Neue Wanderlust: Ärger über achtlose Spaziergänger. Trend der Corona-Zeit hinterlässt Spuren: Bauern klagen über mehr Müll, Hundekot und zertrampelte Felder.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:15)
Wanderlust trifft Landwirte-Frust: Rechts ein Hinweisschild in Hochstrass im Wienerwald.
Blazej Lyjak/Shutterstock.com (Symbolbild) bzw. Eva Hinterer

In der Corona-Zeit trieb es viele Menschen ins Freie. Weil die meisten anderen Freizeitaktivitäten ausfallen mussten, entdeckten zahlreiche Niederösterreicher die Liebe zum Spazierengehen und Wandern. Bei einigen Bauern wuchs deshalb der Ärger.

„Wenn man die Menschen darauf aufmerksam macht, reagieren viele pampig. Oft wird man noch angeschnauzt.“Eine Landwirtin aus St. Pölten

„Viele Menschen vergessen, dass sie dort unterwegs sind, wo unsere Lebens- und Futtermittel hergestellt werden“, beklagt sich eine Landwirtin aus St. Pölten. Sie beobachtet immer wieder, dass Menschen durch angebaute Felder marschieren, Eltern mit ihren Kindern zum Drachensteigen in den Acker gehen und Hundehäufchen einfach liegen gelassen werden. „Wenn man die Menschen darauf aufmerksam macht, reagieren viele pampig. Oft wird man noch angeschnauzt“, berichtet die Bäuerin.

In der Pandemie seien die Zwischenfälle schlimmer geworden. Das bestätigt auch die Landwirtschaftskammer, die nun mit einer Kampagne auf richtiges Verhalten in der Natur aufmerksam macht.

Hinweisschild in Hochstrass im Wienerwald.
Eva Hinterer, Eva Hinterer

Gerade in und um Städte werden der LKNÖ immer wieder Beschwerden gemeldet. „Das liegt auch daran, dass in urbanen Gebieten seit Corona mehr Menschen in der Natur unterwegs sind, was ja grundsätzlich positiv ist“, hält LKNÖ-Sprecherin Daniela Morgenbesser fest.

Die Vertreter der Landwirte wünschen sich aber einen rücksichtsvolleren Umgang mit der Natur. Sie wollen Bewusstsein dafür schaffen, dass Wiesen, Felder und Äcker zur Versorgung mit Lebensmitteln dienen. Zum respektvollen Umgang mit diesen Flächen gibt es sogar eine gesetzliche Verpflichtung: Im Feldschutzgesetz ist geregelt, dass Menschen, die Feldgut auf Äckern, Wiesen oder Weingärten entziehen, vernichten, verunreinigen oder zerstören, angezeigt werden können.

In einigen Bereichen sind die Folgen ihrer Handlungen vielen Menschen möglicherweise gar nicht bewusst. Das gilt etwa für das Parken. Laut der LKNÖ werden zahlreiche Flächen beschädigt, weil Autos auf Weiden und Wiesen abgestellt werden. „Dadurch entstehen massive Verunreinigungen, die wir in den Lebens- und Futtermitteln haben.“

Hundekot kann für Rinder tödlich sein

Ebenfalls zur Gefahr werden können Hunde. Einerseits für Wild- und Weidetiere, die sich von ihnen bedroht fühlen. Andererseits kann Hundekot Parasiten enthalten und für Rinder sogar tödlich sein. Die St. Pöltner Bäuerin hat hier aber sogar Verständnis für die Hundebesitzer: Aus ihrer Sicht gebe es an vielen Orten zu wenige Mistkübel, in denen die „Gackerlsackerl“ entsorgt werden können. „Da müsste es mehr geben. Ich verstehe, dass Hundebesitzer das Sackerl nicht mittragen wollen.“

Symbolbild
Blazej Lyjak/Shutterstock.com

In den vergangenen Monaten zugenommen habe auch das Wegwerfen von Müll in der Natur. Auswirkungen hat das nicht nur auf das Landschaftsbild, sondern auch für Tiere: Verschluckte Glasscherben und verdorbene Lebensmittel können bei ihnen zu Verletzungen und Vergiftungen führen, betont man bei der LKNÖ.

Einzelne Bauern haben begonnen, ihre Flächen mit Absperrband einzugrenzen, um ihren Besitz zu schützen. So etwa im Wienerwald. Echtes Einzäunen landwirtschaftlicher Flächen ist aus Sicht der LKNÖ aber nicht die Lösung. „Das wäre ein Mehraufwand, der nicht bezahlbar ist. Wir wollen stattdessen Bewusstsein für den Wert dieser Flächen schaffen.“