Der Zeusberg und das Tal der Rosen. Vom belebten Badestrand ins stille Hinterland: Das Troodos-Gebirge präsentiert sich als sattgrünes Naturparadies.

Von Udo Sagl. Erstellt am 15. Januar 2020 (03:08)

„Oraia“, sagt die alte Bäuerin am Wegesrand. Sie deutet gestenreich zum wolkenlosen Himmel. Dann winkt sie den zügig vorbeimarschierenden Wanderern freundlich zu.

„Oraia“, sagt auch der Tavernenwirt in Agros, als die Gruppe sein Lokal betritt. Er breitet die Arme aus und heißt die Gäste betont herzlich willkommen.

„Oraia“ – immer wieder hört man hier, im gebirgigen Hinterland von Zypern, dieses Wort. Ist es ein Gruß? „Nein. Es bedeutet einfach nur ,schön‘ – das ist alles“, erklärt die Reiseführerin. „Die Leute freuen sich damit genauso über sonniges Wetter wie über nette Besucher.“

Ein Katzensprung ins grüne Herz der Insel

Ja, es ist ein ausgesprochen fröhliches Volk, das hier lebt. Zur guten Laune trägt wohl auch die prächtige Gegend bei. Das imposante Troodos-Gebirge und seine sanften Ausläufer bezaubern mit würzig duftenden Wäldern und mit behaglicher Ruhe. Nur einen Katzensprung vom Meer und von den belebten Stränden entfernt und doch sehr abgeschieden, präsentiert sich das „grüne Herz von Zypern“ als Freizeitparadies.

Die Hänge rund um den mächtigen Gipfel, den 1.952 Meter hohen „Zeusberg“ Olymp, werden weitläufig von Kiefern, Zedern und Goldeichen geprägt.

Dazwischen lockern immer wieder Terrassen mit Weingärten und Obstplantagen das liebliche Landschaftsbild auf. Wacholder und Lavendel verleihen der Luft ein angenehm erfrischendes Aroma.

Blütenmeer und Scheunendachkirchen

Die einzigartige Natur lässt sich am besten beim Wandern erforschen. Ein dichtes Netz von gut markierten Wegen bietet sich für Touren aller Schwierigkeitsgrade an. Als klassische Route gilt der Artemis Trail – ein Pfad, der rund um den Olymp führt.

Lohnende Wanderziele sind außerdem die eindrucksvollen Wasserfälle Kalidonia und Millomeris sowie mehrere Stauseen. Auch die venezianischen Brücken in den Tälern der rauschenden Gebirgsflüsse Xeros und Diarazos sind einen Ausflug wert. Das allerschönste Tal der Insel findet man bei Agros – das Tal der Rosen. Es hat seinen Namen dem bunten Blütenmeer der betörend riechenden Damaskus-Rosen zu verdanken, die großflächig kultiviert werden, um Ökoprodukte herzustellen: Kosmetik, Tee, Kerzen, Schnaps – alles aus der Essenz der Blütenblätter gewonnen.

Die erfolgreiche Geschäftsidee macht die ganze Gegend zu einer im wahrsten Sinne des Wortes blühenden Region. Mittlerweile ist das Troodos-Gebirge auch von der UNESCO entdeckt worden: Mehr als 1.100 Quadratkilometer wurden zum Geopark erklärt. Und von den zahlreichen eigentümlichen Scheunendachkirchen, die den Bergdörfern auch kulturell einen ganz besonderen Charakter verleihen, zählen insgesamt elf Bauten zum Welterbe der Menschheit.

Hochgenuss: Meze in der Dorftaverne

Trotz der internationalen Anerkennungen halten sich die Gästezahlen weiterhin in Grenzen. Die meisten Besucher sind nach wie vor Zyprioten, die in den tiefer gelegenen Teilen der Insel wohnen und in den meist brütend heißen Monaten von April bis Oktober frische Luft und wohltuende Abkühlung suchen.

Die auffallend hübschen Dörfer der Troodos-Region sind inzwischen recht gut auf sanften Tourismus eingestellt. Kakopetria, Platres, Kyperounta, Pedoulas, Kalopanajiotis – und wie sie alle heißen – wirken mit ihrer einfachen Architektur und ihren gepflasterten Straßen charmant und vor allem durchwegs gepflegt. Warmherzige Gastfreundschaft und die traditionelle Küche sorgen in den Dorftavernen für kulinarische Genüsse. Sehr empfehlenswert: Meze-Essen. Dabei kommt eine Vielzahl von kleinen Tellern mit den unterschiedlichsten Speisen auf den Tisch.

Regionale Delikatessen wie Lountza (Schweinefleisch mit Rotwein zubereitet) und Sheftalia (Hackfleischwürste) schmecken ebenso köstlich wie der weltweit geschätzte Halloumi-Käse. Für einen süßen Abschluss sorgen kandierte Früchte und – natürlich – Rosenlikör ...