Die vergessenen Helden im Schatten von Corona. Die heimische Tourismusbranche ist auch in Krisensituationen jederzeit erreichbar.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 23. März 2020 (12:22)
Patrick Weitzer (links) und Josef Peterleitner.
Raiffeisen Reisen (Weitzer)/Österreichischer ReiseVerband (Peterleitner)

Tausende Österreicher wurden im Urlaub und auf Reisen von den weltweiten Auswirkungen des Coronavirus überrascht. Seither arbeiten die Mitarbeiter der Reisebüros rund um die Uhr, um die Kunden bestmöglich zu betreuen.

„Gemeinsam mit dem Außenministerium und den Reiseveranstaltern versuchen wir diese in konzertierten Aktionen sicher nach Hause zu bringen“, so Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen ReiseVerbandes (ÖRV). Die heimische Tourismusbranche ist auch in Krisensituationen jederzeit erreichbar – und das, obwohl die Zukunft vieler Betriebe derzeit an einem seidenen Faden hängt.

Patrik Weitzer erlebt als Geschäftsführer von Raiffeisen-Reisen, GEO Reisen und Austrian Cruise Center täglich hautnah die immensen Herausforderungen der Branche: „Obwohl unser Geschäft de facto völlig zum Erliegen gekommen ist, laufen die Telefone heiß. Denn auch wenn die Reisebüros behördlich geschlossen sind, kümmern wir uns selbstverständlich um unsere Kunden. Aufgrund der Zeitverschiebungen in den verschiedenen Urlaubsgebieten kommen die Anrufe tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit, und das an sieben Tagen in der Woche. Hinter fast jedem Anruf stecken Angst und Ungewissheit, aber die Kunden vertrauen uns - und wir tun alles, um sie zu schützen und ihnen zu helfen. So gesehen sind die österreichischen Reisebüros die besten Konsumentenschützer!“

(Mindestens) ein halbes Jahr verloren

„Die Corona-Krise betrifft uns alle, aber die Touristik ist derzeit wie kaum eine andere Branche von einem totalen Stillstand betroffen,“ so Josef Peterleithner. Zusätzlich zum Geschäftsentgang infolge des de facto weltweiten Reiseverbots kommen Aufwendungen für Reisestornierungen und Rückzahlungen von angezahlten Kundengeldern. „Derzeit haben die Reisebüros und Reiseveranstalter nur Ausgaben, aber keine Einnahmen“. Außerdem ist zu erwarten, dass es nach der momentanen Krise einige Zeit dauern wird, bis das Reisegeschäft wieder läuft. „Die Reisebranche ist somit der größte Verlierer der aktuellen Lage“, so Peterleithner.

 Der ÖRV fordert daher größtmögliche Solidarität für die österreichischen Reisebüros ein. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen in größtenteils kleinen und mittleren Unternehmen, sondern auch um die Sicherheit und den Schutz der Kunden, für die ihr Reisebüro oft die einzig erreichbare Hilfe bietet.

„Wir erwarten uns, dass die Politik den Ernst der Lage erkennt und das Überleben der Branche mit entsprechenden finanziellen Unterstützungen und Garantien absichert“, betont Gunther Hölbl, Leitung des ÖRV-Touristikausschusses.   „Hilfreich wäre es zum Beispiel, wenn bei Reisestornierungen aufgrund der aktuellen Gesetzeslage Gutscheine für künftige Reisen ausgegeben werden könnten, deren Wert auch im Fall von Insolvenzen abgesichert ist. Damit kann der Geldabfluss gestoppt werden, der viele Arbeitsplätze ernsthaft gefährdet. Jedenfalls muss rasch etwas geschehen, die Forderungen an die Regierung sind bereits gestellt worden!“

Dank an die vergessenen Helden

Die Arbeit der Reisebüro-Fachkräfte läuft derzeit ruhig und im Hintergrund ab. Meist vom Homeoffice aus werden derzeit weltweit Flugmöglichkeiten sondiert und Einzelschicksale gelöst.

„Die gesamte Reisebranche leistet im Schatten der zahlreichen anderen engagierten Menschen verschiedener Berufsgruppen wirklich großartige Arbeit“, lobt auch Josef Peterleithner das Engagement der gesamten Branche, „Für viele Reisende sind die Mitarbeiter in den Reisebüros und bei den Reiseveranstaltern der einzige erreichbare Ansprechpartner in dieser kritischen Situation. Wir sind immer da, wenn unsere Kunden Hilfe brauchen. Das wissen unsere Kunden auch zu schätzen.“

Ein Appell der gesamten Reisebranche ergeht an jene Kunden, deren Urlaub derzeit aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen nicht stattfinden kann: „Alle Reisegäste sollen ihren Urlaub nicht stornieren, sondern einfach nur umbuchen. Damit ist sowohl dem Kunden als auch den Reisebüros wirklich geholfen. „Denn eines zeigt sich schon jetzt: Das Grundbedürfnis nach Reisen ist ungebrochen. Die Österreicher wollen reisen, nur können sie es im Moment nicht tun“, so Peterleithner abschließend.