Wandern Leithagebirge: Tour im Naturpark „die Wüste“. Die NÖN präsentiert mit den Reisereportern Gerald und Sonja Lechner die schönsten Wanderrouten in Niederösterreich. Jede Woche stellen wir eine interessante Route aus allen Vierteln Niederösterreichs vor… Diesmal wandern wir durch "Die Wüste".

Erstellt am 06. Mai 2021 (08:00)
Die Reisereporter

Eine Wüste mitten in Niederösterreich? Nein, natürlich keine echte Wüste, sondern ein klitzekleiner, aber signifikanter Übersetzungsfehler aus dem Griechischen: Eremos bedeutet Einsiedelei, aber eben auch Wüste. Und das hat sich hier im Leithagebirge durchgesetzt. Wildromantische Ruinen, herrliche Landschaft, eine schier unendlich lange Mauer (gefühltes Chinesische-Mauer-Feeling) und dank der Nähe zum Burgenland milde Temperaturen schaffen ein wahres Wander-Eldorado am östlichen Ende von Niederösterreich!

Nur von der Hauptstraße abbiegen und schon sind wir am großzügigen Parkplatz angelangt. Von hier aus geht es der Straße entlang gerade nach hinten. Schon bald sehen wir zum ersten Mal die ehemaligen Klostermauern, die uns auf weiten Teilen der Wanderung begleiten werden und durch den Verfall, die entstandenen Löcher und die Pflanzen ringsum immer wieder inspirierende Motive bilden. Wenige Schritte später gelangen wir zur Leopoldskapelle. Sie bildete gemeinsam mit dem Eingangstor und dem Pförtnerhäuschen die äußere Pforte des Klosters der Unbeschuhten Karmeliter. Innen befinden sich Infotafeln zur Geschichte des Klosters, der Burg Scharfeneck und der Region. Eine spannende Installation der Gesichtszüge des römischen Kaisers Marc Aurel ist an den Wänden der Ruine zu sehen - eine interessante Idee der Gestaltung!

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Gleich nach der Kapelle verlassen wir die Forststraße und zweigen links auf einen Waldpfad ab. Es ist ein schmaler Pfad durch den lichten Wald, der uns gemütlich, aber stetig nach oben bringt. Beim Bäckertürl (Hier wurde früher Brot an die Bevölkerung verteilt.) treffen wir auf die Klostermauer, die gefühlt unser ständiger Begleiter bleibt. Was für eine Heidenarbeit muss es gewesen sein, diese rund 4,5 Kilometer lange Begrenzung zu errichten. Schaut man die Form der Mauer von oben an, so wirkt sie ein bisschen wie ein Herz. Ein hübsches Bild für eine christliche Anlage.

Wir folgen der Mauer weiter bergauf, immer wieder gucken wir durch die Mauerlöcher und erhaschen so einen Blick auf den ehemaligen Steinbruch, in dem aus Steinen gelegte, große Umrissbilder liegen. Der Waldpfad führt uns bis zur Anhöhe hoch, wo ein Sonnenbankerl für eine kleine Pause auf uns wartet. Unsere Route führt uns gerade aus weiter auf dem Wanderweg und nach einem ebenen Abschnitt geht es hinunter ins Tal. Dort kreuzen sich viele Wege, und hier bietet sich auch die Möglichkeit die Wanderung zu verlängern! Wir entscheiden uns direkt zur Ruine Scharfeneck zu marschieren.

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Dazu geht es vom Hauptweg ein wenig hinunter zu einem Bach, den wir auf einer kleinen Brücke überqueren. Danach folgt der Aufstieg zur Ruine. Es geht ein wenig, aber recht angenehm bergauf.

Wer nun mit einer kleinen Burgruine bestehend aus ein paar Mauerresten rechnet, der wird überrascht sein: was für eine imposante Anlage! Versteckt im Wald und erst beim Erreichen der Burg sichtbar befindet sich ein mächtiges Bollwerk, dessen Ausmaße auch heute noch klar erkennbar sind. Da Einsturzgefahr besteht, ist das Betreten leider verboten. Aber beim Umrunden der Burg gibt es immer wieder herrliche Einblicke in das Areal.

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Man kann links oder rechts herum gehen - der weitere Weg startet am hinteren Ende der Burg, wieder bei einer der Klostermauern. Es folgt ein Wegabschnitt, der im Vergleich zur Restwanderung relativ "verwachsen" ist, wobei er sehr gut zu gehen und zu erkennen ist. Er ist nur einfach schmaler und weniger oft begangen. Die Top-Wege verwöhnen ja richtig. Schon nach kurzer Zeit treffen wir wieder auf so einen perfekten Weg, dem wir nach rechts folgen. Bald gelangen wir zu einer Kreuzung mit mehreren Wegweisern. Wir gehen nach rechts weg vom Hauptweg: man sieht gleich am Beginn eine Markierung an einem Baum.

Durch den lichtdurchfluteten Wald nähern wir uns dem Kloster St. Anna in der Wüste - doch zuvor erwecken noch die Ruinen einer Einsiedelei unsere Aufmerksamkeit. Wer Ruinen liebt, sei es um sie zu erkunden, zu fotografieren oder zu malen, der wird mit dieser Runde viel Freude haben. Sie ist wahrlich ruinenreich, noch dazu mit der imposanten Mauer. Für uns ist schon jetzt klar: im Herbst, wenn die Nebel durchs Land ziehen, müssen wir an diesen mystischen Ort zurückkehren und diese Stimmung einfangen!

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Nach einem kleinen Teich auf der rechten Seite gelangen wir zum Kloster. Derzeit zwar leider geschlossen, aber mit Tieren, einem Spielplatz und Rastplätzen ein idealer Jausenplatz.

Das letzte Stück zurück zum Auto geht es an der Koppel vorbei nach rechts und gleich bei der nächsten Kreuzung nach links, alternativ könnt ihr auch geradeaus beim Kloster durch die Wiese nach vorne gehen, die Wege treffen aufeinander. Es ist unser Hinweg mit der Pforte, durch die wir das Klostergebiet verlassen.

Noch viel mehr von dieser Wanderung wie Wanderkarte, GPS-Track und viele Fotos unter: www.diereisereporter.at

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