Ein Dorf im Weinviertel wie damals. Seit mittlerweile 40 Jahren steht, besser: wächst mitten im Weinviertel ein Dorf. Und das schaut nicht nur aus wie damals. Das funktioniert auch wie damals – auch wenn außen „Museum“ draufsteht.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Mai 2019 (02:09)

Am Anfang war… nein, kein Wort. Auch kein Dorf. Sondern ein Bauernbub. Josef „Pepi“ Geissler hieß der. Stammte aus dem Weinviertler Bauerndorf Niedersulz. Und sollte später noch Professor werden.

„Er hat begonnen zu sammeln“, erzählt Veronika Plöckinger-Walenta. Was er sammelte, stellte er in einem kleinen Heimatmuseum in der früheren Dorfvolksschule aus. Als die zu klein wurde, suchte man, gemeinsam mit Niederösterreichs damaligem Landeshauptmann, Andreas Maurer, ein Grundstück. Am Sulzbach. In Niedersulz. „Dort war nichts, dort war Wiese.“ Und dort sammelte Pepi Geissler weiter – aber längst nicht nur Geräte, Werkzeuge, Herrgottswinkel-Kreuze. Sondern: ganze Häuser.

„Auch ich als Wissenschaftlerin bin nicht gefeit gegen den Charme dieses alten Dorfes!“ Veronika Plöckinger-Walenta, wissenschaftliche Leiterin des Museumsdorfes Niedersulz

40 Jahre später stehen am Sulzbach, wo erst ein Stadl, dann ein Streckhof aus Bad Pirawarth und ein Querchhof aus Waidendorf das heutige Museumsdorf begründeten, 80 Objekte, Häuser, Höfe, Stadln, Ställe, aber auch Werkstätten, ein Dorfladen, eine Dorfschule. Und: Gärten.

„Unseren Bibelgarten haben wir schon vor Tulln gehabt“, lacht Veronika Plöckinger-Walenta, die seit neun Jahren die wissenschaftliche Leitung des Museumsdorfes innehat. Und die stolz ist, auf ihr „Gesamtpaket“. „Alltag im Dorf“ nennt man das. Und der ist eben nicht nur zum Anschauen da. Sondern, mit Handwerkern und Kulturvermittlern, auch zum Angreifen, Mitmachen, Ausprobieren. Jedes Wochenende und jeden Feiertag könne man in Niedersulz „Lehmziegel schlagen“, dem Sattler und dem Schmied über die Schulter schauen, die Ziegen oder doch lieber die Schweine streicheln, in der Schule „Kurrent“ lernen oder in der Lehrerwohnung stöbern, „was man früher angehabt hat“.

Auch das hat Josef Geissler gesammelt, die „beweglichen Güter“. Vor allem aber ganze Bauernhöfe wie den Wultendorfer Hof oder ganze Häuser wie das Kleinhäuslerhaus. Die hat man, je nach Aufwand, entweder tatsächlich „translociert“ („das ist der Fachbegriff“, so die Volkskundlerin), also erst Teil für Teil ab- und dann Teil für Teil wieder aufgebaut. Oder, bei den größeren Objekten, nachgebaut, also nach dem originalen Grundriss, nach der Zimmereinteilung und, wo möglich, auch mit den originalen Materialien. Dazu gehört auch die authentische Einrichtung – auch diese großteils aus der Sammlung Geissler.

Was da, nach 40 Jahren, noch fehlt? „Dachziegel!“ Meint Veronika Plöckinger-Walenta. „Aber nicht alle, sondern nur Biberschwanzziegel und Wiener Taschen – die suchen wir immer!“ Schließlich sei eines der größten Themen der Erhalt. Neues komme nicht mehr so oft dazu. Obwohl: „Fassbinderei gibt’s noch keine!“ Feuerwehr auch nicht. Und im Jubiläumsjahr habe man ohnehin zwei Neuzugänge geplant: ein neues Haus, die Wagnerei Halmschlag aus Hollabrunn, und ein neuer Garten, der Hutterer-Gemüsegarten mit „German Gold“-Paradeisern und „Huttrigen Suppenbohnen“ …