam beobachtet, steht ihr Vater Andi am Rande der Piste – und schaufelt Schnee.

Auch dem erstmaligen Besucher wird ganz schnell klar: Hier hilft die ganze Familie zusammen! Denn obwohl Andi Seiser die Geschäftsleitung vor zwei Jahren an seine Tochter Barbara abgab – er und seine Frau Lizzi sind aus dem Betrieb nicht wegzudenken. Und auch sonst sind alle an Bord: Die Geschwister, die Schwiegersöhne und -töchter, die Enkelkinder. Sie alle bilden die Skischule Seiser – und die hat eine lange Tradition.

„Manche Großmütter, die einst bei uns gelernt haben, bringen heute ihr Enkelkind zu uns!“ Andi Seiser, Skischul-Leiter in Mönichkirchen bis 2017

Den Grundstein für die Skischule, die nun seit sieben Jahrzehnten besteht und damit die einzige in ganz Niederösterreich ist, die stets im Familienverbund geführt wurde, legte einst Julius Seiser. Als er 1948 die staatliche Skilehrerausbildung ablegte, war er damit einer der ersten im Bundesland. Im Jahr 1950 gründete er gemeinsam mit Gattin Karoline die Skischule – in der auch der ein oder andere bekannte Österreicher das Fahren auf zwei Brettern erlernte. Etwa die österreichische Sängerin und Schauspielerin Marika Lichter. „Sie hat hier an Skikursen teilgenommen und lebte damals mit ihrer Familie im Wohngasthaus Lang“, weiß Barbara Pflug. Anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums erhielten die Seisers sogar ein Gratulationsschreiben von Lichter – in dem diese ihre Erinnerungen an die Zeit in Mönichkirchen aufschrieb.

Unter Sohn Andi Seiser, der 1975 die Geschäfte von seinem Vater übernahm, entwickelte sich der Betrieb zu einer der führendsten Kinderskischulen im Land. Gemeinsam mit seiner Frau Lizzi produzierte er in den Siebzigern sogar einen Kinderskilehrfilm unter dem Titel „Kind und Ski – Was und Wie“. Nicht nur, dass die Produktion als verpflichtendes Lehrvideo während der Skilehrer-Ausbildung eingeführt wurde – 1975 strahlte es sogar der ORF am Heiligen Abend aus. Abseits seiner Tätigkeit als Lehrer war Andi Seiser auch selbst als Skirennläufer aktiv. Seine damaligen Teamkollegen: Erik Schinegger, Traude Hecher oder Reinhold Tritscher.

Bis heute ist Andi Seiser noch als Skilehrer aktiv – ob sich in seinen Augen etwas am Unterricht auf der Piste geändert hat? „Das Alter hat sich sicher entscheidend verändert. Haben die Kinder früher oft erst mit zehn Jahren das Ski fahren erlernt, sind sie heute drei oder vier Jahre alt“, meint er.

"Und der Kern des Unternehmens ist die Familie"

Die Begeisterung an sich sei aber ungebrochen, ist er überzeugt: „Wir haben Großmütter, die einst bei uns gelernt haben – und heute ihr Enkelkind auch zu uns bringen“, weiß Seiser. Zu schätzen würden die Gäste nicht nur das Angebot wissen – „auch das familiäre Gefühl, das hier herrscht – man kennt jeden, und der Kern des Unternehmens ist die Familie“, ergänzt Barbara Pflug.

Sie selbst machte übrigens bereits im Alter von zwei Jahren ihre ersten Versuche auf der Piste – natürlich in der Schule ihrer Eltern. Zwischen sieben und 18 Jahren erzielte sie dann zahlreiche Erfolge als Skirennläuferin im Schüler- und Jugendlandeskader, ehe sie mit dem Österreichischen Studentenkader quer durch Europa reiste. Seit 1988 leitet sie mit ihrem Mann Dieter Pflug – einem ehemaligen ÖSV-C-Kader-Läufer – die Wintersportschule in St. Corona am Wechsel, vor zwei Jahren übernahm sie auch in Mönichkirchen das Ruder. Um den Nachwuchs müssen sich die Seisers übrigens keine Gedanken machen: Alle vier Enkelkinder Florian, Fabian, Lissa und Bianca sind bereits als Ski- und Snowboard-Lehrer im Familienbetrieb tätig.

Neben dem Wintersportgeschäft schufen die Seisers vor zwei Jahren dann auch Attraktionen für den Sommer: Ein E-Bike-Verleih, Reifenrutschen, eine Wasserrutsche und vieles mehr locken seitdem auch Gäste im Sommer an.

Zurück auf der Skipiste geht das Vergnügen übrigens dem Ende zu. Die letzten Schwünge sind gemacht, die Eltern, die am Pistenrand stehen, spenden ihren Kids Applaus. „Wer möchte, kann noch rodeln gehen – oder rein, sich ein bisschen stärken“, ruft Barbara Pflug ins Mikrofon. Und fügt hinzu: „Ihr habt das heute super gemacht. Und ich freue mich schon auf morgen, auf unseren nächsten Skikurstag ...“