Wandern Wachau: Hoch über der Donau nach Krems-Stein. Jetzt, wo es kühler wird und der Herbst schön langsam Einzug hält, zieht es uns vermehrt in die liebliche Wachau. Ob Winter, Frühling oder Herbst - das Donautal ist uns zu jeder dieser Jahreszeiten gleich lieb, bietet es wärmere Temperaturen und oft besseres Wetter als der Rest von Niederösterreich. Diese Rundwanderung führt uns durch den für die Wachau so typischen Föhren- und Eichenwald hinauf und dann hoch über der Donau durch die Weingärten entlang des Weinskulpturenpfades zurück nach Krems-Stein.

Erstellt am 09. September 2021 (11:02)
Loibenberg
Die Reisereporter

Die Abendsonne zaubert uns mit diesen Kunstwerken des Wachauer Künstlers Fritz Gall besondere Lichtstimmungen - ja, es ist Herbst, nicht nur von den Temperaturen, sondern auch die Tageslänge hat merklich abgenommen. Für uns ist die Stirnlampe wieder ein fixer Gast im Rucksack und wir wählen Nachmittags-Touren so, dass der Abschluss nicht im Wald, sondern wie hier auf festen Wegen zwischen den Weingärten liegt.

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Es ist ein Wochenende mit mehr als wechselhaftem Wetter - Samstag oder doch lieber Sonntag? Wir überlegen hin und her und entscheiden uns für den Samstag-Nachmittag. Nicht, dass ihr nun denkt, dass wir wasserscheu sind, aber zum Fotografieren ist es halt doch viel feiner, wenn es nicht oder nur manchmal regnet.

Die Anfahrt führt uns nach Krems und weiter ins Reisperbachtal, ein kleines Tal, das am Ende von Krems-Stein Richtung Norden geht. Es gibt keinen Wanderparkplatz, aber entlang der Straße findet ihr Parkplätze.

So starten wir dem Bach entlang und ich muss kurz darauf an meinen Opa denken. "Der Mensch denkt und Gott lenkt", hat er gerne gesagt, wenn nicht alles so lief, wie wir es uns ausgemalt hatten. Hier ist zwar nicht der liebe Gott, aber ein Schild mit "Privatweg - Betreten verboten", das unsere Route (um)lenkt. Laut Map würden uns ein paar Stiegen direkt zum Wanderweg bringen... Die Stiegen sehen wir auch von der Straße her, aber leider ist es nicht erlaubt, hier zwischen den Häusern aufzusteigen. So gehen wir weiter ins Tal hinein und schon bald sehen wir die Hinweistafel "Naturlehrpfad". Diese erste Steigung ist resch und bringt uns mal ein bisschen außer Puste, wer das nicht mag, der kann der Straße folgen und so in einer gemütlicheren Serpentine aufsteigen.

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Danach geht es ein kleines Stück auf dieser Forststraße weiter, dann biegen wir auf den offensichtlich wenig benützten Waldweg ein. Es ist ein breiter, schöner Weg, allerdings wächst das Gras höher. Keine Sorge, ihr könnt hier perfekt weitergehen, einzig, wenn es wie heute nass ist, dann sollten eure Schuhe gut imprägniert sein. Aber sollten sie das nicht generell, wenn man wandern geht? Es geht zwar weiterhin bergauf, aber wirklich gemütlich.

Dann mündet unser Weg in einer T-Kreuzung, links davon ist ein Hochstand, an ihm vorbei gehen wir weiter. Ein besonderer Glücksmoment wird uns hier geschenkt: ein Feuersalamander am Wegesrand. Der erste heuer, was für eine Freude! Lange können wir ihn beobachten, in Schneckentempo bewegt er sich fort. Der Weg führt uns um den Hügel herum und dann treffen wir wieder auf eine Wandermarkierung - ihr folgen wir nach rechts den Hügel weiter hinauf. Es ist nun der typische lichte Föhren- und Eichenwald, der uns umgibt. Der Weg ist ein schmaler Waldpfad, immer wieder sehen wir Schwammerl und viele junge Eichen. Immer weiter geht es gemächlich bergauf. An einem Holzstoß hängt ein witziges Schild: "Auch heuer ist es wieder verboten, hinter den Holzstoß zu sch****". Offenbar gab es da gewisse Zwischenfälle. Noch einige Holzstöße kommen - aber das Schild ist nur an einem. Spannend, wurde der bevorzugt?

