Das New York von Israel. Die Stadt Tel Aviv gilt als Mekka für junge und stilbewusste Menschen – und das zu Recht.

Von Markus Füxl. Erstellt am 27. November 2018 (01:44)
Vor allem wenn die Sonne untergeht, ist der Blick vom Strand in Tel Aviv auf die Altstadt Jaffa wunderschön. Um sie ranken sich etliche religiöse Sagen: „Alles hier ist biblisch“, sagt Reiseleiter Arnon Brukshtein.
Markus Füxl

Seit ihrer Gründung 1909 hat die „Weiße Stadt“, wie Tel Aviv genannt wird, ordentlich Farbe bekommen. Zwischen den weißen Häusern im Bauhaus-Stil der 1920er-Jahre reihen sich heute neu gebaute Wolkenkratzer, verwinkelte Kunstgalerien und pulsierende Nachtclubs. Ein Sprichwort der Israeli besagt: „In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gelebt.“ Und das stimmt.

Vor allem die Partyszene in Tel Aviv gilt weltweit als eine der besten. Bei 1.748 Bars, Cafés und Nachtclubs ist die Auswahl riesig. Wer einen Einblick in das Nachtleben erhalten möchte, bucht am besten einen Pub Crawl bei „Tel Aviv Tours“. Mit einem Guide tingelt man so Bars ab, wie „Sputnik“, „Lima Lima“ oder das aus einer ehemaligen Bank umgebaute „Who The Fuck is Jimmy?“ am belebten Rothschild Boulevard.

Ein typisches Bild von Tel Aviv: Alte Häuser im Bauhaus-Stil mit vielen Bäumen und Palmen reihen sich an moderne Wolkenkratzer.
Markus Füxl

Um sich am nächsten Tag schnell vom Kater zu regenerieren, startet man am besten mit einem typischen israelischen Frühstück: Viel Obst, Salat aus Hülsenfrüchten und Joghurt. Was auffällt: Fleischiges steht selten auf dem Menüplan, in Tel Aviv wird sehr viel Vegetarisches gegessen. Ein Beispiel dafür ist „Schakschuka“, was von vielen als israelisches Nationalgericht beschrieben wird. Dabei werden pochierte Eier in einer Sauce aus Tomaten und Chili serviert.

Der „Carmel Market“ ist einer der bekanntesten Märkte in Tel Aviv. Die Gewürze eignen sich perfekt als Geschenksidee.
Markus Füxl

Ein optimaler Ort zum Entlangschlendern und globalen Schlemmen ist der Sarona Markt im gleichnamigen Viertel. Dort bekommt man von israelischem Hummus über italienische Pizza bis hin zu japanischem Sushi (fast) alles.

Das Sarona-Viertel selbst ist quadratisch angelegt und bietet einen Blick in die Geschichte Tel Avivs, von einer stark religiösen Siedlung zu einer modernen Großstadt. So wurde dort ein Haus als Synagoge genutzt, später als Café. Heute werden dort Adidas-Shirts verkauft.

Jesus Christus und ein nackter Poseidon

Der älteste Teil von Tel Aviv ist Jaffa, eine heutige Hafenstadt mit verwinkelten Gassen und gemütlichen Cafés und Restaurants. Hervorragend essen kann man etwa im „The Old Man and the Sea“ (siehe Infobox) oder im „Puaa“.

Wer beim Schlendern durch die Gassen plötzlich einen Esel auf einem Dach stehen sieht, sollte nicht erschrecken. Dabei handelt es sich um eine Installation der Künstlerin Ilana Goor über ihrem Privatmuseum. In ihren Kunstwerken mischt sie die verschiedenen Religionen. So zeigt ein mit übergroßen Insekten und Totenköpfen von Tieren übersäter Tisch, wie es nach Jesus’ letztem Abendmahl ausgesehen haben könnte, während draußen ein nackter Poseidon von lachenden Kindern aufgespießt wird.

Junge Start-ups, moderne Kulturszene und viel Fashion

Was bei einem Spaziergang zurück ins Hotel, dem „Orchid“ (siehe Infobox) auffällt: Die Bewohner von Tel Aviv sind sehr modebewusst. Bei einer Fashiontour mit der israelischen Modeexpertin

Ilana Peleed erklärt sie, woran das Modeverständnis festgemacht wird: „Die Fashion aus Tel Aviv

ist wie eine Melange, eine Mischung aus Alt und Neu.“ Viele Modedesigner starten mit einem kleinen Verkauf vor ihrer Wohnung, bevor sie den Durchbruch schaffen.

Ein Beispiel dafür ist „Vague“, ein „geschlechterfreier“ Kleidershop von Anuk Yosebashvili und Antonina Aaron in Jaffa. Sie verkaufen ausschließlich schwarze Kleidung. Daneben kann man sich mit einem Laserscan einen virtuellen 3D-Abdruck von Gesicht und Hände machen lassen und so maßgeschneiderte Brillen und Schmuck kaufen.

Diese Plastik von Tel Avivs bekanntester Künstlerin Ilana Goor zeigt den Meeresgott Poseidon, der von Kindern misshandelt wird.
Markus Füxl

Der Ideenreichtum junger Israeli zeigt sich auch in der blühenden Start-up-Szene. „Vor allem bei Reiseunternehmen und Business-to-Business-Unternehmen ist Tel Aviv besser aufgestellt als das Silicon Valley“, sagt Rom Hendler von Innovel, einem Unternehmen, das mit jungen Start-ups arbeitet.

Trotz moderner Kulturszene, pulsierendem Nachtleben und moderner Modedesigner erstrahlt die Stadt Tel Aviv mit seiner historischen Architektur aber noch immer mit einem religiös-mystischen Glanz. Mit Blick auf Jaffa sagt Tel Aviv-Guide Arnon Bruk-shtein: „Alles hier ist biblisch.“