Krisenzeit für die Psyche. Seit Montag dreht sich die Welt etwas anders, als wir es normalerweise gewohnt sind. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus haben einen starken Einfluss auf den persönlichen Alltag. Das eigene Heim so gut es geht nicht zu verlassen, ist eine wichtige Maßnahme, damit man sich selbst aber auch andere schützt. Während das Zuhause-Sein anfangs noch als entspannend empfunden werden kann, kann die viele Zeit zum Nachdenken allmählich Ängste und Krisen hervorbringen.

Von Sabrina Luger. Erstellt am 22. März 2020 (15:39)
Symbolbild
Shutterstock/fizkes

Besonders für Menschen, die unter psychischen Krankheiten leiden, kann die aktuelle Situation zu einer starken Belastung werden. Und das betrifft in Niederösterreich einige: „Statistisch gesehen leidet jeder vierte Niederösterreicher bzw. jede vierte Niederösterreicherin zumindest einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung“, so Maria Werni, Psychotherapeutin und Vorsitzende des NÖ Landesverbands für Psychotherapie.

Die Psychotherapeutin erklärt, dass in Krisenzeiten die Angst der Menschen wächst und auch jene, die ihr Leben gut im Griff hatten, mit ihren Nerven am Ende sein können. „Es ist zu vermuten, dass je länger dieser Ausnahmezustand anhält, desto mehr werden die psychischen Belastungen steigen. Das gilt auch für Depression und Suizidalität“, so Werni. Ihre Ansicht teilt auch die Leiterin des NÖ  Krisen- und Frauentelefons Evelyn Filipsky: „Wir merken bislang eine geringfügige Steigerung der Anrufe, aber es ist absehbar, dass die Zahl der Anrufer steigen wird.“

Das NÖ-Krisentelefon bietet unter der Nummer 0800 20 20 16 rund um die Uhr kostenlose und anonyme Beratung in Notsituationen und Krisen. Das Team besteht aus zwölf Personen. Diese sind ausgebildete Klinische- und Gesundheitspsychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychiatrische Diplomkrankenpfleger. Sie versuchen am Telefon Lösungen für die Situationen der betroffenen Anrufer zu finden. Das Thema Corona fließt, laut Filipsky, aktuell in alle Gesprächen mit ein.

Tipps für die mentale Gesundheit in Krisenzeiten

Psychotherapeutin Maria Werni betont, dass neue und unbekannte Situationen zuerst immer Angst machen. „Wir haben jetzt eine Krisensituation, also eine Ausnahme von der Regel. Wir müssen also etwas Neues entwickeln, was wir dann wieder zur Regel machen können“, sagt Werni. Sie empfiehlt deshalb, sobald wie möglich eine gewisse Routine in der Ausnahmesituation zu finden. Unter anderem rät sie, in seinem neuen Alltag eine Struktur zu schaffen. Das kann beispielsweise durch einen Tagesplan oder einen Stundenplan sein. Mit der Familie (oder den Mitbewohnern) sollte man sich als Team sehen und gemeinsam besprechen, wer wann welche Aufgaben übernehmen kann. Abends den vergangenen Tag zu reflektierenhilft, um zu erkennen was gut lief, wie es jedem einzelnen geht und was am nächsten Tag verbessert werden kann.

Weitere Tipps, die einem helfen die häusliche Isolation trotz Einschränkungen gut zu überstehen, wurden vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen veröffentlicht. Bei großen Sorgen und Ängsten sei es ratsam, den Medienkonsum zu limitieren. Besonders Panikmacher die über SMS, E-Mails, Whatsapp und Co. verbreitet werden sollten nicht gelesen werden. Entspannungsübungen reduzieren Ängste.

Auch das Grübeln soll begrenzt werden. Obwohl es eine der vielen Strategien im Umgang mit Stresssituationen ist, ist ein Zuviel kontraproduktiv und kann zusätzlichen Stress verursachen. Ablenkungen wie beispielsweise backen, lesen oder schreiben können helfen. Dennoch ist es wichtig, seine Gefühle wahrzunehmen und darüber zu sprechen. Verwirrung, Angst und Stress sind normale Emotionen, doch kann man besonders in Krisensituationen von ihnen überwältigt sein. Mit einer Bezugsperson über seine Gefühle zu sprechen kann helfen. Wenn im näheren Umfeld niemand vorhanden ist, gibt es die Möglichkeit beim Krisentelefon oder anderen Hotlines anzurufen.

Bei psychischen oder suizidalen Krisen sowie im akuten Notfall kontaktieren Sie eine der folgenden Stellen:

Niederösterreichisches Krisentelefon
Tel.: 0800 202016, täglich 0–24 Uhr
Psychosoziale Beratung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Online unter www.noe.gv.at.  

Clearingstelle der ÖGK-NÖ:
Wenn Sie einen Psychotherapieplatz suchen, wenden Sie sich an:
Telefon: 0800 202 434
E-Mail: clearing@psychotherapieinfo.at
Homepage: www.psychotherapieinfo.at

Österreichweit:

Ö3 Kummernummer
Telefon: 116 123 (Montag bis Sonntag von 16 bis 24 Uhr)

Für Kinder: 147 Rat auf Draht

Telefonseelsorge
Tel.: 142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr
Telefon-, E-Mail- und Chat-Beratung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder Krisenzeiten.
Online unter www.telefonseelsorge.at

Männernotruf
Tel.: 0800 246 247
Der Männernotruf bietet Männern in Krisen- und Gewaltsituationen österreichweit rund um die Uhr eine erste Ansprechstelle.
Online unter www.maennernotruf.at.

Frauenhelpline
Tel.: 0800 222 555
Die Frauenhelpline gegen Gewalt bietet rund um die Uhr Informationen,Hilfestellungen, Entlastung und Stärkung – auch in Akutsituationen. 
Online unter www.frauenhelpline.at.

Kinder- und Jugendliche
Die Website bittelebe richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche.
Online unter bittelebe.at.