Kufen und Kurven: Vom Laufen am Eis. Ob am See, in der Halle oder am Parkplatz: Wenn es kalt genug ist, gibt es in Niederösterreich gleich 35 „offizielle“ Plätze zum Eislaufen. Und die eignen sich zum Flitzen ebenso wie zum Tanzen. Und zum gemütlichen Gleiten sowieso.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 30. Januar 2019 (03:06)
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Symbolbild

„Und: Los!“ Langsam schiebt sich der kleine, bunte Pinguin übers Eis. Ein paar Meter weiter spielen sechs Eishockeyschuhe nachlaufen, während zwei Pudelmützen an der Bande tratschen. Und ein Paar türkisblaue Hosenbeine die nächste Pirouette probieren.

„Das ist einfach ein schöner Sport!“ Meint Alfred Marbach. „Auch wenn wir die Rabauken einbremsen müssen …“, lacht Erich Filzwieser. Und mahnt die Eishockeyschuhe zur Ordnung. Seit 15 Jahren ist Erich Filzwieser Eismeister. Und noch viel länger ist Alfred Marbach Kursleiter.

„Fahren kann man überall. Auf einem offenen Platz hat man halt noch die frische Luft dazu …“ Alfred Marbach 

35 Kinder unterrichtet er in seinem jüngsten Winterkurs („der läuft seit Jänner und bis März“). Und ist darauf mächtig stolz. „Das hat mich selber gefreut!“ Normalerweise hat der St. Pöltner Eiskunstlaufverein 15, vielleicht 20 Kinder pro Kurs. Heuer hat er sogar zwölf Kinder extra in der Neigungsgruppe Eislaufen. Die sollten zumindest fünf sein. „Und sollten schon laufen können“, sagt Alfred Marbach. Die anderen, die es gerade erst lernen („wir haben auch Pinguine zum Anhalten, am Anfang – aber die sind den Kindern schnell fad“), können auch mit 3,5 Jahren schon anfangen. „Wichtig“, sagt der Vereinsobmann, der auch Präsident von Niederösterreichs landesweitem Eiskunstlaufverband ist, „sind Haube oder Stirnband, Fäustlinge und die passenden Schuhe.“

Aus Leder sollen die sein, „da ist der Kontakt vom Fuß zum Eis besser“, außerdem seien bei den meisten Plastikschuhen „die Eisen“ nicht gut. Und: Sie haben keine Zacken. „Bei uns wird der Schuh angepasst – und für die gesamte Kurszeit, also rund drei Monate, ausgeborgt.“ Ein Zentimeter soll vor den Zehen noch Platz sein und die Schnürung fest gebunden. Und dann? Geht’s los. In der St. Pöltner Eishalle, wo der Eislaufverein (Alfred Marbach: „Ich bin elf Monate am Eis“) immer am Mittwochabend läuft. Oder auf der Wiener Neustädter Kunsteisbahn, wo man schon seit 47 Jahren läuft und sogar eine Olympiasiegerin (Sissy Schwarz-Bollenberger) als Präsidentin hat. Oder im Traiskirchner Freizeitzentrum. Oder auf der Mödlinger Kunsteisbahn, die vor 91 (!) Jahren das erste Mal ihre Tore geöffnet hat. Oder am Melker Eislaufplatz – wo wie auf den anderen vier Plätzen und Bahnen eines von insgesamt fünf Mitgliedern von NÖs Eiskunstlaufverband zuhause ist.

 

Wobei: Gelaufen wird noch in und auf viel mehr Hallen, Bahnen und Plätzen. Zum Beispiel: dem Lunzer See. Der wird „offiziell“ zwar nicht freigegeben zum Eislaufen („das passiert immer auf eigene Gefahr“). Aber der ist jetzt endlich „zur Gänze durchgefroren“. Und „begehbar“. Sagt Hannes Hager. Der Mitarbeiter am Lunzer Wassercluster und in der Lunzer Wetterstation geht täglich hinaus und misst das Eis. „Ich hab’“, sagt er vergangenen Freitag, „heute erst gemessen. Das Kerneis ist zwischen neun und elf Zentimeter dick.“ Darüber sei noch eine drei bis vier Zentimeter dicke Schicht „Flaumschnee“. Und das Eis darunter stellenweise „sehr rumpelig“.

Rumpelig soll es auf dem kleinen Kunsteislaufplatz hinter dem Herzogenburger Stift nicht sein. Dafür sorgt Erich Filzwieser. Gemeinsam mit Gottfried Eder „macht“ er das Eis, fahrt mit der Eismaschine („das hab’ ich erst lernen müssen“), befreit die Fläche vom Schnee, kümmert sich auch mal um die Kassa oder um Schuhe, die ausgeborgt werden wollen, und „bremst die Rabauken ein“. Was für das Eis am gefährlichsten ist? „Wenn der warme Wind kommt, der Fön“ oder „wenn es regnet“. Das Problem hat man in der Eishalle nicht. Dafür nicht erst seit heuer ein akutes Platzproblem. „St. Pölten“, sagt Alfred Marbach mit tiefer Überzeugung, „würde eine zweite Eishalle vertragen, vor allem für den Publikumslauf“ …