Biologische Vielfalt als Lebensgrundlage. Der Mensch braucht Biodiversität zum Leben. Durch Eingriffe des Menschen sind jedoch viele Arten gefährdet. Umso mehr muss die Vielfalt gestärkt werden.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 12. Juni 2020 (15:09)
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Zwischen zehn und 100 Millionen Arten leben auf der Welt, wird geschätzt. Allein in Österreich kommen laut Landwirtschaftsministerium rund 67.000 Arten vor. Durch Eingriffe des Menschen ist die Vielfalt in den letzten Jahren jedoch gefährdet und erheblich dezimiert worden. Die Europäische Union habe über die Hälfte ihrer Feuchtgebiete verloren. In Österreich seien gemäß Roten Listen 27 Prozent der Säugetiere, 27 Prozent der Vögel, 60 Prozent der Kriechtiere und Lurche gefährdet. Bei den Farn- und Blütenpflanzen sind es ca. 33 Prozent.

„Je diverser, desto robuster“

Der Mensch aber braucht Biodiversität, also die Vielfalt der Arten, deren genetische Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Biodiversität sei die Grundlage für all die Leistungen, die der Mensch aus der Natur bekomme, erläutert Andrea Höltl, die Leiterin des Biodiversitäts-Hubs an der Donau-Universität Krems. Vom Holz, das der Mensch als Baustoff verwendet, über die Nahrungsmittel, die er anbaut, oder das Wasser, das er trinkt, bis hin zur Landschaft, in der er sich in seiner Freizeit erholen kann. Höltl: „Es muss uns noch stärker bewusst werden, dass Biodiversität unsere Lebensgrundlage ist.“

Andrea Höltl ist Leiterin des Biodiversitäts-Hubs an der Donau-Universität Krems.
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Und für diese gilt: „Je diverser die Arten sind, desto robuster sind Systeme gegenüber Krisen.“ Gibt es hingegen weniger Arten, können Systeme leichter zusammenbrechen. Breitet sich beispielsweise ein Schädling aus, kann dieser bestimmte Pflanzen vernichten. Sind nur diese vorhanden, wird es kritisch. Gibt es aber eine Vielfalt an Pflanzen, sind darunter möglicherweise auch welche, denen er nichts oder weniger anhaben kann.

Umso wichtiger ist ein umfassendes Wissen rund um Biodiversität. Um die Kompetenz in diesem Bereich zu stärken, gibt es seit Herbst 2017 den Biodiversitäts-Hub an der Donau-Universität Krems. Der Hub wird vom Land NÖ gefördert und dient als Kommunikationsdrehscheibe zum Thema Biodiversität.

Biodiversität: Netzwerk und Atlas

Eine Aufgabe des Hubs war es, ein Netzwerk zu gründen, um Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, miteinander zu vernetzen. Das Netzwerk Biodiversität Österreich ist offen für alle, die Biodiversität unterstützen wollen, betont Höltl. Naturwissenschafter, Geisteswissenschafter, Techniker, Rechtsexperten, Raumplaner, Landwirte … Zurzeit sind rund 200 Personen und 15 Institutionen mit dabei. „Ziel ist die Stärkung der Biodiversität und deren Ökosystemleistungen in Österreich“, erfährt man auf www.biodiversityaustria.at.

Einmal im Jahr lädt das Netzwerk zum Österreichischen Forum zu Biodiversität & Ökosystemleistungen. Das nächste ist für Anfang Dezember geplant.

Zweite Aufgabe des Hubs ist die Installierung eines Datenmanagementsystems. Gute Datenbanken gebe es Höltl zufolge zwar bereits, das Besondere am Biodiversitäts-Atlas Österreich sei aber, dass nicht nur Wissenschafter, sondern auch Bürger, Schulen usw. Daten daraus nützen könnten, um beispielsweise zu erfahren: Welche Arten gibt es in meiner Region? Was hat sich verändert?

Zudem können im Atlas, der seit Ende 2019 bereit steht, Daten verschiedener Datenbanken (manche fremden Daten sind aus Sicherheitsgrünen nur eingeschränkt verfügbar) miteinander verknüpft werden, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Biodiversität kommt in wirtschaftlichen und politischen Überlegungen, wie etwa den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, zwar vor, Höltl jedoch glaubt, dass Biodiversität noch mehr berücksichtigt werden müsste. Vor allem sollte man auch bei der Förderung anderer Ziele daran denken. Ein Beispiel sind erneuerbare Energien. Wasserkraft ist umweltfreundlicher als andere Energieformen. Durch den Kraftwerkbau aber verschwinden auch Laichplätze für Fische, der natürliche Hochwasserschutz und vieles mehr. „Hier muss ein guter Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Zielen geschaffen werden.“. www.biodiversityaustria.at