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Oben angelangt, geht es auf einer gemütlichen Forststraße fast eben dahin - und wir bekommen neue Wegbegleiter: immer wieder stehen seitlich geschnitzte Bäumchen, die oft mit einer Tafel versehen sind. Skulpturen, die auch nicht gestohlen werden können: Sie werden aus dem Rest eines umgeschnittenen Baumes geschnitzt, wo die Wurzeln fest in der Erde verankert sind. So witzig - was für ein spannender Weg. Leicht bergab gelangen wir zum Loibenberg und dann wieder Richtung Norden zum Loibengraben. Der Weg ist eindeutig, einfach immer auf der Forststraße bleiben!

Wieder Richtung Süden sehen wir herrlich ins Donautal, das Franzosendenkmal zu unserer Rechten und Unterloiben leicht links. Hier müssen wir einmal gut aufpassen, damit wir im lockeren Bergabgehen an unserer Abzweigung vorbei gehen. Denn diese geht links bergauf weg! Bald danach gelangen wir in den Weingarten-Abschnitt. Wachau pur! Ausblicke stromauf- und abwärts, Weinreben ringsum und viele, viele Bankerl zum Schauen und Genießen! Die Sonne blitzt gerade noch über die Hügel und zaubert uns stimmungsvolle Lichter. Herrlich! Wir befinden uns auf dem Weinskulpturenpfad des Wachauer Künstlers Fritz Gall. Nicht nur die Motive, sondern vielfach auch die Materialien wie Rebstöcke, Fassreifen und Weingartendraht stammen aus der Wachau - in Anlehnung an den Phantastischen Realismus nennt er seinen Stil "Phantastischer Regionalismus". Uns gefallen seinen Kunstwerke überaus gut, sie passen perfekt hierher und bilden mit der Natur- und Kulturlandschaft eine stimmige Symbiose. Oftmals ist das ja nicht so, ich denke da an den Cliffhänger in den Ötschergräben, der neben dem zauberhaften Mirafall für mich unfassbar hässlich aussieht.

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Hier ist es zum Glück nicht so, wir freuen uns über die vielen Kunstwerke, die uns in die Abendstunden am Wegesrand geleiten. Der Weg ist einfach zu finden und zu gehen - Asphalt, leicht bergauf und bergab. Aber deutlich mehr bergab! Nur ganz kurze Abschnitte gehen ein wenig bergauf.

Mittlerweile ist es ein wenig dämmrig geworden - in Krems ist gerade Volksfest, das Riesenrad leuchtet zu uns herüber. Witzig, wie so ein Objekt gleich das Bild der Stadt verändert. Auf der Höhe von Förthof gehen wir durch eine Kellergasse vorbei an zwei Quellen hinunter in den Ort. Ich weiß nicht, wie oft wir hier schon mit dem Rad durchgefahren sind - aber es ist uns noch nie aufgefallen, dass wir noch nicht in Stein, sondern in Förthof sind. Dieser Name ist uns gänzlich fremd. Spannend, was man etwas immer, immer wieder übersieht. Vorbei an der Privatuni geht es nach Stein und durch die malerischen Gassen ein kleines Stück weiter in die Stadt hinein. Dann biegen wir nach links ins Reisperbachtal ab und gelangen zu unserem Auto.

Noch viel mehr von dieser Wanderung wie Wanderkarte, GPS-Track und viele Fotos unter: www.diereisereporter.at

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