Im Tal der Freigeister – entlang der Piesting. Rauch steigt auf über dem Tal der Köhler, goldene Tropfen rinnen von den Bäumen und geheime Gänge eröffnen sich unter prächtigen Herrenhäusern.

Von Redaktion NÖN.at. Erstellt am 21. April 2021 (11:28)

Das Piestingtal im südlichen Niederösterreich ist eine Gegend voller Mythen und Sagen. Schon Schauspieler und Dramatiker Ferdinand Raimund hat viele Gedichte über das Tal geschrieben.

Urbane Kulinarik auf der Schutzhütte

Den schönsten Blick über das Piestingtal haben die "jungen Wilden", wie die Leute im Tal zu den Wirtsleuten Lisa Hoyer, Stefanie Rysavi und Simon Reiter von der Enzianhütte, sagen. Seit drei Jahren verantworten sie die Speisekarte der Schutzhütte auf 1.107 Meter.

"Manchmal sind die Leute etwas skeptisch, aber Bergsteiger trauen sich eh was.", sagt Lisa über ihre wilden Kreationen, wie zum Beispiel Erdbeer-Thymian-Saft, Birnen-Oregano-Kuchen und Frischkäse-Gartenkräuter-Bällchen mit rotem Pfeffer.

Die verlorengegangenen Berufe des Waldes

Große Teile des Tals bestehen aus den harzreichen Schwarzföhren. Daher gibt es hier den letzten hauptberuflichen Pecher Österreichs, Robert Rendl. Gelernt hat Robert einst von einem alten Pecher, der ihm das Handwerk zeigte.

Täglich ist er mit seinem Werkzeug nun im Wald unterwegs. Bis in die 70er Jahre hat im Piestingtal jeder gepecht, doch mit der Einführung des billigen Kunstharzes ist der Beruf verschwunden – wie viele alte Waldberufe. Dazu zählen auch die Köhler, einer der letzten vier in Österreich ist Peter Wieser. Er baut noch selbst Langmeiler mit insgesamt 13 Meter Länge und 3 Meter Höhe. Nach einer Woche beginnt das Ausschaufeln. Peter schaufelt dann bis zu 1.000 Kilogramm Grillkohle wöchentlich aus seinem Meiler.

Der Weinkeller dem Himmel so nah

Josef Bock und sein Noriker-Hengst Bubi beherrschen noch das jahrhundertealte Handwerk des Holzrückens. Sobald Josef im Wald Schäden entdeckt, zieht der 700 Kilo Hengst die Stämme aus dem Wald. "Ein Traktor hätte bei dem engen Bestand keine Chance und ein Pferd ist viel bodenschonender", so der Waldbauer.

Baumeister Friedrich Gruber beschäftigt sich hingegen nicht mit Holz, sondern mit Stein. Aus Ruinen und alten Gebäuden baut er Ziegel ab, reinigt sie und macht daraus pompöse Weinkeller. Unter seinem eigenen Haus steht ein Prachtexemplar mit langen, verwinkelten Gängen, versteckten Türöffnern und Geheimgängen. Seit 1984 baut der gebürtige Piestingtaler Weinkeller, seine Ideen hat er teilweise aus James-Bond-Filmen. Sein höchster Arbeitsplatz bislang: Ein Penthouse im 30. Stock eines Gebäudes mitten in Miami.

Über 400 Beine und das ein oder andere Licht

In einem abgelegenen Seitental ohne Handyempfang leben der Wiener Restaurator Gottfried Kellner und die Tiroler Lampenmacherin Brigitta Kellner. Gottfried ist Thonet-Liebhaber und einer der wenigen, der noch die alte Flechttechnik beherrscht. Bis zu acht Stunden dauert es das Thonet-Design nachzuflechten. Jeder Sessel ist ein Kunstwerk, jedes Detail muss Original sein. Auf seinem Dachboden hat er als Ersatzteillager hunderte Thonet-Sessel lagernd. "Immer wenn ich einen Thonet-Sessel sehe, muss ich ihn kaufen.", so Gottfried. Seine Frau Brigitta versteht seine Sammelleidenschaft, denn auch ihre Werkstatt gleicht einem Flohmarkt. Hunderte Lampenschirme, Stoffe und Gegenstände, die vielleicht einmal zu Lampen werden können, stapeln sich in ihren Räumen.

"Heimatleuchten: Im Tal der Freigeister – Entlang der Piesting", am Fr., 21.05., ab 20:15 Uhr auf ServusTV