Gesundheitsreform: NÖ wird Pilotland. Nächstes Jahr startet in Niederösterreich das Pilotprojekt zum 24-Stunden-Beratungsservice rund um Notfälle und gesundheitliche Anfragen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 13. Oktober 2014 (15:50)
NOEN, Erwin Wodicka - erwin.wodicka@gm
Wer sich fragt, ob die eigenen Bauchschmerzen eher harmlos sind oder so gravierend, dass man gleich zum Arzt fahren sollte, der kann das in Zukunft mit Hilfe des TEWEB (= telefon- und webbasisertes Erstkontakt- und Beratungsservice) herausfinden.

Schon im Laufe des Pilotprojektes, das Mitte nächsten Jahres beginnt, werden alle, die gesundheitliche Fragen haben, dazu bei einer Hotline anrufen können, die vom Notruf 144 betreut wird. Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka: „144 Notruf NÖ mit dem 141 NÖ Ärztedienst sind internationale Vorzeigebeispiele.

Das neue Erstkontakt- und Beratungsservice wird diese Angebote erweitern und eine zentrale Erstanlaufstelle für die Niederösterreicher bei medizinischen Anfragen und Problemen bieten.“ Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer von 144 Notruf NÖ: "Unser langjähriges Know-How, die technisch-organisatorische Infrastruktur und unsere hoch qualifizierten Mitarbeiter sind die Grundsteine für die Implementierung von TEWEB.“

Vom Notfall bis hin zu allgemeinen Fragen

An der Hotline können sowohl allgemeine, gesundheitliche Fragen (wie zum Beispiel zu Impfungen) beantwortet werden. Man kann aber vor allem auch nachfragen, ob man mit seinem gesundheitlichen Problem besser im Krankenhaus, beim niedergelassenen Arzt oder vielleicht auch bei sich zu Hause besser aufgehoben ist. Zum Beispiel, wenn das Kind Freitagabend hoch zu fiebern beginnt. Im Rahmen der Gesundheitsreform soll TEWEB dazu beitragen, dass die Patienten am für sie richtigen Ort landen.

Dass das gut funktionieren kann, zeigen ähnliche Systeme in anderen Ländern, wie der Schweiz, England … NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Internationale Best Practice Beispiele zu telefon- und webbasierten Services bestätigen die Wirksamkeit und hohe Qualität solcher Dienste.“

Kritik von Machacek: "Sparen am falschen Platz"

Zum Thema TEWEB (= telefon- und webbasisertes Erstkontakt- und Beratungsservice), einem Projekt der Gesundheitsreform, meinte Landtagsabgeordneter Herbert Machacek (FRANK): „Da die meisten Menschen ihre Beschwerden falsch beurteilen, wäre es der absolut falsche Weg, den Gesundheitszustand am Telefon zu beurteilen.“

Er glaubt, dass man am falschen Platz sparen würde und betont zudem: „Mir ist es lieber, die Rettung fährt 100 Mal am Tag umsonst aus als ein einziger Mensch stirbt, da man seine Beschwerden am Telefon falsch diagnostizierte!“

Kritik für Bader "reine Panikmache"

VP-Gesundheitssprecher Landtagsabgeordneter Karl Bader ortet in diesen Aussagen reine Panikmache. „Die heutigen Aussagen von Landtagsabgeordneten Machacek sind reine Panikmache auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten und eine reflexartige Ablehnung neuer Ideen. Telemedizindienste wie TEWEB ersetzen die bestehenden Gesundheitsangebote in Niederösterreich nicht, sondern ergänzen sie.“ Außerdem: „Studien und internationale Beispiele bestätigen die Wirksamkeit, hohe Qualität und Zufriedenheit der Patienten mit web- und telefonbasierten Diensten.“


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NOEN, NÖN
Gerald Bachinger, Wolfgang Sobotka, Christof Constantin Chwojka