Fette Aale und rosa Flamingos. In den Valli di Comacchio kommen Italien-Besucher abseits von Massentourismus in den Genuss eines besonderen Fisches und erleben eine einzigartige Vogelwelt – knapp 400 gefiederte Lebewesen haben im Parco del Delta del Po ihre Heimat gefunden.

Von Beate Riedl. Erstellt am 22. Mai 2019 (02:24)

Wie in einem Vier-Sterne-Hotel leben die Flamingos in den Lagunen von Comacchio: Das Wetter ist perfekt für sie, sie haben genug Futter, keine Feinde und niedriges Wasser, in dem sie sich sichtlich wohlfühlen. Die edlen Tiere hat es in den 90er-Jahren von der Camargue in Frankreich nach Italien verschlagen, wo sie seither ihre neue Heimat gefunden haben. So wie die Flamingos haben sich im Park des Po-Deltas, der zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt, knapp 400 Vogelarten angesiedelt. „Die Region ist eine der wichtigsten Wasserzonen von Europa mit einer einzigartigen Vogelwelt“, weiß Carletto vom Naturpark.

Während der Fahrt mit dem Fahrrad, dem Boot und dem Elek-trozug kreisen Möwen übers Wasser, Enten tümpeln gemütlich herum, auch ein Silberreiher ist im hohen Gras zu sehen. Plötzlich taucht ein Bienenfresser auf, ein Kormoran beobachtet alles von einem Stein aus im Wasser und ein Löffler steigt in Richtung Himmel auf. Nahezu das ganze Jahr über kann man Vögel bei einer Bird-Watching-Tour in den Valli von Comacchio, die wie ein Labyrinth aus Wasserwegen wirken, beobachten.

Unterwegs in der Fahrradstadt Ferrara

Vom UNESCO-Weltnaturerbe geht es nach Ferrara, die Stadt der roten Ziegelsteine und der Radfahrer. Über 30 Prozent der Bewohner nutzen hier täglich ihr Fahrrad. „In Gesamt-Italien sind es lediglich vier Prozent“, erklärt Stadtführerin Maria Teresa. Hier bleiben Autofahrer stehen, wenn ein Radfahrer kommt, es wird (fast) nicht geklingelt oder geschimpft. Touristen wie Italiener sind in der Stadt und der Fußgängerzone mit ihrem mittelalterlichen und Renaissance-Viertel mit dem Fahrrad unterwegs.

Vorbei geht es an zwei Bauernhöfen innerhalb der Stadtmauern, an jenen Platz, wo jährlich der Palio von Ferrara stattfindet, das Pferderennen, das zu den ältesten der Welt zählt. Während der Tour durch das UNESCO-Weltkulturerbe kommt man auch am laut Guinness Buch der Rekorde ältesten Pub der Welt Al Brindisi sowie dem imposanten Castello Estense vorbei, einst Sitz der Adelsfamilie Este, eines der ältesten italienischen Adelsgeschlechter.

Kulinarisches Italien: Aal ist „aalgegenwärtig“

Reisende im Po-Delta kommen keinesfalls um den Aal herum. Der Fisch ist „aalgegenwärtig“, gibt es doch um ihn eine jahrhundertealte Tradition. Der mittlerweile vom Aussterben bedrohte Fisch kommt von der Sargassosee in der Nähe der Bahamas nach mehreren Jahren an der Küste Italiens an, wo er gefangen wird. Aal für ein ganzes Jahr wird innerhalb weniger Tage gefangen. Fünf Prozent des Fanges werden allerdings wieder ausgesetzt, damit sich der Fisch weiter vermehren kann und nicht ausstirbt. Knapp 50 verschiedene Gerichte werden aus dem Fisch mit sehr hohem Fettanteil zubereitet

– wie etwa gegrillter Aal, Aalsuppe, Risotto mit Aal oder mariniert aus der Dose, erklärt Stadtführerin Dorothea in der Manifattura dei marinati in Comacchio, jene Stadt, die auch „Klein-Venedig“ genannt wird – ist sie doch auf 13 Inseln erbaut und von Kanälen durchzogen, die über Brücken überquert werden können.

Wer die Region Emilia-Romagna besucht, sollte aber auch Salama da Sugo, eine Spezialität aus Ferrara probieren. Die Schweinewurst wird monatelang gereift, eingelegt und stundenlang gekocht, ehe sie mit Kartoffelpüree auf den Teller kommt. Moussierende Weine aus der Region Emilia-Romagna nehmen dem recht üppigen Essen etwas die Schwere.

Etwas gehaltvoller können zum Abschluss auch die Dolci ausfallen, wie etwa der weiche Schokokuchen mit Schlagobers oder Eis oder Zuppa inglese, ein traditionelles Biskuitdessert. Nach dem Urlaub kann man dann ohnehin wieder auf ausgewogene Ernährung und Gemüse umsteigen …