Paddeln kann jeder. Standup-Paddeln erlebt in den letzten Jahren geradezu einen Boom. Der Vorteil: Man braucht dafür keine besonderen Vorkenntnisse und so kann sich jeder auf dem Brett probieren. In Niederösterreich gibt es einige unglaublich schöne Hotspots zum Paddeln.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 17. April 2019 (14:56)

Es ist ein warmer Tag im März und der Wind, der sich in den letzten Wochen so stark gezeigt hat, macht ein paar Stunden Pause. Bei um die 15 Grad würde man im Frühling an viele Betätigungen im Freien denken, aber an Wassersportarten vielleicht weniger. Doch Standup-Paddeln, das geht immer.
Und vor allem in Niederösterreich auch an sehr vielen verschiedenen Plätzen, weiß Verena Daubal, als sie ihr Brett gerade in das Wasser des Donaualtarms Greifenstein gleiten lässt. Sie hat vor etwa zehn Jahren ganz durch Zufall das Standup-Paddeln (SuP) für sich entdeckt. Am Ottensteiner Stausee, am Marchfeld-Kanal oder in der Wachau gibt es ebenso ideale Bedingungen für Standup-Paddeling.

Daubal betreibt die Seite www.standuppaddeln.at, wo sich einerseits die Paddel-Community vernetzen kann und andererseits Tipps und Ratschläge für Anfänger zu finden sind. Und anfangen sollten, wenn es nach der Sportlerin geht, noch viel mehr Menschen: „Paddeln kann jeder. Es ist sehr einfach. Es ist auch geeignet für Leute, die in ihrem Leben vielleicht noch nie Sport gemacht haben.“ Auch für Menschen mit Gleichgewichtproblemen sei es ein idealer Sport, um es zu lernen. Sogar Menschen im hohen Alter könnten den Sport noch erlernen, ist sich Daubal sicher: „Sobald man sich sicher fühlt, gibt es keine Einschränkungen. Das ist sehr schön.“

Beim Standup-Paddeln ist kein Kurs nötig

Um damit zu starten, braucht man nicht unbedingt einen Kurs, doch es gibt natürlich dennoch einiges, was beachtet werden sollte. Ideal, um auf das Brett aufzusteigen, ist knietiefes Wasser. „Du hältst dein Brett mit beiden Händen fest und kniest dich einmal auf das Brett rauf. Dann nimmst du das Paddel in die Hand und paddelst ganz langsam los, solange bis du dich halbwegs sicher fühlst. Dann stehst du auf, parallel mit den Beinen am Brett, und es kann schon losgehen“, erklärt Daubal den einfachen Anfang, um Paddler zu werden.

Sie selbst, mehrfache Wiener Sup-Landesmeisterin, habe sich den Sport selbst beigebracht und natürlich ebenso Fehler gemacht. Die meisten Anfänger etwa würden zuerst das Paddel verkehrt halten: „Du hältst es so, dass die Schrift, die es meistens gibt, nach vorne schaut. Die Krümmung sollte nach vorne sein und nicht nach hinten.“
Standup-Paddeln ist nicht mit dem Segeln oder dem Surfen vergleichbar, denn, um die Sportart auszuüben braucht man keinen Schein. Wenn man Daubal, Alexandra Ascher und Thomas Umlauf – zwei Bekannte der Sportlerin – beim Paddeln beobachtet (siehe Fotos), kriegt man schnell Lust, sich selbst auf dem Brett zu probieren. Jeder von ihnen hat ein anderes Brett. Bei dem einen kann man etwa die Luft rauslassen und es auf Rucksackgröße zusammenrollen, das andere ist länger und taugt mehr für Wettkämpfe. „Preislich ist es schwierig. Ich sage einmal um die 400 Euro für ein Set“, sagt Daubal. Sie warnt aber vor Schnäppchen und erklärt, dass die Luft im Brett das Maßgebliche ist, weil es den Sportler trägt: „Wenn du jetzt ein ganz günstiges Brett kaufst, es aber nicht dein Gewicht trägt, dann hast du keine Freude daran. Denn dann stehst du die ganze Zeit im Wasser.“

Ein sicherer Sport, aber es ist Vorsicht geboten

Verena Daubal beschreibt das Paddeln als sehr sicheren Sport. Es gibt aber, gerade auf fließenden Gewässern, einiges, worauf man aufpassen muss. Das sind einerseits Stürme und Gewitter, aber auch im Wasser treibende Gegenstände. Bei Wasser unter 15 Grad müssen Paddler spezielle Anzüge tragen (siehe Bilder). „Wenn man bei so tiefen Temperaturen ins Wasser fällt, kann man einen Kälteschock haben“, erklärt Daubal. Beim Eintauchen ins kalte Wasser könne es zu einem Reflex kommen, bei dem die Luftwege durch einen Muskelspasmus verschlossen werden. „Das heißt, du kannst nicht mehr atmen“, warnt die erfahrene Wassersportlerin. Mit einem sogenannten Trockenanzug könne das nicht passieren.

In Niederösterreich bietet auch die Donau eine wunderschöne Möglichkeit für Paddel-Touren. Daubal warnt aber, dass Anfänger den Strom vermeiden sollten. „Es kann tödlich enden, wenn ihr die Donau durchquert und in der Kurve vor euch taucht plötzlich ein Schiff auf und ihr schafft es nicht, aufgrund der Strömung, der Breite des Kanals und der Sogwirkung des Schiffes rechtzeitig auf die andere Seite zu kommen“, warnt sie davor ebenso auf ihrer Plattform. „So super der Sport ist, man ist trotzdem in der Natur. Du bist da draußen und es kommt ein Sturm und dann kommst du nicht mehr zurück. Das wissen viele nicht“, so Daubal. Ihr sei es ein Anliegen, da aufzuklären.

Wer jedoch vor dem Paddeln den Wetterbericht checkt oder eine Wetterapp am Handy verwendet, ist auf der sicheren Seite. Vor einer Paddel-Tour ist es auch sinnvoll, jemandem Bescheid zu geben, in welchem Gebiet man unterwegs ist und wann man plant zurückzukommen. Wer am Meer oder in fremden Gebieten paddelt, sollte sich auf die Ratschläge der Einheimischen verlassen. Neben der SuP-Plattform betreibt Daubal auch mehrere Facebookgruppen: „Da organisieren wir zum Beispiel gemeinsame Paddel-Ausflüge.“

Noch mehr Spaß am Wasser mit dem Brett

Dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen den Wassersport am Brett ausüben, freut die Wienerin besonders: „Ich habe das immer geglaubt und gehofft, dass Standup-Paddeln eine Trendsportart wird, weil das einfach ein Sport wie Radfahren ist. Ich denke, jede Familie, die im Sommer am Wasser ist und Spaß hat, kann sich so ein Brett nehmen und noch mehr Spaß haben.“ Deswegen habe sie auch die Plattform, denn so könne sie noch mehr Leute für Bewegung und Sport begeistern. „Eigentlich sind meine Highlights, dass so viel von den Leuten zurückkommt. Ich habe teilweise die Erfahrung mit körperlich eingeschränkten Leuten gemacht, dass die sich auf den Boards total wohlfühlen. Oder auch übergewichtige Menschen. Die glauben, sie kommen da gar nicht rauf. Blödsinn … Nach zehn Metern können die schon fahren. Das ist eigentlich das Schöne an diesem Sport.“